Seit nunmehr 100 Jahren gibt es in Villingen die Schreinerei Jordan. Es war Paul Jordan, der am 24. April 1919 die Schreinerei von Johann Nepomuk Häßler an der Brigachstraße 14 kaufte und das Handwerksunternehmen gründete. 1936 wurde das Anwesen Kaiserring 14 erworben und zur Schreinerei kam der Möbelhandel hinzu. Heute wird der Betrieb in der dritten Generation von Gerhard Jordan geführt.

Gehäuse für Holzuhren und für Saba-Radios

Paul Jordan war spezialisiert auf Holzuhrengehäuse, musste sich aber mit der Krise der Uhrenfabrikanten neue Märkte suchen. Diese fand er bei August Schwer und entwickelte mit ihm Radiogehäuse für die Firma Saba.

Gerhard und Gudrun Jordan feiern am 25. und 26. Mai mit einer Hausmesse das 100-jährige Bestehen des Traditionsunternehmens.
Gerhard und Gudrun Jordan feiern am 25. und 26. Mai mit einer Hausmesse das 100-jährige Bestehen des Traditionsunternehmens. | Bild: Roland Dürrhammer

Innenausbauten als neues Geschäftsfeld

Nachdem sein Sohn Heinz Jordan als frisch gebackener Meister wieder in den elterlichen Betrieb eintrat, begann die Ära mit Innenausbauten für private und gewerblichen Kunden, die heute noch Schwerpunkt der Schreinerei sind.

Schreinerei statt Marine

Eigentlich wollte Gerhard Jordan nie Schreiner werden, sondern wäre lieber Kapitän auf dem Bundeswehr-Segelschulschiff „Gorch Fock“ geworden. „Doch die Musterung lief nicht so wie gewünscht und ich bin dann nicht zur Marine oder Bundeswehr gegangen, sondern in die Feuerwehr“, erzählt Jordan. Für ihn war es schließlich doch der richtige Weg, eine Schreinerlehre beim Onkel in Elzach zu absolvieren und 1987 die Meisterprüfung abzulegen.

Neue Räumlichkeiten für das Unternehmen

Im Oktober 2005 wurden die Ausstellungsräumlichkeiten, in denen sich die Kunden ihre Wunschmöbel anschauen können, an der Ecke zum Oberen Dammweg eröffnet. „Der hohe finanzielle Aufwand hat sich gelohnt und wir können unsere Kunden in einer heimeligen Atmosphäre beraten“, schwärmt Jordan.

Krise dank Unterstützung von vielen Seiten gut bewältigt

Er spricht aber auch über schwierige Zeiten der Firmengeschichte: „Wegen privater Schicksale und wirtschaftlicher Tiefen in den Jahren 2009 und 2010 wussten wir damals nicht, wie es weitergehen wird“. Dank der engagierten Mitarbeiter, verständnisvoller Kunden und Lieferanten meisterte man die Krise. Neben dem Möbelbau fertigt Jordan seit 2013 Brandschutztüren aus Holz als Franchisenehmer einer österreichischen Firma.

"Gesundes Schlafen ist unser Thema", sagen Gerhard und Gudrun Jordan als diplomierte Schlafberater.
"Gesundes Schlafen ist unser Thema", sagen Gerhard und Gudrun Jordan als diplomierte Schlafberater. | Bild: Roland Dürrhammer

Anders sein als die Mitbewerber

Heute ist die größte Herausforderung für den Handwerksbetrieb, anders zu sein als die Mitbewerber. „Meine Frau Gudrun und ich sind diplomierte Schlafberater“ sagt Jordan, „gesunder Schlaf ist eines unserer Themen, mit denen wir uns vom Wettbewerb abgrenzen.“ Die Schreinerei ist zudem seit 2006 als Fachbetrieb für gesundes Wohnen zertifiziert.

Wettbewerb macht keine Angst

„Den Wettbewerb auf der grünen Wiese fürchten wir nicht. Das Gegenteil ist der Fall“, sagt Gudrun Jordan. Nach der Eröffnung eines großen Möbelhauses habe man gerade im Schlafbereich neue Kunden gewinnen können. Mehr Probleme machen ihnen Fernsehsendungen, in denen angeblich in nur acht Tagen ein ganzes Haus renoviert wird. „Das funktioniert in der Realität nicht, schürt aber falsche Erwartungen bei den Kunden, was die Lieferzeiten angeht“, so Jordan.

Technisch auf modernem Stand

Mit vier modernen CNC-Maschinen sei die Fertigung für die Zukunft gut gerüstet, so Jordan. Die Verknüpfung der Maschinen mit Computer-Gestaltungsprogrammen werde dann ein Thema für Sohn Florian Jordan werden. Dieser ist bereits Schreinermeister und wird den Handwerksbetrieb in der vierten Generation weiterführen.

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