Dieser Verein sei nicht befugt, das Inventar des Studios zu nutzen, so die Begründung, so Brunner-Schwer. Der Förderverein indes, der das kulturelle Erbe des Studios erhalten und pflegen möchte, ist empört über Brunner-Schwer. "Dem Mann muss das Handwerk gelegt werden", sagt Töni Schifer, der Vorsitzende des Fördervereins.

An sich soll in diesem Jahr gefeiert werden. Am 1. April wird das Plattenlabel MPS, das für die "Musik Produktion Schwarzwald" steht, 50 Jahre alt. Hans Georg Brunner Schwer, Spross der Saba-Unternehmerdynastie in Villingen, hat MPS an jenem 1. April 1968 gegründet. Zuvor lief das Tonstudio unter dem Namen Saba. Vor allem durch einige Aufnahmen mit den ganz großen Jazzmusikern aus den USA wurde das MPS-Studio weltberühmt.

Das Feuilleton der Wochenzeitung "Die Zeit" hat der Geschichte, wie der Jazz vor 50 Jahren nach Deutschland (und Villingen) kam, am 28. Dezember eine ganze Seite gewidmet. Auch die "Landesschau" im SWR-Fernsehen huldigte dem Jubiläum kürzlich mit einem längeren Beitrag und Rückblick auf die goldenen Zeiten des Studios, als Jazzgrößen wie Oscar Peterson oder Duke Ellington in Villingen Glanzlichter des Jazz aufnahmen.

Vor Ort indes wird das Jubiläumsjahr getrübt durch die Auseinandersetzung um die Nutzung des Studios. Der Konflikt schwelt seit geraumer Zeit. Der vor einigen Jahren gestartete Versuch von Mathias Brunner-Schwer, dem Sohn des Studiogründers, gemeinsam mit dem heimischen Jazz-Experten Friedhelm Schulz das Studio unter dem neuen Label HGBS wiederzubeleben und zu vermarkten, endete in einem Zerwürfnis der beiden und der Insolvenz des neuen Labels. Im vergangenen Herbst erklärten Friedhelm Schulz und Berthold Käfer, der Hauseigentümer der Richthofenstraße 1, die Wiederbelebung des Studios und die Gründung eines Fördervereins. Allerdings ohne Mathias Brunner-Schwer, mit dem sie eine weitere Zusammenarbeit definitiv ausschlossen. Brunner-Schwer wiederum konterte, dass er sowie der Salzburger Jazzmusiker T.C. Pfeiler Eigentümer eines Großteils des Studio-Inventars seien. Ohne ihre Zustimmung könne das Studio nicht genutzt werden.

Hauseigentümer Bertold Käfer wiederum reklamiert das Studio-Inventar als sein Eigentum und hat die Schlösser am Haus und im Studio ausgetauscht. Brunner-Schwer wird vorgeworfen, einen Teil des Inventars des denkmalgeschützten Studios, darunter das Plattenarchiv mit mehreren hundert Schallplatten, unrechtmäßig entwendet und verkauft zu haben. Eine Strafanzeige, heißt es, liege bei der Staatsanwaltschaft Konstanz. Die Vorwürfe und Besitzansprüche beider Parteien stehen bisher lediglich im Raum und sind gerichtlich nicht geklärt. Brunner-Schwer drohte im Herbst mit einer langwierigen juristischen Auseinandersetzung, sollte es nicht zu einem finanziellen Ausgleich kommen.

Geklagt hat er aber bisher nicht. Dafür versucht er nun, seine Widersacher über das Finanzamt anzugreifen. Ins Visier genommen hat er den von Schulz und Käfer sowie weiteren Jazzfreunden im Herbst neu gegründete Förderverein MPS Studio.

Dieser Verein hat laut Satzung das Ziel, das denkmalgeschützte Studio und die Erinnerung an die Arbeit des Gründers Hans Georg Brunner-Schwer zu fördern und zu unterstützen. Neben der Bestandspflege des Studios und Weitervermittlung von dessen Geschichte geht es den Jazz-Freunden auch um die Entwicklung neuer, zukunftsorientierter Elemente, wie etwa Wettbewerbe für Nachwuchsmusiker, Netzwerkbildung mit Musikhochschulen zwecks Zusammenarbeit oder der Durchführung von Studiokonzerten, Haus- und Hofkonzerten im Studiobereich. Zum Vorsitzenden wurde wurde Töni Schifer gewählt, bekannt als einer der Autoren des 1990 erschienen Buchs über das MPS-Studio und einer der Mitbegründer des erfolgreichen Mode-Labels "Nastrovje Potsdam" aus Villingen-Schwenningen.

"Wir machen das alles ehrenamtlich", betont Schifer. "Wir versuchen, das Studio wieder aufzubauen, damit die nächste Generation diese Räume noch so vorfindet, wie sie ursprünglich waren." Der Verein versuche, das Erbe von Hans Georg Brunner-Schwer zu erhalten. Mit dessen Sohn sei dies nicht mehr möglich. "Der Mann hat hier nicht umsonst Hausverbot." Gefeiert werden soll, trotz der schrägen Begleitmusik, in diesem Jahr gleichwohl. Im Herbst, so kündigt Schifer an, sollen ein halbes Jahrhundert MPS angemessen begangen werden. Die Details müssen aber erst noch geplant werden.

Die Musikproduktion Schwarzwald

  • Hans Georg Brunner-Schwer (1927-2004), ein Spross der SABA-Unternehmer-Dynastie Brunner-Schwer, hatte das Tonstudio, das mittlerweile Kulturdenkmal ist, zwischen 1957 und 1960 eingerichtet. Schon ab 1963 waren berühmte Musiker aus der Jazzszene zu Gast. Von 1968 bis 1983 war das Studio Aufnahmeort des legendären Labels MPS (Musikproduktion Schwarzwald), das bis in die 80er Jahre vor allem durch hochklassige Jazzproduktionen von sich reden machte.
  • MPS – diese drei Buchstaben haben bis heute bei Musikfreunden einen magischen Klang, vor allem wegen der herausragenden Aufnahmequalität der Jazz- und Klassikproduktionen. Rund 1000 Aufnahmen sind unter Saba und MPS entstanden: Unterhaltungsmusik, Tanzmusik und Klassik – aber im Vordergrund stand stets der Jazz. Neben den wichtigsten deutschen Jazz-Künstlern wie Albert Mangelsdorff, Joachim Kühn, Wolfgang Dauner, Volker Kriegel und vielen anderen fanden auch viele internationale Größen ihren Weg in den Schwarzwald: Oscar Peterson, Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Monty Alexander, Baden Powell – um nur einige zu nennen.
  • Etwa seit 2009 versuchten Mathias Brunner-Schwer, der Sohn des Studiogründers, und der Jazzexperte Friedhelm Schulz, das Studio unter dem Namen HGBS wieder zu beleben. Inzwischen aber hat die HGBS Insolvenz angemeldet, die Geschäftsführer sind zerstritten. Jetzt soll ein Förderverein das kulturelle Erbe bewahren.