Die Doppelstadt bekommt eine wissenschaftlich fundierte Stadtchronik. Acht Historiker unter der Leitung von Casimir Bumiller sind derzeit damit beschäftigt, die Stadtgeschichte von Villingen und Schwenningen aus dem 19. und 20. Jahrhundert zusammenzutragen. Erstmals soll dabei auch die Nazi-Zeit in Villingen und Schwenningen aufgearbeitet werden. Die Stadt bezahlt für den rund 500-seitigen Band 203 000 Euro, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird er am 16. September 2017.

Die Hintergründe: Der Gemeinderat hatte im März 2014 grünes Licht für eine zweibändige Stadtchronik gegeben. Dabei soll zuerst der eigentliche zweite Band entstehen, der die Zeit zwischen 1802 und heute umfasst. Der Grund: Die Stadt möchte schnellstmöglich die Geschichte des Nationalsozialismus in Villingen und Schwenningen aufarbeiten. Die Chronik soll dann als solide Grundlage für den weiteren Umgang mit der NS-Zeit dienen, betonten gestern Projektleiter Bumiller und Stadtarchivar Heinrich Maulhardt.

Der Autor: Um das dunkle Kapitel der Stadtgeschichte wird sich der Freiburger Historiker Robert Neisen kümmern. Neisen hat ähnliche Projekte schon in anderen Städten betreut, zuletzt in Lörrach. Derzeit bereitet der Historiker in Freiburg eine Ausstellung zur NS-Zeit vor. „Er hat viel Erfahrung mit dem Thema“, erläutert Heinrich Maulhardt. Auch Zeitzeugen sollen zu Wort kommen – wenn möglich. „Es gibt leider nur noch wenige, aber die versuchen wir zu interviewen“, so der Stadtarchivar.
Bislang gibt es in VS nur wenig Material zur Zeit zwischen 1933 und 1945. Dies soll die Chronik ändern. Sie soll auch als Anstoß dienen, die NS-Geschichte in Villingen-Schwenningen weiter aufzuarbeiten, erklärt Maulhardt.

Das Konzept: Die Chronik soll zwar wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, aber auch für die Bürger attraktiv sein, betont Casimir Bumiller. „Wir wollen Geschichte für Leute schreiben, die historisch interessiert sind“, umreißt er das Konzept. Vor diesem Hintergrund wurden auch die Autoren ausgewählt. Es solle zudem mit viel Bildmaterial gearbeitet werden, darunter auch viele bislang unveröffentlichte Bilder. Die Historiker wollen eine zusammenhängende Stadtgeschichte für die Doppelstadt konzipieren, in der auch die getrennte Historie der beiden Kommunen vor dem Zusammenschluss 1972 abgebildet wird.

Die Kosten: Ein Großteil der 203 000 Euro, die der Gemeinderat für den Chronik-Band bewilligt hat, werde für die Honorare der acht Autoren benötigt, erklären Maulhardt und Bumiller. Schließlich handle es sich dabei um aufwändige wissenschaftliche Arbeit. „Wir wollen nicht irgendwo abschreiben, sondern Forschung betreiben und am Ende auch etwas Neues bieten.“

Der Zeitplan: Das nächste Autorentreffen ist im Juni geplant, bis Ende des Jahres müssen alle Texte bei Projektleiter Bumiller vorliegen. Dann werden sie weiter bearbeitet und in Form gebracht.