Zuletzt hat der SÜDKURIER mehrfach über Verkehrs- und Lärmprobleme im Villinger Rietviertel berichtet. Das Bürgeramt der Stadt hat daraufhin verstärkte Kontrollen angekündigt, zugleich aber festgestellt, dass den Ordnungsorganen im Quartier keine besonderen Probleme bekannt seien. Das sehen die Anwohner offenbar ganz anders. Sie haben jetzt eine Unterschriftenaktion gestartet, berichtete jetzt Stadtrat Bertold Ummenhofer.

Im Fokus der Anwohner stehen zum einen Park- und Verkehrsprobleme, aber auch Lärm und Müll. Für letztere werden offenbar vor allem eine Gaststätte für türkische Arbeitnehmer sowie die Besucher zweier Wettbüros in der Bogengasse von deren Nachbarn verantwortlich gemacht. So geht es zumindest aus einem Schreiben hervor, das ein Anwohner vor wenigen Tagen ans Ordnungsamt gerichtet hat. Er fordert die Ortspolizeibehörde auf, entsprechende Schritte einzuleiten.

Autos brettern durch

Nach Aussage des Bewohners wird die erforderliche Schrittgeschwindigkeit – die Riet-, Bogen- und Turmgasse sind als verkehrsberuhigter Bereich (Tempo 7 km/h) ausgewiesen – so gut wie nie eingehalten. Im Gegenteil werde von Autofahrern oft durchgebrettert. Mögliche Ursache sei das schlecht platzierte Verkehrszeichen an der Ecke Zinser- und Turmgasse. Das Schild sollte besser platziert und öfter Geschwindigkeiten kontrolliert werden, wird in dem Brief gefordert. Ein gefährliches Ärgernis sei auch, dass Autofahrer aus der Tiefgarage Zinsergasse öfter gegen die Einbahnrichtung aus dem Quartier fahren. Außerdem würden viele Anwohnerparkplätze durch externe Autofahrer belegt, die die Gaststätte oder die Wettbüros besuchen. Manche parken mitten in den Kurven. „Hier wäre eine höhere Kontrollfrequenz mit entsprechenden Sanktionen im Sinne der parkberechtigten Anwohner wünschenswert“, schreibt der Anwohner.

Müll und Kippen

Ein weiteres Problem: Die zahlreichen Zigarettenkippen vor dem Lokal und die mit Kippen und Müll verstopften Gullis in diesem Bereich. Das Bürgeramt, so schreibt der Anwohner, habe seinen früheren Vorschlag, dort Aschenbecher aufzustellen zu lassen, „mit fadenscheinigen Gründen“ (Unfallgefahr, öffentlicher Verkehrsraum) zurückgewiesen. „Dass es auch anders geht, zeigen genügend Lokale in der Färberstraße, bei denen ein Aschenbecher vor der Tür steht“, schreibt der Bürger.

Manchmal unerträglich

Zutreffend seien auch die Klagen über die Lärmbelästigung bis weit in die Nachtstunden hinein. Anwohner seien genötigt, ihre Fenster zu schließen oder mit Ohrenstopfen zu schlafen. Dass sich bisher niemand beschwert habe, liege daran, dass keiner gerne seinen Nachbarn mit der Obrigkeit kommen wolle. Zumal es durchaus nette Beziehungen zu einigen Kneipenbesuchern gebe. Allerdings: Wenn die Stadt davon ausgehe, dass hier heile Welt herrsche, müsse widersprochen werden. „Es ist an manchen Tagen unerträglich“, heißt es in dem Brief.

Stadtrat Bertold Ummenhofer forderte in der Sitzung des Verwaltungsausschusses das Bürgeramt und den Oberbürgermeister auf, „schnell und wirksam tätig zu werden“. Demnächst sollen die Unterschriften an den OB übergeben werden.