Wer sich für die Luftbelastung in der Doppelstadt interessiert, der landet bei seiner Suche auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. Diese Anstalt betreibt in Villingen-Schwenningen eine Mess-Station, die am Unteren Dammweg steht. Die Werte sind top: Im Tagesmittel sind es zur Zeit ungefähr 16 bis 17 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft.

Der Immissionsgrenzwert zum Schutz der Gesundheit beträgt 50 Mikrogramm bei 35 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr. Auch bei der Stickstoffdioxid-Belastung ist alles im grünen Bereich: Der Mittelwert liegt bei 17 Mikrogramm, der Grenzwert liegt bei 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Also auch hier Entwarnung, was die reinen Werte angeht.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Mess-Station am Unteren Dammweg quasi in einer grünen Oase steht, fernab von stark befahrenen Straßen. Das wären in Villingen zum Beispiel sicher die Bertholdstraße und die Goldenbühl-Straße. Warum die Station im Grünen steht, erkärt Tatjana Erkert, Pressesprecherin der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW). „Diese Mess-Station dient der Hintergrundmessung.“

Die dort erfassten Werte fließen in Bewertung der Luftqualität in ganz Baden-Württemberg ein. Gezielte Messungen an Verkehrs-Knotenpunkten gibt es aktuell im Land nur noch am Neckartor in Stuttgart. Diese so genannten Spot-Mess-Stellen sind im Jahr 2003 von der Landesanstalt eingeführt worden, damals konnten sich die Städte bewerben, wenn sie der Meinung waren, dass an einer bestimmten Stelle der Grenzwert überschritten werden könnte.

Sicher wären die Werte anders, wenn an der Bertholdstraße gemessen würde.
Sicher wären die Werte anders, wenn an der Bertholdstraße gemessen würde. | Bild: Jochen Hahne

Laut Tatjana Erkert steht aber im Moment eher die Belastung mit Stickstoffdioxid im Fokus. Viele Städte wollen Klarheit haben, wie die aktuelle Belastung aussieht, so gibt es laut Tatjana Erkert eine lange Liste von Kommunen bei der LUBW, die eine Mess-Station an einer bestimmten Stelle einrichten wollen. „Da gibt es natürlich lange Wartezeiten“, so die Pressesprecherin. Wie Erkert erklärt, gebe es natürlich immer die Möglichkeit, einen privaten Anbieter mit einer Messung zu beauftragen.

Selbstbausätze

Es gibt sogar Selbstbau-Sätze, um Luftbelastungen zu messen, wie Katharina Baudis, Geschäftsführerin des Regionalverbandes Schwarzwald-Baar-Heuberg des Bundes für Umwelt- und Naturschutz anmerkt. Der Bund wollte ein solches Gerät anschaffen, um selbst zu prüfen, wie die Luftbelastung in VS ist. Das Problem: „Man kann diese Geräte überhaupt nicht mehr bestellen im Moment, da ist alles ausverkauft.“ Für Katharina Baudis ist klar, dass der Ort der Messung natürlich entscheidend ist für das Ergebnis. „Das sieht an einer stark befahrenen Straße natürlich anders aus als im Grünen.“

 

Feinstaub

Feinstaub ist ein Sammelsurium von Partikeln, die in der Luft schweben und die einen Durchmesser von weniger als 10 Mikrometern haben, also weniger als 10 Tausendstel Millimeter. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von 70 Mikrometern. Feinstaub-Quellen sind Reifenabrieb, Autoabgase, Heizungen, Industrie und Landwirtschaft. Die Hauptquellen von Stickstoffdioxod sind Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz, Abfälle. Die Abgase von Großfeuerungsanlagen werden in der Regel über hohe Schornsteine abgeleitet und sind deshalb viel stärker verdünnt als solche aus bodennahen Quellen. In Ballungsgebieten ist daher der Straßenverkehr die bedeutendste Quelle, wobei der größte Anteil aus Dieselmotoren, leichten und schweren Nutzfahrzeugen sowie Bussen mit Dieselantrieb stammt. (cho)