Helge Horn (81) steckt der Schreck noch in den Gliedern. Möglicherweise in der Nacht auf den 1. Mai lösten Unbekannte an seinem VW Up vier Radmuttern. Er hatte am Abend des 30. April den Kleinwagen aus seinem Hof, da er Besuch erwartete, hinausgefahren und auf einem der öffentlichen Parkplätze in der Nähe der Shell-Tankstelle in der Bahnhofsstraße geparkt. In den Wagen stieg er mit seinem Sohn am Donnerstagabend, 2. Mai. Ihr Ziel: ein kleiner Ort in Richtung Stuttgart. Am Ortsausgang von Villingen bemerkten sie die Gefahr. Die Radmuttern waren lose – im letzten Augenblick konnten Horn und sein Sohn anhalten.

An Platten gedacht

Der Villinger möchte sich gar nicht ausdenken, was passiert wäre, hätte er die aufgedrehten Radmuttern nicht bemerkt. „Es fühlte sich beim Fahren an, als hätte ich einen Platten“, berichtete er. Doch wäre er bereits auf der Autobahn gewesen, hätte er gar nicht so schnell reagieren können. Dann hätte sich möglicherweise das Rad gelöst, der Wagen hätte sich überschlagen. „Das war ein halber Mordversuch“, meinte Horn. Er kann es beim besten Willen nicht mehr als einen Aprilscherz verstehen, nicht mal einer der üblen Sorte. Er ist sich auch deswegen so sicher, dass die vier Radmuttern gelöst wurden, weil er vor Kurzem die Sommerräder hatte aufziehen lassen. Danach hatte er die Muttern mit einem Schlüssel überprüft – alle an allen Rädern saßen fest.

Rechtzeitig gestoppt

Für Horn ging die Sache glimpflich aus. Sie konnten rechtzeitig anhalten, sein Sohn sicherte zunächst das Rad. Später wurden die Muttern wieder festgezogen. Auf sich sitzen lassen möchte der Villinger den Fall aber nicht. Daher ging er inzwischen aufs Polizeirevier. Allerdings machte ihm dort der Beamte wenig Hoffnung, dass der Täter gefunden werde, „ohne Zeugen“. Horn selbst verwies darauf, dass die nahe gelegenee Tankstelle videoüberwacht sei. Doch ohne Weiteres seien die Bänder nicht zu bekommen, wurde ihm entgegnet. Es sei zwar ein komplexes Verfahren, aber nicht unmöglich, berichtete auf Nachfrage der Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen, Michael Aschenbrenner. Wenn es dazu diene, die Straftat aufzuklären, könnte ein Videoband beschlagnahmt werden. Möglicherweise sollte aber Horn vermittelt werden, dass die Parkplätze aufgrund der örtlichen Gegebenheiten von der Tankstelle aus gar nicht oder nur schlecht einsehbar sind, vermutete Aschenbrenner.

Tankstelle überwacht

Tatsächlich wurde vor einigen Jahren aus Horns Wohngebäude bereits einmal ein Tresor entwendet. Schon damals wurden die Videobänder der Tankstelle überprüft, allerdings war der Hauseingang nicht einsehbar. Diesem Fall sei aber anders, weil die Parkplätze näher an der Tankstelle lägen. Horn will seinen Fall aber dennoch publik machen. Vielleicht findet sich ja doch noch ein Zeuge, der etwas gesehen habe. Dem Täter sollte man auf die Schliche kommen, auch wenn er „noch einmal Glück“ hatte.

Auf dem letzten öffentlichen Parkplatz, direkt zur Shell-Tankstelle hin, geschah es.
Auf dem letzten öffentlichen Parkplatz, direkt zur Shell-Tankstelle hin, geschah es. | Bild: Marcel Jud

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