Der Narrenvatter bestimmt, wer Narrenmutter wird. Wer Narrenvatter wird, bestimmt an der Jahreshauptversammlung der Osemali-Zunft das Tannheimer Roulette. Die Elferratsmitglieder entnehmen dem Serviertablett ein Stamper Hochprozentiges. Wer das Glas mit reinem Tannheimer Wasser ergattert, hat „gewonnen“.

Dieses Mal wurde Alt-Zunftmeister Georg Müller vom Schicksal ereilt und es schien ihm auch nicht allzu unangenehm zu sein. Darum hatten sich in Tannheim alle gewundert, warum Vize-Zunftmeister Christian King vor der Taufzeremonie am Narrenbrunnen sich den Anwesenden als der neue Narrenvater vorstellte. Alles dachte zunächst, was für ein Spaß dem Schorsch da wieder eingefallen ist. Als im Anschluss in der Festhalle die neue Narrenmutter vorgestellt werden sollte, erläuterte Christian King die Hintergründe. Zwischen den Jahren habe Georg Müller gesundheitliche Probleme und der Arzt riet ihm davon ab, sich dem Fasnetsstress auszusetzten. So bat er seinen langjährigen Stellvertreter, für ihn in die Bresche zu springen. Dieser gehörte beim Roulette um den Narrenvater-Posten ja auch noch zu den Kandidaten und hat außerdem schon diesbezügliche Erfahrungen.

In sechs Tagen eine Narrenmutter aus dem Hut zu zaubern, ist keine einfache Aufgabe. Weil es eben pressiert hat, bestellte er eine im Internet, erklärte King. Was sich dann auf der Bühne aus der Geburtstagstorte strippte, entsprach dann doch so gar nicht seinen Vorstellungen. Als die Blondine ihre Perücke lupfte, verbarg sich der zu diesem Amt ursprünglich bestimmte Georg Müller dahinter. „Mir zwei und Narreneltern, das geht ja gar nicht“, meinte King.

Danach nahm das Geschehen eine unvorhergesehene Wende. Christian King fragte die rein zufällig auf der Bühne weilende Ortsvorsteherin Anja Keller, die kurz zuvor die zahlreichen Gäste zum Jubiläumsevent begrüßt hatte, ob sie mit ihm an der Fasnet das närrische Geschehen schmeißen würde. Sie ließ ihn nicht im Regen beziehungsweise im Schneegestöber stehen. Ihr Terminkalender hätte über Fasnet noch einige Termine frei, signalisierte sie ihm.

Ähnlichkeiten mit seiner "Ex-Schesä von 2006" rückte Christian King gleich zurecht. Die habe zwar auch Anja geheißen und sei im Ortschaftsrat gewesen, mit Nachnamen aber Zimmermann geheißen. Die „Neue“ sei jetzt eben die Bürgermeisterin von Tannheim und die heiße nun mal Keller.