Kurz vor dem Ende der Sommerferien freut sich Rektor Elmar Dressel von der Südstadtschule schon auf die Herbstferien. Allerdings nicht, weil dann für ihn die nächsten freien Tage anstehen, sondern vielmehr, weil dann der lang ersehnte Erweiterungsbau fertig sein soll, der Platz für vier weitere Klassenzimmer bietet.

Vier Klassen ziehen um

Eigentlich sollten die Räume schon in den Sommerferien möbliert werden, doch der Zeitplan ließ sich nicht halten. Gerade wurde der Estrich verlegt, nun stehen noch weitere Arbeiten im Innenbereich an. Der Schulleiter ist optimistisch, dass in gut sieben Wochen zwei erste Klassen, eine vierte Klasse und die jahrgangsübergreifende Familienklasse ihre neuen Räume beziehen können. Die Möbel jedenfalls werden in den Herbstferien geliefert.

Aufstocken möglich

Weil die vier Klassenräume bislang fehlten, musste auf andere Räume ausgewichen werden, darunter der ehemalige Musiksaal und ein Teil des Ganztagsbereichs im Untergeschoss. Der Erweiterungsbau kann außerdem bei Bedarf um ein weiteres Geschoss aufgestockt werden.

Überall fehlen Grundschullehrer

Die Platzprobleme der Südstadtschule dürften damit vorerst gelöst sein. Andere Schwierigkeiten sind das bislang nicht: Mit dem bundesweit grassierenden Lehrermangel sieht sich auch die Südstadtschule konfrontiert. Eine aktuelle Analyse der Bertelsmann-Stiftung warnt davor, dass der Mangel bis zum Jahr 2025 deutlich drastischer ausfallen könnte als bisher angenommen. Bundesweit könnten demnach mindestens 26 300 Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen fehlen.

Diese Türen sollen sich bald für die Schüler öffnen: Konrektorin Annegret Maute und Schulleiter Elmar Dressel am Erweiterungsbau der Südstadtschule.
Diese Türen sollen sich bald für die Schüler öffnen: Konrektorin Annegret Maute und Schulleiter Elmar Dressel am Erweiterungsbau der Südstadtschule. | Bild: Göbel, Nathalie

„Eigentlich geht es uns in Sachen Lehrerversorgung gut“, sagt Dressel. Eigentlich. Doch auch er bekommt den Mangel zu spüren: Die Südstadtschule muss in diesem Schuljahr drei Lehrkräfte an die Schwenninger Neckarschule teilabordnen. Sie fehlen damit an je einem Schultag pro Woche in der Vom-Stein-Straße. „Wir können unsere Pflicht erfüllen, aber unsere Personaldecke ist dennoch dünn“, fasst Elmar Dressel zusammen. „Ich kann nur hoffen, dass wir keine Ausfälle haben.“

45 unbesetzte Stellen

Insgesamt 45 unbesetzte Lehrerstellen gibt es nach Angaben des Regierungspräsidiums Freiburg an den Grundschulen im Schulamtsbezirk Donaueschingen. Dem gegenüber stehen 36 Neueinstellungen und 59 Jahresverträge.

57 Nichterfüller

Davon wiederum sind zwei Pensionäre und 57 so genannte Nichterfüller ohne vollständige Lehrerausbildung, beispielsweise Mathematiker, die kein Lehramtsstudium absolviert haben und nach dem Ende des Schuljahres erst einmal arbeitslos sind – es sei denn, sie erhalten den nächsten Jahresvertrag.

Probleme im ländlichen Raum

„Das staatliche Schulamt ist sehr bemüht, uns gut zu versorgen“, sagt Elmar Dressel. „Aber dort kann man eben auch keine neuen Lehrer backen.“ Der ländliche Raum sei für junge Lehrer häufig unatttraktiv, die meisten versuchen, in Konstanz oder Freiburg unterzukommen. „Wir im Schwarzwald-Baar-Kreis, aber auch die Landkreise Tuttlingen und Waldshut haben da mehr zu kämpfen.“

Politik in der Pflicht

Er sieht die Politik in der Pflicht: Zum einen müsse weitsichtiger geplant werden, zum anderen sollten die Zugangsvoraussetzungen für den Beruf erleichtert werden. Auch müssten die Bildungsgewerkschaften mehr Gewicht in die Waagschale werfen. Dass sich Schulen mit Nichterfüllern behelfen, sei nicht per se schlecht.

Der Druck fehlt

Würde der Lehrermangel jedoch stets kompensiert, fehle der Druck seitens der Eltern, „denn es geht ja doch irgendwie“. Anders sehe es aus, wenn bestimmte Fächer zeitweise nicht unterrichtet werden könnten, weil der Lehrer fehlt.

Drei neue erste Klassen

340 Schülerinnen und Schüler besuchen im neuen Schuljahr die Südstadtschule, 20 weniger als im vorherigen. „In einem Jahr mussten wir schon einige Schüler ablehnen, das ist dieses Jahr zum Glück nicht der Fall“, sagt Elmar Dressel. Vier vierte Klassen wurden vor den Sommerferien an weiterführende Schulen verabschiedet, neu hinzu kommen jetzt nur drei erste Klassen, was die Situation etwas entspannt.

Fußballfeld zieht um

Dennoch muss an manchen Stellen improvisiert werden – so etwa auf dem Schulhof. Das Fußballfeld musste dem Neubau weichen. Es kann aber auf einem anderen Teil des Geländes noch nicht neu angelegt werden, weil sich dort noch ein Erdhügel befindet. Damit es in den Pausen nicht allzu beengt zugeht, wird die parallel zur Grimmelshausenstraße verlaufende Rasenfläche mit Bauzäunen abgesperrt, damit auch hier sicher gespielt werden kann.

Spielplatz kann genutzt werden

Außerdem können die Grundschüler seit Kurzem auf den benachbarten Spielplatz am Bildstocker Platz ausweichen: In den Pausen wird die Vom-Stein-Straße durch eine schwenkbare Schranke gesperrt, so dass die Grundschüler gefahrlos die Straße überqueren und sich auf dem Spielplatz austoben können.