Eine Konferenz mit dem Chef am Morgen, ein wichtiges Kundengespräch am Nachmittag – und nach Feierabend direkt zum ersten Date mit der Online-Bekanntschaft. Wie soll Mann das alles modetechnisch unter einen Hut kriegen?

Stephan Siegel-Del Negro und Patrick Broghammer vom Villinger Modehaus Broghammer haben ein Outfit zusammengestellt, das sich für den stilsicheren Auftritt im Büro eignet und durch wenige Handgriffe ausgehtauglich gemacht werden kann. An SÜDKURIER-Trainee Timo Kammerer, der eine Ausbildung zum Crossmedia Sales Manager absolviert, zeigen die beiden Mode-Experten, was in den Kleiderschrank des stilbewussten Mannes gehört.

Inspiriert von britischen Landlords

„Die großen Highlights in der Männermode sind zurzeit Karo-Muster und Westen”, sagt Modeberater Stephan Siegel-Del Negro. Kein Wunder haben er und Patrick Broghammer daher für den Büro-Look einen Anzug in dezentem Blau mit Karomuster und eine Weste im gleichen Stil bereitgelegt. „Blaue Farben sind bei den Anzügen derzeit die Nummer 1“, betont Patrick Broghammer.

Karo-Muster liegen zurzeit voll im Trend, sagt Modeberater Stephan Siegel-Del Negro.
Karo-Muster liegen zurzeit voll im Trend, sagt Modeberater Stephan Siegel-Del Negro. | Bild: Hahne, Jochen

Inspiriert sei dieser Trend von der traditionellen Kleidung britischer Landlords, erklärt Broghammer. Dementsprechend sind Anzug und Weste, die er Timo Kammerer anprobieren lässt, auch aus Tweedwolle gefertigt. Denn der männliche Landadel im Vereinigten Königreich ist auf Anzüge angewiesen, die Wind und Wetter standhalten können.

„Für den Sommer eignen sich dann leichtere Anzüge, die aus Schurwolle gemacht sind“, sagt Stephan Siegel-Del Negro, während er Timo Kammerer die Krawatte bindet, die ebenfalls aus Wolle gefertigt ist. Durch die Wolloptik wirke der Anzug lockerer und werde dadurch alltagstauglich.

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Einstecktücher sind voll im Trend

Das Büro-Outfit wird durch ein weißes Hemd mit blauen Knöpfen, einen braunen Ledergürtel und ein Einstecktuch komplettiert. „Einstecktücher sind wieder voll im Trend. Vor zehn Jahren steckte sich niemand ein Tuch in die linke Jackett-Tasche“, sagt Patrick Broghammer. Ein Einstecktuch in dezenten Farben wie weiß sei ein super Accessoire, um einen Anzug optisch aufzuwerten.

Budapester Schuhe seien perfekt, um sie mit verschiedenen Looks zu kombinieren, sagt Mode-Experte Patrick Broghammer.
Budapester Schuhe seien perfekt, um sie mit verschiedenen Looks zu kombinieren, sagt Mode-Experte Patrick Broghammer. | Bild: Hahne, Jochen

In der gleichen Farbe wie der Gürtel sind die Schuhe gehalten, die Patrick Broghammer für Timo Kammerer ausgewählt hat. „Wir haben uns für braune Budapester Schuhe entschieden“, sagt Broghammer. Budapester seien perfekt, um sie mit verschiedenen Looks zu kombinieren. Durch farbige Schnürsenkel ließen sich die Schuhe zudem optisch variieren. „Alternativ kann man Socken mit Karomustern oder in roter Farbe anziehen“, so Broghammer. Das passe auch zum Anzug.

Athleisure: Sportbekleidung wird alltagstauglich

Der Büro-Look ist nun also vollständig: Doch wie lässt er sich nach Feierabend Date-tauglich machen? Das sei ganz einfach, sagen Stephan Siegel-Del Negro und Patrick Broghammer: Jackett aus und Krawatte ablegen, die Anzugshose durch eine Jeans im Used-Look und die Budapester durch weiße Sneakers ersetzen.

