Was tun, wenn ein Kind in der Schule gewalttätig wird? Vor dieser Frage stand Ende Juni die Leitung der Friedensschule in Schwenningen. Ein Grundschüler hatte nach SÜDKURIER-Informationen eine 64-jährige Klassenlehrerin getreten, weshalb diese – zwei Wochen vor ihrer Pensionierung – ins Krankenhaus musste. Sie geht noch immer an Krücken. Die Reaktion der Schule: Zwei Tage Schulverweis und die Mitteilung von der Schulleitung an das Lehrerkollegium, dass das Kind nicht an den Pranger gestellt werden dürfe. Die betroffene Lehrerin soll aufgefordert worden sein, von einer Strafanzeige Abstand zu nehmen. Nicht alle Eltern und Lehrer sind mit diesem Vorgehen zufrieden. Das Schulamt in Donaueschingen versucht zu beschwichtigen.

Das Kind hatte den Unterricht gestört und sollte laut Informationen, die dem SÜDKURIER vorliegen, nach der Unterrichtsstunde im Klassenzimmer bleiben. Die Klassenlehrerin wollte ein klärendes Gespräch mit dem Jungen führen. Eine pädagogische Maßnahme, die an diesem Donnerstagvormittag offenbar eskaliert ist. "Das Kind wollte nicht hören und den Unterrichtsraum verlassen", schildert ein mit dem Vorfall vertrauter Informant. Die Klassenlehrerin, so schilderte er den weiteren Fortgang, wollte dem Schüler darauf den Weg versperren. Daraufhin sei sie von dem Jungen geschlagen worden. Die Lehrerin habe versucht, seine Hände festzuhalten. Dann habe der Junge ihr gegen die Beine getreten, sodass die Lehrerin zu Boden ging, sich am Kopf verletzte und offenbar auch kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Nachdem die Schmerzen am Knie nach dem Tritt immer schlimmer wurden, sei die Lehrerin in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort wurde das Knie versorgt.

Die Schulleitung reagierte auf den Vorfall mit einem zweitägigen Schulverweis. Einsicht bei der verständigten Mutter des Jungen habe es keine gegeben. "Die hat die Lehrerin beschimpft und ihr die Schuld für das Verhalten des Kindes gegeben", sagt der Informant des SÜDKURIER. "Die Frau musste ins Krankenhaus und kann aktuell nur mit Krücken laufen. Der Fall wird aber nicht aufgearbeitet und es gab eine milde Strafe. Da hört bei mir das Verständnis auf", so der Informant. Nach seiner Aussage gibt es auch unter den Eltern und Lehrern empörte Stimmen, denn Gewalt gegen Lehrer sei kein Kavaliersdelikt. Die Öffentlichkeit müsse dafür sensibilisiert werden. "So ein Zustand darf sich an unseren Schulen nicht kultivieren, deswegen darf er nicht verschwiegen werden", sagt er. Doch seitens der Schulleitung bestand keinerlei Neigung, sich zu dem Vorgang zu äußern. Auf Nachfragen des SÜDKURIER verwies Schulleiter Wolfang Kneer auf das Schulamt in Donaueschingen.

Keine Absicht

Sabine Rösner, Leiterin des Staatlichen Schulamts, bestätigt auf Nachfrage, dass es einen solchen Vorfall an der Friedensschule gegeben habe. "Hierbei handelt es sich allerdings nicht um einen Angriff eines Schülers, sondern um einen Unglücksfall", betont Sabine Rösner. "Ein Dienstunfall, das kann Mal passieren." Die Leitung der Friedensschule habe umsichtig und schnell reagiert. Die Auseinandersetzung zwischen dem Grundschüler und der 64-jährigen Pädagogin bezeichnet sie als zwischenmenschlichen Vorgang. Dem Kind könne keine Absicht unterstellt werden. Zudem weist sie den Vorwurf zurück, die Friedensschule habe das Thema nicht aufgearbeitet. "So viel aufzuarbeiten gab es da nicht. Der Fall wurde in der Klasse besprochen und die Schulleitung hat sich aktiv mit dem Kollegium abgestimmt", sagt Rösner. Die Schulamtsleiterin kritisiert außerdem den Umgang mit dem Fall: "Gerade in den sozialen Medien haben wir sehr viele Gerüchte gelesen." Die meisten davon seien schlicht erfunden.