Nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche leiden zusehends unter den Folgen der angespannten Wohnungssituation in der Doppelstadt. Und das nicht nur, weil etwa ihre Eltern keine größere Wohnung finden, damit sie ein eigenes Zimmer beziehen können.

Manche ziehen bereits in jungen Jahren von zu Hause aus, weil sie dort Gewalt oder Misshandlung fürchten müssen. Für solche Jugendliche ist die Gefahr groß, am Ende auf der Straße zu landen, wie der Jahresbericht der Mobilen Jugendhilfe für 2018 zeigt.

Ohne Arbeit und mit Schulden

„In dieser Situation bringen diese Jugendlichen häufig bereits Schulden mit und sind arbeitslos. Damit haben sie bei den heutigen Bewerbungsverfahren für Wohnungen keine Chance“, erklärt Sozialarbeiterin Jana Thome. Dass die Betroffenen dabei nicht in die Obdachlosigkeit geraten und von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, bietet die Jugendarbeit etwa hierbei niederschwellige Unterstützung an.

Zumeist sind es aber ganz andere Gründe, weshalb sich junge Menschen an die Sozialarbeiter wenden: In knapp einem Fünftel aller Fälle waren die Jugendlichen zuvor straffällig geworden und wissen nicht mehr weiter. Etwa ein Sechstel meldete sich wegen Schwierigkeiten in der Familie, gefolgt von Alkohol- oder Drogenproblemen, Sex und Partnerschaft, Gesundheit und eben der Wohnsituation.

„Wir gehen als Gäste dahin“

Insgesamt nahmen 2018 in VS so 353 Jugendliche die Hilfe der Anlaufstelle in Anspruch, wobei der größte Anteil bereits älter als 21 Jahre und damit bereits im jungen Erwachsenenalter war.

Damit die Wege zu ihnen möglichst kurz sind, sind die Sozialarbeiter der Mobilen Jugendarbeit unter anderem mit ihrem Wohnwagen unterwegs. „Wir gehen zu den Plätzen, an denen die Jugendlichen auch sind“, sagt Sozialpädagoge Steffen Helbig. „Aber wir gehen dahin als Gäste und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Der Jugendliche selbst bestimmt, wann und wo die Hilfe stattfindet.“

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Dieses Konzept geht offenbar auf, wie sich an der wachsenden Resonanz auch der Freizeitangebote zeigt, die von der Jugendarbeit organisiert werden. Etwa beim Fußballturnier „Midnight Soccer“ in der Sporthalle am Deutenberg, das dieses Jahr am 6. Dezember ab 22 Uhr wieder dort stattfindet. Oder bei dem Fotografieprojekt „Was wäre wenn...?“, bei dem sich die Jugendlichen – unter ihnen auch viele Geflüchtete – selbst in Szene setzten, wie sie sich ihr Leben vorstellen.

„Einige wollten gerne Millionär sein und haben vor einem Auto posiert, aber die meisten hatten realistische Vorstellungen, wie einmal eine Familie zu haben und einem normalen Beruf nachzugehen“, erzählt Jana Thome.

Zukunft der Jugendarbeit weiter offen

Trotz des Anklangs ist die Zukunft der Mobilen Jugendarbeit noch ungewiss. Weil die Stadt den Vertrag mit der Anlaufstelle auf Ende 2020 gekündigt hat, muss sich diese in einem Ausschreibungsverfahren erneut darum bemühen. Inge Häßler von der Fachstelle Sucht ist jedoch zuversichtlich: „Wir haben im Jugendhilfeausschuss aus den Fraktionen viel Zuspruch für unsere Arbeit bekommen“, sagt sie.

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Nun heiße es, auf die genauen Kriterien zu warten, die für die Jugendarbeit in Zukunft gelten sollen. Zudem gebe es in diesem Bereich der sozialen Arbeit ohnehin nicht viele andere Arbeitnehmer, die die Aufgaben der Mobilen Jugendarbeit an ihrer Stelle übernehmen könnten. Für sie stehe daher fest: „Wir werden uns wieder bewerben.“