Um die ehemalige Kantine der untergegangenen Firma Saba ranken sich bei zahlreichen alten Villingern noch viele Erinnerungen. In jüngster Zeit ist in dem barackenartigen Gebäude sogar Kultur- und Vereinsleben aufgeblüht. Keine Frage: Der alte Schuppen hätte das Zeug zur Kult- und Kulturstätte. Derlei Hoffnungen bleiben allerdings wohl fruchtlose Blütenträume. Denn das Gebäude soll, wie die benachbarten ebenso, im Zuge der bevorstehenden Umgestaltungen des Areals abgerissen werden.

Blick in die einstige Saba-Katine, wie sie sich heute präsentiert.
Blick in die einstige Saba-Katine, wie sie sich heute präsentiert. | Bild: Hahne, Jochen

Das finde einige schade. Denn zuletzt haben beispielsweise die Villinger Dörr-Brüder mit ihren musikalischen Freunden in der alten Saba-Kantine mehrere Konzerte abgehalten. Dabei begeisterten nicht nur die Musiker, sondern auch die robuste „Location“ mit ihrem Parkettboden und Kassettendecke das Publikum. Andere Gruppen nutzen den Raum ebenfalls: Am heutigen Mittwochabend hält beispielsweise der Skiclub Villingen in der Kantine seine Hauptversammlung ab. Auch die Betreiber des wiederbelebten MPS-Studios in der Nachbarschaft haben die Kantine bereits für eine Plattenbörse genutzt. Mitte September soll dort im Rahmen eines geplanten Festivals rund um das legendäre Tonstudio erneut eine Plattenbörse stattfinden.

Beim Konzert der Dörr-Brüder mit ihren Freunden begeisterten nicht die Musiker das Publikum, sondern auch die Veranstaltungsräume der alten Saba-Kantine.
Beim Konzert der Dörr-Brüder mit ihren Freunden begeisterten nicht die Musiker das Publikum, sondern auch die Veranstaltungsräume der alten Saba-Kantine.

Einigen Besucher haben sich bereits gefragt: Wäre das nicht ein geeigneter Veranstaltungsraum mittlerer Größe für Vereinsveranstaltungen, Konzert und Kleinkunst in Villingen? Vielleicht gar ein Ersatz für die Scheuer, die massiv unter Lärmklagen der Nachbarschaft leidet? Eric Dörr, der gemeinsam mit seinem Bruder Carsten mehrere Konzerte in der Saba-Kantine auf die Beine gestellt hat, kann derlei Schwärmerei durchaus nachvollziehen. „Die Kantine wäre für Villingen ein absoluter Knaller“, stellt er fest. Der Bedarf wäre sicher vorhanden. Andererseits: Um die Baracke als regelmäßigen Veranstaltungsraum nutzen zu können, müsste sie mit Sicherheit aufwändig umgebaut und an die heutigen Sicherheitsvorschriften angepasst werden. „Das würde wohl kein Investor machen“, vermutet Dörr.

Blick in die Saba-Kantine von damals. Diese Aufnahme enstand bei der Kinderweihnachtsfeier 1955, die von „Saba-Mutter“ Gretel Scherb jedes Jahr für die Kinder der Werksangehörigen veranstaltet wurde. Bild: Stadtarchiv/Saba Post 1955
Blick in die Saba-Kantine von damals. Diese Aufnahme enstand bei der Kinderweihnachtsfeier 1955, die von „Saba-Mutter“ Gretel Scherb jedes Jahr für die Kinder der Werksangehörigen veranstaltet wurde. Bild: Stadtarchiv/Saba Post 1955 | Bild: Stadtarchiv/Saba Post 1955

Auch die Stadt zeigt kein Interesse an dem Erwerb einer weiteren Kulturstätte. „Das ist eine tolle Location, die gut gelegen ist und viel Charme hat“, bestätigt zwar OB Jürgen Roth auf Nachfrage. Doch es gebe keinerlei Bestrebungen der Stadt in diese Richtung. Zumal das Gebäude ja in privater Hand sei.

Blick auf das alte Saba-Gelände (im Vordergrund links) und die dahinter liegende ehemalige Richthofen-Kasernen. Das flache Gebäude links (rot eingekreist) ist die ehemalige Kantine. Bild: Hans-Jürgen Götz
Blick auf das alte Saba-Gelände (im Vordergrund links) und die dahinter liegende ehemalige Richthofen-Kasernen. Das flache Gebäude links (rot eingekreist) ist die ehemalige Kantine. Bild: Hans-Jürgen Götz | Bild: Hans-Jürgen Götz

Beim Eigentümer handelt es sich um die Immobilien-Gruppe Richter aus Mainz, die das gesamte ehemalige Saba-Gelände vor einigen Jahren erworben hat und dort einen Gewerbepark betreibt. Die Richter-Gruppe wiederum hat eigene Pläne. Das Unternehmen wird über das alte Saba-Gelände das benachbarte Gelände der einstigen Richthofenkaserne mit neuen Zufahrten, Straßen und Versorgungsleitungen erschließen (wir berichteten), weil dort ein neues Wohngebiet geplant ist. „Die alten Gebäude auf dem Saba-Gelände stehen der Neubebauung im Wege“, erläutert Diplom-Ingenieur Patrick Rößler von der Richter-Gruppe. Deshalb werden die alten Industrie- und Nebengebäude abgerissen. Ein weiterer Grund für den Abriss sei die Altlastenentsorgung. Schon seit vielen Jahren werden Schadstoffe im Erdreich, die von der Saba hinterlassen wurden, mittels Absaugtechnik entschärft. Das Verfahren, so Rößler, sei „hochgradig ineffektiv“ und kostspielig. Auch deshalb sollen die alten Gebäude abgerissen und die Schadstoffe aus dem Boden entfernt werden. Einen konkreten Zeitplan gibt es dafür noch nicht. Doch die Tage der alten Saba-Immobilien samt Kantine sind damit wohl gezählt.

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