Weshalb hört Rupert Kubon auf, kandidiert nicht mehr ein drittes Mal ums Amt? Man kann es so sagen: Er macht noch einmal etwas Neues, aus dem Politiker wird der Prediger. Man kann es auch so sehen: Es wurde ihm zu bunt und manchmal wohl auch zu ungerecht, vielleicht sogar zu gehässig. Er ist an der Fastnacht wirklich heftig angegangen worden, wer dabei hinhörte, der konnte zum Ergebnis kommen, die Bürger sind des Themas Kubon überdrüssig. Kubon weist es zurück, dass er aufgrund dieser Stimmungen zum Jahresende aufhört. Die Wahrheit kennt nur er selbst.

Für die Stadt Villingen-Schwenningen und auch für den Menschen Rupert Kubon ist das Nein zur dritten Kandidatur eine gute Entscheidung. Die Stadt darf auf frischen Wind und neue Ideen hoffen. Ob es auch gute Nachfolge-Kandidaten geben wird, bleibt abzuwarten. Wie es scheint, wollte sich bislang niemand ganz unbedingt und ausschließlich in VS bewerben. Das politische Fahrwasser hier hat einen schlechten Ruf, das Terrain der Doppelstadt gilt immer noch als vermint. Wer hört, wie in Schwenningen über die in Villingen vorgesehene Platzierung der neuen Verwaltungszentrale gesprochen wird, der weiß Bescheid.

Was kommt jetzt auf uns zu? Zum Beispiel die Frage, ob alle andiskutierten Projekte Bestand haben werden. Ein neuer OB kann auch die Verwaltung neu strukturieren. Hier besteht Handlungsbedarf. Dass Stefan Assfalg als Amtsleiter und nicht als Bürgermeister mit dem Amt für Schule, Bildung und Sport fast die Hälfte der 1600 Stadt-Beschäftigten dirigiert, ist eines der Themen. Dass VS keinen Finanzbürgermeister hat, ein anderes. Auch in den Ortschaften darf man in Hab-Acht-Stellung gehen: Immer wieder gab es in den letzten Jahren verdeckte Anläufe, die kleinteiligen Schulstrukturen aufzubrechen. Spannend wird es auch im Rathaus: Kandidieren bisherige Amtsleiter? Etwa der Kämmerer? Der Hauptamtsleiter? Oder lässt sich Detlev Bührer doch noch von seiner CDU dazu bewegen, ein Ja zum Drängen auf seine Kandidatur zu formulieren?

Was hinterlässt Kubon? In Schwenningen wurde viel investiert. Die Sanierung und Neuausrichtung des Eisstadions war aber zu kurz gesprungen. Eine neue Mehrzweck-Arena im Zentralbereich wäre der richtige Schritt gewesen. Nicht nur für Basketball, sondern auch für Konzerte und mehr. Die neue Halle in Schwenningen, die Ausbaupläne für die Tonhalle? Auch hier wäre ein mutiger Schritt zu einem Kongresszentrum zwischen V und S zukunftsfähiger. Immer noch kein großes Spaßbad in VS, verlotterte Straßen, vernachlässigte Schulen – man stehe immer im Feuer, sagte OB Kubon jetzt zutreffend aber auch ein wenig klagend.

Kubon hat viel geleistet auf dem Gebiet der Zusammenführung der Menschen in Villingen und Schwenningen. Er hat eine gute Gartenschau gestemmt, was mit 35 Millionen Euro aber auch nicht sonderlich schwer war.

Ein neuer Oberbürgermeister muss kreativ sein, mehrjährige Verwaltungserfahrung haben und ein Netzwerk in die Landes- und Bundespolitik mitbringen. Allzu oft war es in der Vergangenheit so, dass die Spitze der VS-Politik zwar wie eine Brausetablette im Wasserglas sprudelte, aber keine Wirkung zeigte. Das muss sich ändern. VS hatte zu oft das Nachsehen. Stichwort Polizeipräsidium. Einem vernetzten Oberbürgermeister wäre das nicht passiert. Das nächste Thema köchelt schon auf. Die Hochschule eröffnet Niederlassungen in Rottweil, in Tuttlingen, weil sie in VS erklärtermaßen keine Räume fand. Man kann den Verdacht haben, dass ein anderer Wahlkreis hier schon wieder sein Süppchen anrührt. Wer haut diesen stillen Strippenziehern auf die Pfoten? Leider keiner. Wer verhindert das Ausfransen solcher Strukturen in VS? Offenbar ebenfalls keiner.

Jetzt machen sich die Parteien daran, hoffnungsfrohe Nachfolge-Bewerber zu finden. Zu hoffen bleibt, dass sich politisch unabhängige Köpfe mit Erfahrung bei uns bewerben, die Lust haben auf Schwarzwald und eine Stadt-Struktur, die einzigartig ist. Die Hoffnung, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird, ist allerdings gering. Fast zeitgleich hört in Offenburg nach zwei Amtsperioden die dortige Rathaus-Chefin auf. Offenburg ist wirtschaftlich stark und schuldenfrei.

Video von der Pressekonferenz und Interview mit OB Kubon

 

Video: Jens Fröhlich

 

Video: Jens Fröhlich

 

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