Da halfen auch zum Herz geformte Teelichter und Atementspannungsübungen zu Beginn nichts: In der Sitzung des Pfarrgemeinderates der katholischen Seelsorgeeinheit An der Eschach in VS-Weilersbach kochten die Emotionen über. Die Zuhörer hebelten das obligatorisch geltende Redeverbot während der Sitzung kurzerhand aus. Der Vorgang unterstrich, dass das Verhältnis zwischen Pfarrer Schleicher und Teilen seiner Gemeinde schon seit längerem ziemlich getrübt ist.

Nachdem die rund 50 Zuhörer den Ausschluss bei der Beratung über den Tagesordnungspunkt zum Aschekreuzvorfall am Aschermittwoch noch relativ verständnisvoll hinnahmen (wir berichteten), sorgten später Äußerungen von Pfarrer Alexander Schleicher für großen Unmut in den Zuschauerreihen. Schleicher nahm Stellung zum öffentlich gemachten Vorwurf einiger Gemeindemitglieder, die unter dem Namen "Chorausschuss Neue Wege" in einem Brief an den Pfarrer und an das Erzbistum Freiburg bemängelten, dass bis Sommer in Weilersbach keine Eucharistiefeiern an Sonn- und Feiertagen stattfinden würden. "Das ist nicht richtig", sagte Schleicher. Es habe zu keinem Zeitpunkt die Überlegung gegeben, dass bis zum Sommer keine Eucharistiefeiern an Sonn- und Feiertagen in Weilersbach stattfinde. Offensichtlich hätten sich die betroffenen Personen an einer im Januar noch nicht endgültig fertiggestellten Gottesdienstordnung orientiert.

Schleicher versuchte zu erläutern, dass die Erstellung der Gottesdienstordnung für alle Gemeinden der aus neun Pfarrgemeinden bestehenden Seelsorgeeinheit "ein hochkomplexer Vorgang ist, bei dem auch Sonderwünsche jeder Gemeinde berücksichtigt werden müssen." Ihm persönlich sei es "egal, wo ich Gottesdienst feiere." Aus den Zuhörerreihen wurde der Ruf nach einem Regelwerk laut, das die Gleichbehandlung aller Seelsorgegemeinden regle.

Was den Pfarrer besonders ärgerte war die Tatsache, dass aus dem Schreiben nicht deutlich wurde, welche Personen im Einzelnen hinter dem Schreiben steckten. Dass das Schreiben gleichzeitig an den Bischof nach Freiburg geschickt wurde, empfand Schleicher als "Diskreditierung." Es sei schade, dass die Betroffenen nicht das Gespräch mit ihm gesucht hätten. Diese Aussage brachte die Zuhörer erst recht auf die Palme. Der Pfarrer sei im Januar zu einem Gesprächstermin eingeladen worden, den er am Vorabend des Termins absagte. Schleicher sagte, dass die Einladung zu kurzfristig gewesen sei: "Fünf Tage vorher ist mein Terminkalender voll." Gleichwohl liege ihm ein vernünftiges Miteinander am Herzen: "Wir müssen uns nicht lieben, aber vernünftig miteinander umgehen."

Diakon Stefan Fornal von der Kirchengemeinde Niedereschach versuchte, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Es sei gut, seinen Unmut auszudrücken. Als Pfarrgemeinderat habe man aber die Aufgabe, darauf zu achten, dass die anderen Gemeinden der Seelsorgeeinheit, die eine weniger präsente Lobby hätten, "nicht unter die Räder kommen." Pfarrgemeinderätin Annette Flaig aus Fischbach bedauerte "das gegenseitige madig machen." In einer Zeit der Vakanz könne man eben nicht alle Wünsche erfüllen.

Um die Fronten zu befrieden, soll jetzt ein Gespräch mit einem Mediator anberaumt werden. Wie gestern bereits im SÜDKURIER berichtet, haben der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Weilersbach, Joachim Grimm, und Schriftführerin Annette Butschle nach dem Aschermittwoch-Vorfall ihre Ämter niedergelegt.

Eucharistiefeier

In der katholischen Kirche ist die Heilige Messe die Hochform gemeinschaftlichen gottesdienstlichen Feierns mit Abendmahl an Sonn- und Feiertagen. Die Mitglieder des "Chorausschusses Neue Wege" bemängeln, dass die Eucharistiefeiern in Weilersbach zu selten sonntags, sondern samstagabends um 18 Uhr stattfinden. Auf dem auf der Internetseite der Seelsorgeeinheit veröffentlichen Gottesdienstplan bis 8. März (www.andereschach.de) findet in Weilersbach keine Heilige Messe am Sonntag statt. Am morgigen Sonntag ist die Messe um 9 Uhr in Obereschach, um 10.30 Uhr in Kappel. (spr)