„Wachse oder weiche“ – dieses klassische Dilemma der modernen Landwirtschaft stand schon seit einiger Zeit auch im konventionellen Milchviehbetrieb der Familie Thoma in Herzogenweiler zur Debatte, will man doch den Hof im Vollerwerb weiter betreiben über die nächste Generation hinaus. Und da man am alten Standort des Hauses flächenmäßig zu sehr eingeschränkt ist, was eine Hoferweiterung anbetrifft, gab es keine andere Alternative als eine neue Stallung, eine Strecke unterhalb des Dorfes, im Bereich der „Kirchleäcker“, unweit vom Friedhof, zu errichten. Vor einem Jahr etwa waren die Genehmigungen unter Dach und Fach, und das Projekt nahm seinen Anfang.

Der Melkstand mit Bedienungsabteilung – Elektronik vom Feinsten.
Der Melkstand mit Bedienungsabteilung – Elektronik vom Feinsten. | Bild: Gerhard Blessing

Für 170 Milchkühe ist der Boxen-Laufstall ausgelegt und auf dem modernsten Stand der Technik. So gibt es beispielsweise einen Schiebeautomaten, der selbstfahrend die Gänge hin und her gleitet und dabei das Futter den Kühen vor die Mäuler fegt. Mittig in der Halle im Eingangsbereich gibt es eine strohbedeckte Komfortzone extra für Mutterkühe und ihre Kälber. Die Ausscheidungen der Tiere beschmutzen nicht die Boxen, sondern fallen in eine breite Rinne, in der ein automatischer Schieber die Gülle nach außen befördert.

Die Gesamtansicht des Stalls.
Die Gesamtansicht des Stalls. | Bild: Gerhard Blessing

Eine elektrisch betriebene Bürstenanlage, die von den Kühen selbst nach Bedarf ausgelöst werden kann, ist ein weiterer Wohlfühlfaktor in dieser Stallung. Generell sei es wichtig, so meint Jungbauer Heiko Thoma, dass die Rinder möglichst keinen Stress erleiden, weil sonst auch die Milchleistung zurückgeht.

Das Boxenareal – Die Halle von innen.
Das Boxenareal – Die Halle von innen. | Bild: Gerhard Blessing

Die Fertigstellung dieser beeindruckenden Anlage war nun Anlass genug, um sich bei einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dazu übernahmen die Glaserzunft und die Landfrauen Pfaffenweiler/Herzogenweiler die Bewirtung und viele Gäste kamen. Nach diesem zünftigen Fest aber beginnt erst der Ernst des Lebens und der Altbauer Jürgen Thoma und dessen Frau Angelika wissen auch, was auf sie und alle anderen Familienangehörigen in nächster Zeit zukommt.

Jungbauer Heiko Thoma und sein Bruder Manuel sind guten Mutes.
Jungbauer Heiko Thoma und sein Bruder Manuel sind guten Mutes. | Bild: Gerhard Blessing

Zunächst gilt es, eine kleinere Herde aus Bayern, welche die moderne Stallhaltung von Haus aus gewohnt ist, in die Halle einzuführen, um dann nach einer gewissen Zeit den eigenen alten Viehbestand an die neue Umgebung zu gewöhnen. Als Letztes ist geplant, quasi in einem Aufwasch, weitere Kuh-Migranten, vermutlich aus Schwaben, zu integrieren. Die alte Stallung im Ort bleibt indessen kein Leerstand, denn hier wächst der Nachwuchs heran, nachdem er von der Muttermilch entwöhnt ist.