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Damit greifen Siegel-Del Negro und Broghammer einen weiteren aktuellen Trend auf, der sich „Athleisure“ nennt. „Dabei werden Kleidungsstücke, die eigentlich für die Freizeit oder den Sport gedacht sind, in anderen Kontexten getragen“, erklärt Broghammer. Die Grenzen zwischen festlicher Kleidung und Freizeit-Look würden zunehmend verschwimmen.

Abends bitte Ärmel krempeln!

Deshalb bleiben beim Dating-Outfit auch Weste und Hemd an. Bei Letzterem können die Ärmel hochgekrempelt werden, wodurch die farbige Innenseite des Hemdes, der Ausputz, zum Vorschein kommt. Ohne Krawatte sieht man diesen auch beim Hemdkragen. Der farbige Ausputz lockert den Gesamt-Look auf.

Und hier die Ausgeh-Variante: Jackett und Krawatte kommen weg, die Hemdsärmel werden hochgekrempelt, die Hose wird durch eine Jeans ersetzt und anstelle der Budapester trägt Timo Kammerer nun weiße Sneakers.
Und hier die Ausgeh-Variante: Jackett und Krawatte kommen weg, die Hemdsärmel werden hochgekrempelt, die Hose wird durch eine Jeans ersetzt und anstelle der Budapester trägt Timo Kammerer nun weiße Sneakers. | Bild: Hahne, Jochen

„Mit hochgekrempelten Ärmeln schaut der Look zudem gleich viel lässiger aus“, betont Siegel-Del Negro. Wichtig sei dabei, dass man die Ärmel nicht einfach rollt, sondern faltet. Das sehe zum einen besser aus und zum anderen könne man dadurch vermeiden, dass die Ärmel nachher voller Falten seien.

Der Praxistest beweist: Die Mission, ein Büro-Outfit zusammenzustellen, das sich mit wenigen Handgriffen Date-tauglich gestalten lässt, haben Stephan Siegel-Del Negro und Patrick Broghammer voll erfüllt. Das SÜDKURIER-Modell Timo Kammerer braucht keine fünf Minuten, um sich vom schicken Business-Mann in einen leger gekleideten Ausgeh-Mann zu verwandeln.

Mit oder ohne? Was die Stilexperten zur Krawatte sagen

Klickt man sich durch die Fernseh-Talkshows des Landes fällt auf, dass vor allem jüngere Politiker immer öfters „oben ohne“ unterwegs sind. So sieht man beispielsweise FDP-Chef Christian Lindner oder Grünen-Mann Robert Habeck zwar im Anzug, aber um den Hals tragen sie: nichts. Gehörte die Krawatte früher ganz selbstverständlich nicht nur für Politiker, sondern auch für Banker und Beamte zur Berufsbekleidung dazu, scheint dies heute nicht mehr der Fall zu sein. Hat der Schlips ausgedient?

„Nein“, sagt Modeberater Stephan Siegel-Del Negro. „Gerade bei einfarbigen Anzügen machen Krawatten mit Mustern oder in Wolloptik das Design aus, sprich, dass es nach etwas ausschaut“, so Siegel. Der Trend gehe klar dahin, dass, außer bei Hochzeiten oder einem Abendanlass, kaum noch glänzende Krawatten getragen würden. „Durch andere Materialien und Muster kann man die Krawatte für den Alltag runterbrechen“, erklärt Siegel.

Zwar verkauften sie bei Broghammer immer noch primär Krawatten für die Arbeitswelt, doch gerade bei jungen Männern spiele der Schlips auch privat eine immer wichtigere Rolle, ergänzt Patrick Broghammer: „Die Jungen machen sich vor allem für festliche Anlässe gerade wieder mega schick.“ Dieser Trend habe vor rund vier Jahren eingesetzt. „Früher kauften sich Jugendliche vielleicht mal für den Abi-Ball ein weißes Hemd und eine Anzugshose. Heute verkaufen wir immer mehr Anzüge und auch Krawatten sowie vor allem Fliegen.“ (maj)