Es war wohl ein Novum in einer Sitzung des Verwaltungs- und Kulturausschusses: Alle waren sich einig und am Ende gab es doch keinen Beschluss. Einig war man sich dahingehend, dass das Uhrenindustriemuseum auf jeden Fall erhalten bleiben muss. Wie genau das vonstatten gehen soll, darüber herrschte am Ende keine Uneinigkeit, sondern Verwirrung.

  • Das große Problem: "Wir beschäftigen uns schon lange mit diesem Thema", erklärte Oberbürgermeister Kubon. Das Museum wird von der Stadt und dem Kreis finanziert, allerdings könne man so nicht mehr weitermachen. Die bisherige Geschäftsführerin Ingeborg Kottmann ist seit einem Jahr im Ruhestand und erledigt seitdem ehrenamtlich das Notwendigste. Die Entlohnung der Mitarbeiter ist seit Jahren zu gering und das sei nicht mehr tragbar. "Wir schlagen das nicht aus Jux und Tollerei vor, es ist einfach niemand anderes da, der das übernehmen könnte." Auch Siegfried Heinzmann vom Förderverein des Uhrenindustriemuseums positionierte sich klar: "Der Förderkreis steht voll hinter der Eingliederung in die Stadt." Seit 2010 die Mittel für Kulturvereine gekürzt worden sind, "wussten wir teilweise nicht mehr, wie es weitergehen soll".
  • Ein flammender Appell: Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier sieht in der Eingliederung des Uhrenindustriemuseums in die Stadt eine grundlegende Weichenstellung für die künftige Entwicklung der Museumslandschaft in der Doppelstadt. Notwendig sei eine halbe Stelle für eine qualifizierte Fachkraft, dafür seien 32 000 Euro jährlich veranschlagt. Diese Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter sollte dann Museumsleiter Michael Hütt unterstützen, der sich künftig federführend um das Museum kümmert. Dobmeier führte aus, wie dramatisch die Situation im Uhrenindustriemuseum sei: Vor allem für die fachliche fundierte Betreuung der Bestände fehle das Personal. "Die Lagerung in unterschiedlichen Räumen in Schulen, dem Obdachlosenheim und dem Bärenareal ist nicht mehr vertretbar." Dobmeier richtete einen flammenden Appell an die Stadträte: "Es geht hier um die Industriegeschichte Schwenningens und um wirklich einmalige Objekte." Man trage hier eine große Verantwortung und der müsse man gerecht werden. "Wir sehen die hohe Bedeutung des Ehrenamts, es sollte aber unter professionelle Leitung gestellt werden." Die Stadtgeschichte sei eng mit der Industriegeschichte verzahnt: "Hier geht es um das kulturelle Bewusstsein und die kulturelle Identität." Sein Amt arbeite derzeit an den Plänen für eine mögliche Zusammenlegung des Uhrenindustriemuseums, des Heimat-und Uhrenmuseums und der Städtischen Galerie auf dem Gelände der ehemaligen Württembergischen Uhrenfabrik. Dies sollte haushaltsneutral erfolgen, so Dobmeier. Bis zu einem Spatenstich werde es noch Jahre dauern, aber es müssten jetzt die Weichen gestellt werden.
  • Die große Verwirrung: Nachdem sich alle Parteien klar für den Erhalt des Museums ausgesprochen hatten, gingen die eigentlichen Probleme los. "Das Ganze ist sehr verwirrend. Ich kann nicht einordnen, ob mehr Zuschüsse reichen oder ob es nicht reicht und die Ehrenamtlichen überfordert sind und es in städtische Hand muss", sagte Frank Bonath (FPD). Bei den Grünen sieht es nicht anders aus. "Es wird nicht klar, wie die Struktur aussehen soll. Warum können die wissenschaftlichen Mitarbeiter durch Umschichtung die Arbeit nicht einfach mitmachen? Wer arbeitet überhaupt dort und was macht jeder dort?", fragte Hans-Joachim von Mirbach. In der CDU, sagte Renate Breuning, stehe man einer Übernahme durch die Stadt kritisch gegenüber. Ihr Vorschlag: Die Entlohnung der Mitarbeiter aufstocken, einen Interim-Museumsleiter auf 450 Euro-Basis einstellen und das ganze zwei Jahre weiterlaufen zu lassen, um dann in die Planungen für eine Museumslandschaft einsteigen zu können. Edgar Schurr (SPD) vertrat die Meinung: "Wir können nicht sagen, wir lassen das vakant für zwei Jahre. Wir müssen Vorbereitungen treffen für die Kultur-Triangel."

Am Ende der gut einstündigen Diskussion war dann nur eines klar: Es besteht Klärungsbedarf. "Ich sehe, es besteht keine Zustimmung insgesamt, es besteht aber auch kein Dissens um die Summen", sagte Kubon. Unter anderem mit einem Ortstermin in der kommenden Woche wolle man noch vor der kommenden Sitzung des Gemeinderates zur Klärung offener Fragen beitragen. "Vielleicht finden wir dann eine Lösung, die alle mittragen können", sagte Kubon.

 

Zahlen und Fakten rund ums Museum

  • 1994: Das Uhrenindustriemuseum wird eröffnet unter der Schirmherrschaft eines Trägervereins. Dessen Vorsitzender Oberbürgermeister Kubon ist. Erster Stellvertreter ist Landrat Sven Hinterseh.
  • 2003: Das Museum wird mit dem europäischen Micheletti-Preis ausgezeichnet.
  • 93 400 Euro: So hoch ist der Betriebskostenzuschuss, den das Museum jährlich von der Stadt erhält. Der Zuschuss des Landkreises beträgt 30 000 Euro. Zusammen mit Spenden, Sponsoring, Mitgliedsbeiträgen, Einnahmen aus Eintritten und Verkäufen im Museumsshop ergibt sich ein Jahresbudget von 139 200 Euro.
  • 10 000 Euro: Soviel gibt der Förderverein des Museums jährlich allein für Materialus aus. Mit dem Verkauf der im Museum hergestellten Wecker versucht man die Kosten zu decken. (ang)