Frau Groß hat Rache geschworen. "Geben Sie mir mal das Ding da", sagt sie zu Pfleger Stephan von Voigt. Er reicht ihr wortlos die Wasserpistole und Frau Groß geht in die Offensive. Bereits zwei Mal hat Herr Wolfsberger sie schon mit dem Wasserstrahl getroffen. Jetzt schießt sie zurück.

Lore Groß
Lore Groß | Bild: Greiner, Anja

Lore Groß ist 79 Jahre alt. Sie will sich gerade mit ihrem Rollator aus dem Staub machen, da trifft sie die nächste Wasserladung. Aus einem kleinen Planschbecken nimmt sie drei Wasserbomben und zielt. Mehr schlecht als recht. Dann dreht sie schnell ab. Aus dem Garten in Richtung Haus. "Frau Groß, wo wollen Sie denn hin?", fragt die Assistentin der Heimleiterin Cathrin Beese. "Trocknen", sagt Frau Groß. "Auf mich haben sie es heute abgesehen." Sie lacht und läuft mit ihrem Rollator raus aus dem Getümmel.

Alle zwei bis drei Wochen machen sie so eine Wasserschlacht in der Parkresidenz am Germanswald. Die Idee kam beim Gießen. "Wenn wir abends gießen, wollten alle eine kleine Dusche", sagt Heimleiterin Birgit Möhrle-Beese. Also überlegt sie, die Dusche in den Alltag zu integrieren. Als sie es das erste Mal den Bewohnern vorgeschlagen hatte, war die Begeisterung eher verhalten. "Dafür sind wir doch zu alt", war ihnen ins Gesicht geschrieben. Möhrle-Beese hält dagegen. Sie probieren es. Danach war den Bewohnern der Spaß ins Gesicht geschrieben.

Cathrin Beese
Cathrin Beese | Bild: Greiner, Anja

"Sie haben noch Tage später erzählt, wen sie erwischt haben und wie nass sie waren." Inzwischen bauen sie im Sommer alle drei bis vier Wochen die Planschbecken auf und holen das Do-it-yourself-kit für Wasserbomben aus dem Keller.

Regelmäßig machen sie im Altenheim am Germanswald Wasserschlachten. Für die Bewohner – hier Manfred Wolfsberger – jedesmal ein riesen Spaß.
Regelmäßig machen sie im Altenheim am Germanswald Wasserschlachten. Für die Bewohner – hier Manfred Wolfsberger – jedesmal ein riesen Spaß. | Bild: Greiner, Anja
Bild: Greiner, Anja

Hitzewelle im Altenheim bedeutet aber auch: Ein angepasster Speiseplan – viel leichte Kost, viel Salat mit Putenbrust. "Es gibt aber immer auch welche, die ihre Leberwurst wollen", sagt Möhrle-Beese. "Die bekommen sie dann auch." Es bedeutet, immer dafür zu sorgen, dass die Bewohner genug trinken – sie machen Kaltschalen, Smoothies und Fruchtsaftschorlen als Abwechslung zum Wasser. Und es bedeutet, neue Ideen: Seit diesem Jahr legen sie die Laken über den Tag ins Kühlhaus. Auch die Arbeitskleidung der Mitarbeiter hat Möhrle-Beese gelockert. Sommerkleid und Sandalen statt Hose und Turnschuhe.

Hitzewelle im Altenheim bedeutet aber auch: Gelassenheit. "Es sind alles alte Menschen", sagt Cathrin Beese. "Die wissen, was sie machen müssen." Und haben mitunter die besten Tipps selbst parat.

90 Bewohner haben sie, die älteste ist 98 Jahre alt. 84 Mitarbeiter kümmern sich in Küche, Pflege und Verwaltung um die Bewohner. Von einem Mangel an Pflegekräften keine Spur. "Wir haben keine Stellen offen", sagt Möhrle-Beese. Ihr Credo: Nicht nur um die alten Menschen muss sich ein Pflegeheim kümmern, sondern auch um die eigenen Mitarbeiter.

"Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht", sagt sie. Unkonventionell ist Möhrle-Beese. Aber vor allem ist sie herzlich. "Ich möchte, dass die Menschen glücklich sind." Und sie will neue Wege gehen in der Altenpflege. Gerade baut sie einen Streichelzoo auf – zwei Zwergziegenbaut haben sie schon. Merkel und Schröder. Im Backofen im Garten backen sie selber Brot, aktuell plant Mörhle-Beese ein Live-Cooking-Event. "Die Pflege soll gut sein", sagt Mörhle-Beese, "aber sie ist nicht alles."

Es ist früher Nachmittag, die letzten T-Shirts und Blusen sind inzwischen trocken, da kommt Andreas Schewalje, der Koch-Azubi, mit einem großen Tablett um die Ecke. Heute auf dem Sommer-Snack-Plan: Kiwi-Banana-Ananas-Apfel-Orange-Smoothies. Oder wie sie es den älteren Bewohnern erklären, Fruchtsalat zum Trinken. Jeden Tag gibt es einen anderen Mix. Langeweile? Fehlanzeige.

