VS-Villingen – Gut gezockt kann man da nur sagen! Die Narrozunft verwandelt die Tonhalle in ein schickes Casino Royal und hat so eine tolle Kulisse für zwei gelungene Zunftbälle. Die Stimmung ist glänzend, die Akteure sind in bester Spiellaune und die Pointen treffen den Nerv des Publikums. Kinder-, Jugend- und Zunftballett überzeugen mit ausgefeilten Choreografien und tollen Kostümen zu mitreißenden Liedern wie Poker Face.

Bemerkenswert sind die jungen Ballakteure, die in den letzten Jahren eine unglaubliche Entwicklung gemacht haben und souverän, lässig und gekonnt vor allem die Kommunalpolitik auf die Schippe nehmen. Egal ob die Amtsleiter beim Roulette und Poker Waldstraße, Feuerwehrkommandanten-Stelle und sogar Schwenningen verzocken – die Truppe nimmt kein Blatt vor den Mund. Wie chaotisch es zum Teil im Gemeinderat zugeht, zeigt die Abstimmung über das geplante Jugendkulturzentrum: Ständig kommt ein anderes Ergebnis heraus, weil die Gemeinderäte mit der neuen Technik, wo sie nur noch Knöpfchen drücken müssen, völlig überfordert sind.

Frauenpower bei der Zunft: Als Helikoptermütter zeigen sich Steffi Brüderle, Alina Wöhrle, Eva Säger, Marieke Vosseler, Sabine Henke und Karin Blessing in Topform. Sie wollen ihre Kinder vom Jugendgemeinderat abholen und überbrücken die Wartezeit mit ihren Lästereien. "Für Millionen ein Krematorium bauen, aber beim Jugendkulturzentrum sparen: Der Gemeinderat denkt nur an sich", ätzt Steffi Brüderle als mondäne Mami, die keine Waldorfschule sondern nur das Waldorf-Astoria kennt. Marieke Vosseler weiß als Übermutter, dass der Jugendgemeinderat die drei Grundsätze der Reiser'schen Kommunalpolitik gelernt hat: "So ebbes hät's da no nit gebe, so ebbes wird's au nie gebe und Schwenningen braucht des gli gar net."

Zauberei und Magie

Völlig verzaubert ist das Publikum von der Nummer, bei der Rolf Ade, Wolfgang Roth und Alex Brüderle wie David Copperfield mit der Kraft der Illusion spielen und Trieber in Glonkis und Zauberer in Hexen verwandeln. Egal, wenn der ein oder andere Trick nicht ganz gelingt, die Zaubershow ist großartig. Roland Weißer ist als einarmiger Bandit mit Felix Ettwein, Fabian Glatz und Fabian Mauch auf der Suche nach Opfer, die er aussaugen kann. Nachdem nirgends etwas zu holen ist, der FC 08 verschenkt ja sogar seine Punkte, die Zunft hat auch nichts mehr, seitdem sie alte Häuser in Villingen kauft, bleibt nur Schwenningen übrig.

Wie benehmen sich Kinder des 1. Zunftmeisters richtig? Wer wüsste das besser als Alina Wöhrle, die Pauline und Quirin Säger auf ihre Rolle vorbereitet. Was zum Bespiel tun, wenn der Vater auf der Couch liegt und seinen Rausch von der letzten Zunftsitzung ausschläft? Oder er sich beim Ball betrinkt und langsam peinlich wird? Nicht einfach für die Kinder und Alina Wöhrle seufzt: "Ich hätte mich doch als 1. Zunftmeisterin bewerben sollen, dann wären uns solche Kinder erspart geblieben." Für alle Fälle geht sie gleich mal zum Kurs "Wie setze ich mich in einer männerdominierten Fasnet durch".

Applaus für das ganze Team

Beim Junggesellenabschied verzockt Uwe Waldvogel das ganze Geld für die Hochzeit mit seinen Kumpels im Casino und der Katzenjammer ist groß bei Joachim Fuchs, Michael Reiser, Timo Klötzl, Jörg Kimmich und Clemens Baumann. Die "Five Flops" Peter Metzger, Hans Vosseler, Manfred Roth, Rolf Kübeler und Michael Willmann kommen direkt aus Las Vegas und überzeugen mit ihren Liedern und einem Hoch auf das Morbele.

Schön, dass Alex Brüderle und Anselm Säger aktiv bleiben und mit ihrem Glücksrad, das Casino des kleinen Mannes, blendend gelaunt durch den Saal ziehen. Mit ihrer unvergleichlichen Schnodderschnauze bringen sie das Publikum in Hochstimmung. Linus Richter und Benedikt Fehrenbach knacken am Schluss noch den Jackpot und als sich nach drei Stunden das gesamte Team zum farbenprächtigen Finale auf der Bühne versammelt, will der Applaus nicht enden.