Villingen-Schwenningen – Was für ein Zufall: Mittwochnachmittag im Abt-Gaisser-Haus. OB Kubon spielt als Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses die Glücksfee. Es geht um die Verlosung der Positionen auf dem Stimmzettel. Fünf Bewerber hatten zeitgleich ihre Kandidaturpapiere abgegeben. Deshalb die Rathaus-Lotterie, Zettelchen mit Kandidatennamen in blauen Kugeln, einmal durchgerührt und dann zieht der Amtsinhaber ohne viel Federlesens ein erstes Mal aus dem Jackpot. Ausgerechnet der Referatsleiter des Oberbürgermeisters, also einer von Kubons engsten Mitarbeitern, bekommt Platz eins. Manche meinen, das sei der Platz an der Sonne, psychologisch wichtig bei unentschlossenen Wählern. Genau genommen bedeutet diese Positionierung: Gar nichts.

Abgestimmt und ausgezählt wird am 7. Oktober. Und aktuell herrscht Aufregung: Heftige Vorwürfe gegen Jürgen Roth, der mit einer Strafanzeige reagiert. Die Kripo ermittelt. Nach Informationen des SÜDKURIER kennt die Polizei zwei Namen, die Roth den Beamten genannt haben soll. Ernst Reiser gerät als mögliche Quelle der Gerüchte ins Gespräch. Der Stadtrat der Freien Wähler räumt ein, jenen Mann zu kennen, der hinter den Vorwürfen stehen soll. Reiser sagte am Dienstag, er begrüße die Ermittlungen. "So kommt vielleicht die Wahrheit ans Tageslicht."

Der Landwirt aus Nordstetten, knallharter Aufseher auf dem Stuhl des Stadtrats, sieht blass aus am Dienstag. Reiser reagiert mit einer persönlichen Erklärung. Zuvor hatte sich Marina Kloiber-Jung von zwei ungenannten Mitgliedern ihres Wahlkampfteams schriftlich und öffentlich distanziert. Ihr seien die Angriffe auf Kandidat Roth unangenehm. Weil Reiser vor Monaten Kloiber-Jung bestärkt hatte, bei der Wahl anzutreten, gilt er als Förderer der Bauhof-Chefin. Er sagt allerdings auch, er zähle sich nicht zum Wahlkampfteam der zweifachen Mutter. Dennoch glt er als einer ihrer Mentoren.

Auch von Marina Kloiber-Jung gibt es Neues. Sie tritt mittlerweile demonstrativ mit ihrem neuen Lebenspartner bei Terminen auf. "Ja, wir wohnen zusammen", sagte sie jetzt zum SÜDKURIER. Dass ihr neuer Partner Mitarbeiter der TDVS sei, Abteilung Kanalbau, bestätigt sie ebenfalls. Immer wieder muss sich die 36-Jährige erklären, wie sie ihre zwei Kleinkinder mit dem möglichen neuen OB-Job vereinen will.

An all dem Getöse segelt einer ganz munter vorbei. Jörg Röber wartet mit einem strukturierten Wahlkampf auf. Er kann damit auch punkten. Etwa bei der FDP. Beim dortigen Kandidaten-Schaulaufen am Freitagabend dozierte er als einer von vier Bewerbern. Mit ihm an den Start geladen waren Cristilli, Kloiber-Jung und Roth. Die Liberalen zogen sich anschließend zu einer Beratung zurück. Auf einen Namen einigen konnte sich die VS-FDP nach SÜDKURIER-Informationen nicht – aber auf zwei: Roth und Röber, wie es auf gut unterrichteten Kreisen heißt.

Definitiv nicht mehr zum Kreis der OB-Bewerber gehört der Villinger Lars Henker. In der Sitzung des Wahlausschusses wurde mitgeteilt, dass der 52-Jährige keine vollständigen Wahlunterlagen abgegeben habe. Vor allem fehlen die erforderlichen 100 Unterstützter-Unterschriften. Auch mit seiner Wahlanfechtung kam Henker nicht durch. Im Gemeindewahlausschuss wurde eine Stellungnahme des Regierungspräsidiums zu Henker verlesen. Die Aufsichtsbehörde stellte fest, dass keine Anzeichen für eine von Henker beklagte gesetzeswidrige Wahlbeeinflussung durch die Stadt gebe. Henker hatte argumentiert, seine Konkurrentin Marina Kloiber-Jung habe im Seniorenheim Heilig-Geist-Spital, einer städtischen Einrichtung, bei einem Seniorennachmittag Wahlkampf gemacht, die Einrichtung habe dazu Kuchen spendiert. Dies sei ein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot der Stadt im Wahlkampf. Das Regierungspräsidium sieht dies anders. Jeder der OB-Kandidaten hätte die Möglichkeit gehabt, bei den regelmäßigen Seniorennachmittagen im Heim aufzutreten. Insofern sei kein Kandidat benachteiligt.