Er steht im permanenten Austausch mit dem regionalen Wetterdienst, entscheidet aber in letzter Konsequenz selbst, wann und ob ein Einsatz notwendig und erfolgreich sein kann oder ob der Flieger am Boden bleibt. Der Schwenninger Fliesenleger Holger Miconi ist Hagelflieger und stellt sein fliegerisches Können, sein Wissen und einen großen Teil seiner Freizeit gerne in den Dienst der Allgemeinheit.

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Und zu seinem umfangreichen Wissen gehören natürlich auch Kenntnisse aus der Wetterkunde, erklärt Miconi. Zwar sehe er auf dem Monitor, der im Tower des Donaueschinger Flugplatzes steht oder in der Wetter-App seines Smartphones, welche Druckgebiete wo stehen und wie die Zugrichtung der Gewitter sich entwickeln könnte, aber in letzter Konsequenz sei man nie vor Überraschungen gefeit. Und manchmal muss es dann schnell gehen. Nähert sich ein Gewitter dem definierten Eisatzgebiet, dann ist Holger Miconi oder einer seiner Pilotenkollegen schnell in der Luft und fliegt den Gewitterwolken entgegen.

Entscheidung in der Luft

Erst in der Luft wird entschieden, welches von oft mehreren Gewittern zuerst bekämpft werden muss. An dieser ersten Wolke bleibt man dran und wendet sich erst der nächsten Gewitterwolke zu, wenn man bei der ersten den Erfolg in Form von Niederschlägen sieht. „Da kommt es natürlich auch vor, dass einem eine der Wolken entwischt.“ Die beiden Jodid-Verdampfer an den Flügelenden der zweimotorigen italienischen Partinavia P68 wurden bereits am Boden auf ihre Einsatzbereitschaft geprüft und werden beim Flug unter der Gewitterwolke gezündet.

Jetzt sorgt das ausgedampfte Silberjodid, das von der Thermik in die Wolken getragen wird, dafür, dass die Feuchtigkeit in den Wolken gebunden wird und es zum vorzeitigen Abregnen kommt. Oder auch zu Hagelschauern mit nur kleinen Hagelkörnern, die kaum Schaden anrichten. Der jüngste Einsatz am 3. Juni, es war der erste in diesem Jahr, führte so auch zu geringem Niederschlag von Hagel über dem Gebiet von Villingen. Wie schlimm es ohne den Einsatz gekommen wäre, lässt sich schwer sagen.

Nicht immer gemütlich gehe es unter diesen Gewitterwolken zu, erklärt Holger Miconi. „Da macht der Flieger schon mal Luftsprünge von mehreren Metern“, sagt er und ergänzt, dass Pilot und eventuelle Begleiter seefest sein sollten. Spannend wird es, wenn man in einen starken Aufwind gerät, erklärt der Pilot. Dann benimmt sich das Flugzeug fast wie ein Segler. Der zweimotorigen Maschine, die für die Einsatzzeit von Mai bis September gechartert wird, vertraut Holger Miconi voll. Der Flieger sei zwar schon fast 50 Jahre alt, aber sehr zuverlässig.

Gründlicher Vorflugcheck

Vor jedem Einsatz ist es Aufgabe des Piloten das Flugzeug optisch zu überprüfen sowie die Navigationsgeräte wie auch die gesamte Technik einem gründlichen Scheck zu unterziehen. Schließlich hängt von der Funktion aller Teile und Geräte auch die eigene Sicherheit ab. Dazu gehören beim Hagelflieger auch die beiden Silberjodid Zerstäuber. Auf die Frage was einen Hagelflieger denn vom normalen Freizeitpiloten ausmacht, antwortet Holger Miconi: „Wir warten auf schlechtes Wetter, wenn andere landen gehen wir in die Luft!“

Weitere Bilder von den Starvorbereitungen finden unsere Leser auf SÜDKURIER online.