Villingen-Schwenningen – An der Fastnacht gilt der Spruch: Wen die Narren auf die Schippe nehmen, dem wird eine besondere Ehre zuteil. Dass diese Späße, wenn sie zu Breitseiten geraten, für die Betroffenen oft schmerzlich sind, wissen meist auch die närrischen Aktivisten. Deshalb gilt an der Traditions-Fastnacht die goldene Regel, dass närrische Attacken nicht ehrverletzend sein dürfen. Umso auffälliger ist es, dass sich in Villingen ein großes Thema herausgeschält hat: Der Oberbürgermeister und seine Überlegungen für eine dritte Amtszeit.

Auffällig und unübersehbar ist an den Tagen der Villinger Fastnacht 2018, ob im Stüble, auf der Gass´ oder bei offiziellen Terminen: VS-Oberbürgermeister Rupert Kubon kommt beim Narren-Spott 2018 gar nicht gut weg. Spitze Liedle, deftige Refrains und sogar Flugblätter skizzieren eine augenfällige Stimmung in Villingen an. Wie die Narrenscharen den OB hochnehmen, das ist das Thema bei den Fasnet-Hocks in diesem Jahr.

Kritisiert wird auch konkret: Der OB soll zupackender sein, andere singen, er soll es „bleibe lau“ oder, wie es in einem Wurfblatt heißt, nach der Fasnet gar nicht mehr ins Rathaus zurückkehren – „wär des schee“, garnieren Unbekannte ihre durchaus agitatorischen weil verkappten Hoffnungen.

Der politische Aschermittwoch ist dieses Jahr also über Tage verteilt schon vorgezogen. Klar ist: Es gibt bei der Stimmung im Fastnacht feiernden Bürgertum keine hör- und sichtbaren positiven Bekunden zum amtierenden Rathaus-Chef, der sich beim Urnengang am 7. Oktober nach Erwartung vieler wieder für eine dritte Amtsperiode bewerben wird. Freilich: Kubon hat bei seiner viel diskutierten Neujahrsansprache zwar Interesse an einer weiteren Bewerbung um Amt und Vertrauen der Bürger gebeten. Sein Wink mit dem Zaunpfahl war allerdings an eine Bedingung geknüpft: Verspüre er mehr Miteinander als Gegeneinander, so werde er sich ums Amt bewerben.

Es ist also hochpolitisch, wie Oberbürgermeister Rupert Kubon für sich die deftigen bis heftigen Narrenspäße verbucht. Am Dienstagvormittags konfrontierte die SÜDKURIER-Redaktion den Verwaltungs-Chef mit den vielen Seitenhieben. Kubon reagierte in einem Telefonat ausgesprochen tiefenentspannt, wollte die unübersehbaren Tendenzen selbst keinesfalls in Zusammenhang mit seiner Kandidatur-Entscheidung bringen. „Ach, wissen Sie“, so formulierte er nach einem Fastnachts-Frühstück im Riet, „bei der Narretei wird halt auch mal über die Stränge geschlagen“. Er fügte hinzu: „So lange das bei der Fasnet bleibt, so lage ist das für mich okay.“ Der Wunsch für eine schöne Rest-Fastnacht beantwortete Kubon mit einem tapferen: „Ja sicher“. Klar war, dass er auch am Dienstag noch bei etlichen Gelegenheiten hochgenommen werden würde.

In einem von Narren verteilten, hübsch mit Farbe gestalteten und harmlos wirkenden Zettelchen heißt es beispielsweise: „Der OB ist kurz daheim, sollt` er es nicht länger sein? So lasst auch den OB daheim, für iser Villinge könnt`s nicht schöner sein.“ Eine weitere Spottzeile aus dem Narren-Brevier: „Mir sottet nit de OB quäle, duet ihn einfach nit me wähle.“

OB-Wahl 2018

Villingen-Schwenningen wählt am 7. Oktober dieses Jahres seinen Oberbürgermeister für die nächsten acht Jahre. Der seit fast 16 Jahren amtierende Verwaltungs-Chef Rupert Kubon (60) sagte Ende Januar im Gespräch mit dieser Zeitung, er würde nicht mehr für die volle Amtsperiode zur Verfügung stehen, so er sich noch einmal das Vertrauen der Bürger erbitten würde. Kubons Zögern gilt als Taktik, um gewichtige Gegenkandidaten im Unklaren zu lassen. (tri)

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Rückblick Fasnetmontag: