Der Terroranschlag von Hanau, bei dem neun Menschen getötet worden sind, beschäftig Gläubige aller Religionen auch in der Doppelstadt. So fand diese Woche ein Treffen des christlich-muslimischen Runden Tisches VS im Gemeinschaftsraum der Moschee in der Güterbahnhofstraße statt. Dabei waren laut einer Presseerklärung rund 20 Menschen unterschiedlichsten Glaubens. Diese Dialogtreffen gibt es seit nun etwa 10 Jahren, wie Dekan Wolfgang Rüter-Ebel erklärt. Sie finden regelmäßig trotz Gegenwind und politisch schwieriger Verhältnisse statt. „Wir reden miteinander – und sparen auch schwierige Themen nicht aus“, erklärt Dekan Rüter-Ebel. Beim aktuellen Treffen war auch der Imam der Villinger Ditib-Gemeinde dabei. Gemeinsam haben die Teilnehmer eine Erklärung verfasst, um ihre Betroffenheit über den Terroranschlag von Hanau in Worte zu fassen. Nachfolgend die Erklärung:

„Wir sehen uns als Christen und Muslime verpflichtet, gemeinsam Wege zur Überwindung von Vorurteilen, von Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft zu gehen. Die Morde in Hanau erfüllen uns als Christlich-muslimische Dialoggruppe in Villingen-Schwenningen mit Entsetzen und Trauer. Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle vor wenigen Monaten wird unser Land erneut von einer rassistisch motivierten Gewalttat erschüttert. Die Anschläge von Hanau mögen von einem Einzeltäter begangen worden sein, der sein und anderer Leben für nichts achtete. Aber solche Taten haben einen Hintergrund. Im Terror geht die Saat von menschenfeindlichen Gedanken und Worten auf. Von der Politik wie auch von der Bevölkerung erwarten wir nicht nur klare Verurteilungen, sondern einen aktiven Einsatz gegen Gewalt. Wir rufen besonders alle Menschen, die politische Verantwortung tragen, dazu auf, ihre Wortwahl noch sorgfältiger zu bedenken. Aus bösen oder auch nur gedankenlosen Worten können böse Taten folgen. Eine pauschalisierende Verurteilung ganzer Gruppen, z.B. der Betreiber von Shisha-Bars kann bei gewaltbereiten Rassisten schlimmste Konsequenzen auslösen, ganz besonders, wenn es gegen Gruppen geht, die ohnehin gesellschaftlich unter Druck stehen, wie Migrant/innen und religiöse Minderheiten. Unser Mitgefühl und unser Gebet gilt den Angehörigen der Getöteten und den Gemeinschaften, aus denen sie kommen.“

Auch in Schwenningen gab es ein gemeinsames Gedenken: So hat Pastor Hans-Ulrich Hofmann der Al-Salam-Gemeinde einen Solidaritätsbesuch während des Freitagsgebetes abgestattet. Hofmann habe die Morde verurteilt und betonte, dass es in Deutschland Menschen gebe, die islam- und judenfeindlich eingestellt seein und ihren Hass öffentlich und in sozialen Netzwerken äußern. Er betonte: „Ihr gehört zu uns, wir sind froh, dass Ihr da seid, wir achten einander und treten füreinander ein, auch wenn unser Glauben teilweise verschieden ist.“

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