Smoothie-Time, oder wie sie es den älteren Menschen erklären: Fruchtsalat. Den gibt es in der Parkresidenz am Germanswald bei hohen Temperaturen täglich. Heute verteilt Andreas Schewalje Kiwi-Banana-Ananas-Apfel-Orange-Smoothies.
Smoothie-Time, oder wie sie es den älteren Menschen erklären: Fruchtsalat. Den gibt es in der Parkresidenz am Germanswald bei hohen Temperaturen täglich. Heute verteilt Andreas Schewalje Kiwi-Banana-Ananas-Apfel-Orange-Smoothies. | Bild: Greiner, Anja

Wenn Arne Holthuis, der leitende Pflegedirektor am Schwarzwald-Baar-Klinikum, derzeit durch die Gänge auf den Stationen läuft, zeigt das Thermometer eigentlich durchgängig 25 Grad oder mehr. "Es ist auszuhalten", sagt er, "aber alle hoffen, dass es ein wenig runter geht".

Denn die Hitze macht nicht nur den Patienten, sondern auch den Mitarbeitern zu schaffen. Aus hygienischen Gründen kann die Kleiderordnung nicht gelockert werden. "Das belastet die Mitarbeiter fast am meisten", sagt Holthuis. Lange Hose und Kittel müssen auch bei über 30 Grad sein.

Für die Mitarbeiter gab es am Mittwochmorgen ein Eis. Als "symbolisches Dankeschön", sagt Holthuis. Für die Patienten gibt es jeden Tag mehr Aufmerksamkeit. Nachts lassen sie, nach Rücksprache mit den Patienten, die Fenster und Türen in den Zimmern auf. Tagsüber lasse sie die Rollos runter und Patienten mit Fieber werden häufiger kalte Wickel angelegt.

Heiße Temperaturen erfordern umso mehr einen kühlen Kopf. Die größte Herausforderung: das alle Patienten genug trinken. Vor allem auf der Neugeborenen-Station sei auf genügend Flüssigkeit zu achten und darauf, dass die Eltern ihre Kinder nicht zu sehr einpacken.

Was mit den Temperaturen ebenfalls steigt, sind Wasser- und Wäscheverbrauch. Die Laken müssen öfter gewechselt werden und auf den Stationen muss die Wäschekammer entsprechend aufgestockt werden. Ebenfalls hart umkämpft bei den heißen Temperaturen sind neben der Wäsche die Tagschichten. Denn, anders als man vielleicht denken könnte, sind die Nachtschichten derzeit nicht allzu sehr beliebt: "Sie müssen dann ja den Tag über schlafen", sagt Holthuis, "und das ist derzeit fast unmöglich".

Tipps für heiße Tage vom Experten der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg

  • Trinken: An heißen Tagen ist es erforderlich, mindestens zwei Liter am Tag zu trinken. Je heißer es ist, desto größer ist dabei die Lust auf eiskalte Getränke. Dabei treiben diese den Schweiß erst richtig aus den Poren. Auch Kaffee und Alkohol sollten es nicht sein, denn sie sind harntreibend und belasten den Kreislauf. „Am besten eignet sich nicht zu kaltes Wasser, auch mit ein paar Spritzern erfrischender Zitrone. Auch stark verdünnte Fruchtsaftschorlen oder lauwarmer Kräutertee sind gute Durstlöscher“, weiß Lydia Fries-Spöcker AOK-Ernährungsberaterin bei der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg.
  • Essen: Leichte Speisen sind an heißen Tagen zu empfehlen – sie sollten weder heiß noch scharf sein. Melonen, Gurken und Tomaten sind solche Lebensmittel, die gleichzeitig helfen, den Flüssigkeitsbedarf zu decken. „Obstspieße oder Quarkspeisen mit Obst oder Smoothies, Salat mit viel Gemüse kombiniert mit Nudeln, Reis oder Kartoffeln bieten dem Körper ausreichend Nährstoffe in gut verdaulicher Form“, sagt die Ernährungsexpertin.
  • Abkühlen: Wie beim Essen und Trinken gilt auch fürs morgendliche oder abendliche Duschen: lauwarm ist genau richtig. Gegen die Hitze zwischendurch, etwa im Büro, hilft es, sich feuchte Lappen auf die Haut zu legen. „Als sehr angenehm empfinden viele Menschen auch die Abkühlung aus der Sprühflasche. „Dazu eine Sprühflasche für Pflanzen mit Wasser füllen. Einige Eiswürfel und bei Bedarf ein paar Minzblätter hineingeben sich ab und zu damit besprühen.“
  • Lüften: Am Arbeitsplatz ist es sinnvoll, möglichst früh die Räume gut durchzulüften. Vielleicht ist es auch möglich, spät abends die Fenster weit zu öffnen. Tagsüber sollten die Räume möglichst verschattet sein.