Viele Fastnachtsbegeisterte freuen sich jedes Jahr auf die Jaag-Puppenausstellung. Sie wird zum traditionellen Start der schwäbisch-alemannischen Fastnacht am Dreikönigstag im Franziskaner Museum eröffnet. Dieses Mal haben "Puppenmutter" Ingeborg Jaag und das Museums-Team die "Schlüsselübergabe" kreativ und mit mancherlei Hintersinn in Szene gesetzt. Für Ingeborg Jaag indes ist diese Ausstellung eine besondere: Nach nunmehr 36 Jahren will die 76-Jährige die Herstellung neuer Puppen, die das Villinger Publikum alle die Jahre durchweg begeistert hat, endgültig einstellen.

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Wie die kreative Puppengestalterin, die vor einigen Jahren wieder in ihre Geburtsstadt Hüfingen gezogen ist, berichtete, fordert das Alter zunehmend seinen Tribut, sodass sie nun keine ihre höchst aufwändigen und verblüffend individuellen Figuren mehr herstellen will. "Die Produktion ist jetzt beendet", sagte sie bei der Vorbesichtigung der Ausstellung. Beim Aufbau will sie aber das Museums-Team in den nächsten Jahren weiterhin unterstützen.

Das ist Ingeborg Jaag (76), die sich in Villingen mit ihren Fastnachtspuppen unsterblich gemacht hat. Insgesamt 86 Einzelfiguren hat sie in frappierender Detailgenauigkeit seit 1983 geschaffen. Technische Unterstützung bekam sie stets von ihrem Mann.
Das ist Ingeborg Jaag (76), die sich in Villingen mit ihren Fastnachtspuppen unsterblich gemacht hat. Insgesamt 86 Einzelfiguren hat sie in frappierender Detailgenauigkeit seit 1983 geschaffen. Technische Unterstützung bekam sie stets von ihrem Mann. | Bild: Hahne, Jochen

Auf die diesjährige Ausstellung unter dem Motto "Schlüsselübergabe" dürfen sich die Besucher aber ganz besonders freuen. Denn Ingeborg Jaag hat sich zum Abschied noch mal viele Mühe gemacht und das Museumsteam besondere Kreativität entfaltet, um die Pracht der Villinger Fastnacht im Miniatur-Format in verschwenderischer Detailfreude in Szene zu setzen. In erstmals gleich drei szenischen Darstellungen wurden sämtliche Figuren von Ingeborg Jaag, insgesamt 86 an der Zahl, in den Räumen der Wechselausstellung aufgebaut.

Jaag 06, 86 Figuren
Ingesamt sind 86 Figuren zu bestaunen. | Bild: Hahne, Jochen

Eine Szene, die der Ausstellung den Namen gibt, zeigt die Übergabe des Rathausschlüssels vom Oberbürgermeister an die Villinger Narrozunft. Für Ingeborg Jaag war es Ehrensache, dass sie dieses jährliche Ritual am Rathaus mit einem zeitgeschichtlichen "Update" versehen hat.

Obwohl sie wieder in Hüfingen wohnt, verfolgt die Puppenmacherin nach wie vor täglich die Villinger Presse, um stets auf aktuellem Stand zu sein. So hat sie auch gleich mitbekommen, dass die Stadt einen neuen Oberbürgermeister hat. Für die Szene der Schlüsselübergabe wurde daher Alt-OB Rupert Kubon ausgemustert und durch Nachfolger Jürgen Roth ersetzt, der nun den großen Schlüssel vom Rathaus-Balkon herunter in die Hände des Zunftmeisters abseilt.

Allerdings ist Kubon nun keineswegs im Museumsdepot eingemottet worden. Für den Alt-OB haben Jaag und das Museumsteam um Diplom-Restauratorin Ina Sahl eine zweite hübsche Szene mit Leben erfüllt: Gegenüber des Rathauses sieht man Kubon im Gespräch mit Bürgern vor dem Münsterportal – ein Hinweis auf seine künftige Tätigkeit als katholischer Diakon. In der Hand hält er nicht zufällig ein Jahresheft des Geschichts- und Heimatvereins, dessen neuer Vorsitzender er ja werden soll.

Als Ingeborg Jaag feststellen musste, dass die Kubon-Figur nach 16 Jahren nicht mehr dem Original entspricht, hat sie umgehend einen neuen Kubon-Kopf geschaffen. Die einst schwarzen Haare sind nun grau geworden, das Gesicht faltiger, die Brille neu. Auch insofern ist die Ausstellung auf der Höhe der Zeit.

Jaag 08, Butzesel ,Stachi u. Wuescht
Butzesel ,Stachi u. Wuescht. | Bild: Hahne, Jochen

Die dritte Szene schließlich zeigt die Pracht der historischen Fasnetfiguren beim Umzug. Das Gesamtkonzept wurde vom Museum mit viel Kreativität und Liebe zum Detail umgesetzt. Und eines ist gewiss: Auch wenn Ingeborg Jaag nicht mehr "produziert", ihre Ausstellung wird weitergehen.