Villingen-Schwenningen – Häufig geht es ganz schnell: Nach einer Frühgeburt oder schweren Erkrankung des Kindes verlagert sich das Familienleben in Arztzimmer und Krankenhausstationen. Ungewissheiten, immer neue Diagnosen und Behandlungen werden zu neuen Familienmitgliedern und bringen große Belastungen mit sich. Auch die gesunden Geschwisterkinder müssen die Last der Erkrankung mittragen. Sie machen oft die Erfahrung, sich mit ihren Bedürfnissen hintan stellen zu müssen und sich auf den Tagesablauf des kranken Geschwisters einzustellen.

In Villingen-Schwenningen gibt es für diese Kinder nun ein Angebot durch den Verein Bunter Kreis – Leben geben. Dieser ist offizieller Träger für die familienorientierte sozialmedizinische Nachsorge für Frühgeborene, chronisch kranke Kinder, Jugendliche und ihrer Angehörigen, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Vorsitzende Werner Rosendahl erklärt: „Seit 2008 besteht das Hilfeangebot für Familien mit Frühgeborenen, für Kindern mit angeborenen Fehlbildungen, Stoffwechselstörungen, nach akuten schweren Erkrankungen oder schweren Unfällen“. Nun konnte der Verein das Programm „Gemeinsam stark im Bunten Kreis“ initiieren mit dem Ziel, ein beständiges therapeutisches Hilfsangebot für Geschwisterkinder in der Region zu etablieren. Seit Dezember findet samstags einmal im Monat ein Geschwisternachmittag im Fidelisheim in VS-Villingen statt. Die Gruppe der gesunden Geschwisterkinder besteht momentan aus sechs Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren.

Zur Konzeption und Organsiation des Projekts wurde die Diplom-Heilpädagogin Andrea Chlup beim Bunten Kreis angestellt. Sie bringt durch die Tätigkeit in der Nachsorgeklinik Tannheim langjährige Erfahrung in der familienorientierten Beratung und Betreuung mit. Als Unterstützung für die Treffen konnte die Erzieherin Anna Preiser aus Schwenningen gewonnen werden. Dahinter steht ein interdisziplinäres Mitarbeiterteam, um Kindern und ihren Familien in kritischen Phasen umfassende und familienorientierte Hilfe im medizinischen, psychologischen und spirituellen Bereich zu bieten.

An den Gruppennachmittagen können die Kinder sich untereinander in geschützter Umgebung mit ihrer besonderen Situation auseinandersetzen. Belastende Themen haben dabei ebenso Platz wie der Spaß am Miteinander. Manchmal verschmelzen beide Ebenen auch miteinander: „Wenn wir unterwegs sind, werden wir häufig von Leuten angestarrt, weil mein Bruder eine Behinderung hat“, berichtet ein Kind auf die Frage, was sie besonders belastet. Die anderen kennen diese Situation. Gemeinsam werden sie sich schnell einig, dass sie einen „Anti-Glotz-Club“ gründen wollen und unbedingt T-Shirts mit diesem Aufdruck brauchen. Durchweg wird klar: Den Kindern ist es wichtig, mit ihren Bedürfnissen, Ideen und Gefühlen wahrgenommen zu werden. Wichtig ist es den Kindern deshalb auch, dass Spiele nach ihren Regeln gespielt werden: „Jetzt bin ich mal dran und bestimme“, erklärt ein Mädchen.

Ein fester Bestandteil der Treffen sind kleine Inszenierungen zu Geschichten. Das Verkleiden, Kulissengestalten mit Stoffbahnen und in verschiedene Rollen schlüpfen ist für die Kinder das Schönste. Mit rotglühenden Wangen verabschiedet sich ein Mädchen bei Andrea Chlup: „Die Bärenjagd hat so viel Spaß gemacht.“

Das Programm wurde in Anlehnung an das von der Stiftung Familienbande entwickelte Programm „Geschwister chronisch kranker und behinderter Kinder im Fokus“ und dem Programm „Geschwister stärken“ des Geschwister-Netzwerks konzipiert. Die Kosten werden ganz überwiegend durch Spenden der Hildegard-und-Katharine-Hermle-Stiftung getragen. Die Gruppe ist offen für weitere Geschwisterkinder im Alter von sechs bis 16 Jahren.

Das nächste Treffen

Der nächste Geschwisternachmittag findet am 17. März im Fidelisheim in VS-Villingen statt. Kontakt: geschwisterchlup@gmail.com. Informationen im Internet: www.bunterkreis-lebengeben.de oder www.stifung-familienbande.de.

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