Die letzten Studenten in größer Anzahl weilten zu Zeiten der Pestflucht der Universität Freiburg vor mehreren hundert Jahren in Villingen. Doch jetzt entsteht in Villingen, zumindest vorübergehend, ein ganzes Studentenquartier. Für den massiven Ausbau der Hochschule für Polizei in Schwenningen müssen in kürzester Zeit rund 400 zusätzliche Zimmer für die künftigen Polizeistudenten geschaffen werden. Die Stadt VS hat hier dem Land angeboten, tatkräftig zu helfen. Der Großteil der Studentenzimmer soll ab Herbst 2019 in Villingen im Bereich der Dattenberg- und Kirnacher Straße entstehen.

  • Um diese Immoblien geht es: Als Koordinator der Stadtverwaltung ist Jörg Röber, der persönliche Referent des Oberbürgermeisters, mit dem Thema Studentenwohnungen befasst. Inzwischen, so berichtet er, wurden die Gebäude definiert, die als neue Unterkünfte für die Polizeistudenten in Frage kommen. Es handelt sich um die im Bundeseigentum befindlichen Wohnblocks im Bereich der Dattenberg- und Kirnacher Straße, in denen viele Jahre die französische Armee die Soldatenfamilien untergebracht hat und die zuletzt vom Land als Flüchtlingsunterkünfte für die Erstaufnahmeeinrichtung genutzt wurden. Dabei, so Röber, geht es um die Wohnblocks Dattenbergstraße 1-3, 9-11, außerdem die Wohnblicks Kirnacher Straße 35, 37, 39, 41, 43, 45 und 47 sowie um die Gebäude Pictoriusstraße 2,3 und 4. Allerdings, so betont Röber, könne es im Laufe des Planungsprozesses noch zu Änderungen kommen.
    Jörg Röber.
    Jörg Röber.
  • Diese Gebäude sind schon belegt: Ergänzend bleibt festzuhalten, dass bereits seit Herbst 2017 in dem Quartier der ehemaligen Franzosenwohnungen Studenten der Polizeihochschule untergebracht sind, die zum Wintersemester 2017/18 ihr Studium aufgenommen haben. Genutzt werden die Gebäude Dattenbergstraße 15 bis 35, 51 bis 57 sowie Pictoriusstraße 5 und 7. Die im Herbst 2018 ins Studium startenden Polizisten sollen in Gebäuden auf dem Schwenninger Steinel-Gelände untergebracht werden.
  • Bedarf in Etappen: "Wir gehen davon aus, dass wir mit diesen Wohnblocks in Villingen den Bedarf der Hochschule an zusätzlichen Studentenwohnungen in den nächsten Jahren decken können", stellte OB-Referent Röber fest. "Da sind wir sehr zuversichtlich." Die Gebäude sollen nun in den nächsten Monaten saniert und hergerichtet werden. Benötigt werden die rund 400 Studentenzimmer etappenweise: Die ersten zu Beginn des Wintersemesters 2019, das im Oktober nächsten Jahres beginnt. Dann die nächsten Wohnungen für Herbst 2020 und schließlich für Herbst 2021.
  • Kauf im Frühjahr: OB-Referent Jörg Röber geht davon aus, dass die Stadt die ehemaligen Franzosenwohnungen bereits in diesem Frühjahr vom Eigentümer, der Bundesrepublik Deutschland, kaufen wird. Das sei zwar ein ambitionierter Zeitplan, aber machbar. Wobei der Kauf nicht über die Stadt direkt erfolgt, sondern über die städtische Wohnbaugesellschaft (Wbg). Diese Gesellschaft, der in VS bereits mehrere hundert Mietwohnungen gehören, soll nicht nur die Gebäude kaufen, sondern auch sanieren und sie dann an das Land Baden-Württemberg für die Polizeistudenten weitervermieten. Über die Mieteinnahmen sollen der Kauf und die Sanierungen der Immobilien refinanziert werden. Ob die Wohnbaugesellschaft den Kauf der Immobilien alleine stemmt oder eine "Erwerbergesellschaft" mit weiteren Investoren gebildet wird, ist nach Auskunft von Jörg Röber noch nicht abschließend geklärt.
  • Unmittelbar vor der Freigabe: "Wir rechnen unmittelbar nach Fastnacht damit, dass die Wohnblocks vom Bund freigegeben werden", berichtet Jörg Röber. Eine mündliche Zusage ist bereits im Rathaus eingegangen. Was noch fehlt ist die schriftliche Bestätigung durch die zuständige Behörde, die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima). Liegt die Freigabe durch den Bund vor, kann die Wbg bereits mit den ersten Untersuchungen und Planungen loslegen. Bereits begonnen hat die Wertermittlung der Gebäude und Grundstücke. Hier arbeiten die Bima und der städtische Gutachterausschuss zusammen. Ist der Kaufpreis verhandelt, wird die Wbg die Immobilien kaufen und anschließend sanieren. Bis Herbst 2019 sollen dann die ersten Wohnblocks bezugsfertig sein.
  • Studentenquartier auf Zeit: Die erwähnten Gebäude werden wohl nicht dauerhaft von Polizeistudenten bewohnt werden, sondern sollen den Bedarf decken, der durch die "Einstellungsoffensive" des Landes für den Polizeidienst in den nächsten fünf Jahren entsteht. "Wir gehen davon aus, dass die Gebäude nur mittelfristig vom Land benötigt werden und dann dem allgemeinen Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen", erläutert Jörg Röber. Das war auch das ursprüngliche Ziel der Stadt, an dieser Stelle günstigen Mietwohnungsraum für die heimische Bevölkerung zu schaffen.