VS ist wieder einmal in der Warteschleife. Das ist einerseits noch nachvollziehbar angesichts des OB-Wechsels. Dass sich ein neuer Rathaus-Chef Zeit nehmen muss, um erst Akten zu studieren und dann zu entscheiden, versteht der Betrachter des politischen Geläufs ebenfalls.

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Wer die erste Ratssitzung mit dem neuen Verwaltungschef erlebt hat, der kommt jedoch ins Grübeln. OB Roth ließ eine Debatte über einen Skateboardplatz schier endlos laufen. Es ging um ein Kostenvolumen von 380 000 Euro. Wie lange will der Gemeinderat debattieren, wenn es um die 80 Millionen Euro geht, die auf dem Mangin-Gebiet unweit der alten Saba verbaut werden sollen? Ja, es ging vielen Räten um Grundsatzfragen wie Ordnung und Sicherheit. Wieso ist das nicht längst geklärt? Wozu gibt es Ausschüsse?

Vor allem die Stadträte zogen diese Debatte in die Länge, auffällig ist: Die neue Freizeiteinrichtung war schon mehrfach vorbesprochen, trotzdem blieb es nicht bei den eigentlich klaren Wortmeldungen der Fraktionssprecher. Diese hätten genügt. Stattdessen brach ein Konzert an weiteren Wortmeldungen los, deren Sinnhaftigkeit sich nur begrenzt erschließt.

Freilich hat jeder Rat ein Rederecht. Nur: Wohin führt das bei 40 Gremiumsmitgliedern? Man könnte diese Frage so beantworten: Zum Ist-Zustand in VS, den ja eigentlich alle verbessern wollen.

Die Fraktionen beraten zu den Sitzungen aber intern vorab und die Sprecher der politischen Gruppen sollten in der Lage sein, ein Meinungsbild zusammenzufassen. Wenn sich aber zusätzlich zu den Fraktionssprechern etliche weitere Stadträte zum selben Thema mit ausführlichen Abhandlungen zu Wort melden, kommt die Frage auf, inwieweit hier Einigkeit herrscht.

Diese Ratssitzung machte deutlich, dass VS dringend Richtungsvorgaben braucht bei den großen, offenen Themen in der Stadt. Wenn OB Roth seine Ankündigung umsetzt und bei der Neunutzung des Mangin-Geländes bei der früheren Saba eine Bürgerbefragung ansetzt, so ist hier zweierlei zu befürchten: Das alles braucht extrem viel Zeit. Und möglicherweise könnte dann eine Zusammenfassung der Verwaltungsstrukturen am Villinger Stadtrand kippen. Ohne Mut zum Projekt wäre das Oberzentrum in diesem Fall zurück auf Los. Im Oktober 2012 stoppte ein Bürgerentscheid den Bau eines zentralen Rathauses zwischen Villingen und Schwenningen. Heute meinen nicht wenige Bürger, der Platz unweit des Klinikums zwischen Villingen und Schwenningen wäre für einen Verwaltungsbau doch nicht der schlechteste gewesen.