„Junge Menschen interessieren sich nicht für Politik.“ Diesen Satz hört man häufig, meist vor und nach Wahlen. Auch bei der Oberbürgermeisterwahl in der Doppelstadt war er zu hören. Politiker zerbrechen sich die Köpfe, um junge Wähler mit ihren Themen anzusprechen – nicht immer erfolgreich. Aktuell nimmt ein Thema europaweit Fahrt auf, das Potenzial hat, genau das zu leisten: Die geplante Urheberrechtsreform der Europäischen Union. Eine Petition gegen diese Reform im Internet hat mittlerweile fünf Millionen Unterstützer gesammelt, viele davon sind junge Menschen. Jessica Milbradt aus Villingen gehört dazu.

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Die 25-jährige Kauffrau für Versicherungen und Finanzen interessiert sich schon immer für Politik. Sie verfolgt Diskussionsrunden im Fernsehen und meldet sich im Internet gerne selbst zu Wort. Die Urheberrechtsreform bewegt die leidenschaftliche Internetnutzerin aber so sehr, dass sie sich nun aktiv für diese Petition einsetzt. „Ich versuche Bekannte und Freunde davon zu überzeugen, die Petition zu unterzeichnen“, erzählt sie. Über die Sozialen Medien verbreitet sie Informationen und wirbt um Unterstützer. Rund 80 Personen habe sie bereits überzeugen können. Auch in lokalen Facebookgruppen wollte sie ihr Anliegen veröffentlichen, ist dort jedoch abgeblitzt. Zu unrecht, wie sie findet, denn das Thema betreffe schließlich auch die Menschen in der Doppelstadt.

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Kritik an Upload-Filter

Milbradt kritisiert vor allem die angedachten Upload-Filter. Sie sollen bereits beim Erstellen eines Beitrages urheberrechtlich geschützte Inhalte erkennen. Die im Internet gängigen Verweise mit einer Vorschau auf die verlinkten Seiten wären dann auch nicht mehr erlaubt. „Youtube und Facebook werden leer werden“, beschreibt sie ein mögliches Szenario. „Ich verstehe aber auch die Verlage, die von ihren Inhalten profitieren wollen und müssen.“ Es gebe gute Ansätze im aktuellen Gesetzentwurf. Bei einigen Punkten müsse aber noch einmal nachgebessert werden, so die 25-Jährige.

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Um weitere Verhandlungen zu erreichen, hat sie rund 50 Politiker angeschrieben, darunter alle EU-Parlamentarier aus Baden-Württemberg. Auch Oberbürgermeister Jürgen Roth hat sie um Hilfe gebeten. Bislang bekam sie keine Antworten. Kritisch sieht sie aber auch die Aktivitäten der Hackergruppe Anonymous, die sich ebenfalls gegen die Reform stark macht. Milbradt befürchtet, dass illegale Aktionen die eigentlich friedliche Bewegung in ein schlechtes Bild rücken könnte. Sechs Millionen Unterschriften seien das nächste Etappenziel. Für den 23. März sind europaweit in großen Städten Demonstrationen gegen die Reform geplant. Milbradt will in Stuttgart dabei sein und mit ihrem Smartphone live von der Veranstaltung berichten.