Ein dreiviertel Jahr hat Beate Behrens, Wirtschaftsförderin der Stadt, verhandelt. Ein dreiviertel Jahr hat sie gebangt, ob der Technologie-Konzern Jenoptik seinen Standort in VS-Mühlhausen verlässt. Am Dienstagmorgen konnte Behrens aufatmen: Kurz vor Beginn der Hauptversammlung des Konzerns an seinem Hauptsitz in Jena ging die offizielle Pressemitteilung raus. Das Unternehmen bleibt der Doppelstadt treu. Elf Millionen Euro sollen in ein neues Firmengebäude im Gewerbegebiet Salzgrube investiert werden. Die 170 Mitarbeiter, die derzeit am Standort in Mühlhausen beschäftigt sind, werden dann sukzessive umziehen, zusätzlich sollen 50 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

„Unsere heutigen Gebäude und Flächen entsprechen nicht mehr den Anforderungen an modernste Arbeits- und Produktionsumgebungen. Investitionen in neueste Infrastruktur sind im Sinne unserer Mitarbeiter und Kunden ein fundamentaler Bestandteil der Jenoptik-Entwicklung der kommenden Jahre“, so Jenoptik-Vorstandsvorsitzender Stefan Traeger in der Pressemitteilung. Neben modernen Labor-, Versuchs- und Produktionsflächen werde vor allem der Platz für Dienstleistungen und die Kundenbetreuung deutlich erweitert.

Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2019 beginnen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats, sagt Behrens. Der soll am 26. Juni in nichtöffentlicher Sitzung über das Vorhaben abstimmen. Läuft alles nach Plan, soll das neue Gebäude im Frühjahr 2020 bezugsfertig sein.

"Es ist ein Geschenk für unsere Stadt", sagt Behrens. Und auch an anderer Stelle ist die Freude groß: "Ich freue mich sehr", sagt Oberbürgermeister Kubon, dass die Arbeit der letzten Jahre Früchte trägt – denn Ansiedlungspolitik funktioniert nicht über Nacht. Wir haben und leisten hier weiterhin gute Arbeit, dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken."

Der bisherige Standort in Mühlhausen soll weiterhin als Gewerbegebiet erhalten bleiben. Gemeinsam mit Jenoptik wolle man ein Nachfolgeunternehmen finden, so Behrens. Anfragen lägen bereits vor. An seinem Standort in VS produziert Jenoptik Messtechnik für die Automobilindustrie sowie andere Industriebereiche. Unter anderem fertigt das Unternehmen auch Teile für IMS Gear. Der Automobilzulieferer hatte Anfang 2017 seine Produktion mit 200 Mitarbeitern aus Donaueschingen nach Villingen, ebenfalls in die Salzgrube, verlegt.

Jenoptik ist somit der zweite Konzern, der sich innerhalb von eineinhalb Jahren für eine Millioneninvestition im Gewerbegebiet Salzgrube entschieden hat. Von ehemals 11 Hektar Baufläche sind derzeit noch 1,4 Hektar übrig. Zu wenig. "Ich bekomme viele Anfragen von außen, die ich ablehnen muss", sagt Behrens. Die Erweiterung des Gewerbegebiets, aktuell ist nur der erste Abschnitt fertiggestellt, soll darum so schnell wie möglich vorangetrieben werden. Im September soll eine entsprechende Vorlage in den Gemeinderat gebracht werden. Dabei wird es vor allem um die Erschließung, die Kosten sowie die möglichen Grundstückskäufe – einige der Flächen gehören noch Landwirten – gehen.