Spannender Abend der Muettersproch-Gsellschaft im Theater am Turm: "Keine Pflanze, kein Tier war ohne Symbol oder Bedeutung", sagte Professor Konrad Kunze. In seinem Vortrag über die Tiere im Freiburger Münster erklärte er den rund 50 Besuchern, welche besonderen Sagen und Bedeutungen hinter den Wesen des Münsters stecken.

Egal ob gefährliche Monster, mystische Fabelwesen oder einfache Tiere vom Land – alle Kreaturen können als Spiegel oder als Bild für etwas dienen, sagte der Literatur- und Sprachwissenschaftler. In seiner Diashow zeigte Kunze, wo in den Verzierungen des Münsters Tiere zu finden waren.

So stehe die Taube in der Fensterverzierung für den Heiligen Geist und der Hase für die Fruchtbarkeit. Der Löwe repräsentiere einen Wächter, Zorn, Auferstehung, sowie die Einheit von Gott und Natur zugleich. "Im Mittelalter glaubte man, dass der weise Gott die Geschöpfe dem Menschen nicht nur gegeben hat, um sie zu essen, sondern um zu lernen, sie als Symbolik zu nutzen", sagte Kunze.

Der pensionierte Professor der Universität Freiburg stieß nebenbei auf die Wesen in der Kirchenfassade. "Ich habe mich mit dem Münster beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben. Da muss man sich mit den einzelnen Themen befassen", sagte er. "Ich wollte es nicht wie sonst immer kunsthistorisch angehen, sondern zeigen, was an erbaulicher Substanz hinter der baulichen steckt."

Bärbel Brüderle, Gruppenleiterin der Muettersproch-Gsellschaft "A Brig un Breg", ist fasziniert von Kunzes Wissen. "Er hat so viele Vorträge parat und kann sie auf eine lustige Weise rüberbringen", sagte Brüderle. Kunze passe perfekt zu den Muettersprochlern. "Er schwätzt alemannisch und spricht über Heimat und Sprache", sagte sie.

Die Besucher sind ebenfalls überrascht von Kunzes Fachwissen. "Es war sehr gut, wie viel Wissen er hat und wie er sein Wissen überbringt", sagte Kurt Pfriender aus Rietheim. Genevieve Benz macht regelmäßig Führungen für Franzosen durch Freiburg. "Der Vortrag war lebhaft", sagte sie. "Er hat Sachen gezeigt, die ich noch nie gesehen habe. Ich habe dadurch ganz neue Sachen entdeckt."