Seit acht Jahren sind die Goldenbühlschule und die Bickebergschule im Stadtgebiet Villingen-Schwenningen Gemeinschaftsschulen, die seither erfolgreich Schüler zu Haupt- und Realschulabschlüssen gebracht haben und ihnen auch den Weg ins Gymnasium ebneten.

Schulleiter werben für diese Schulform

Das Problem, das auch die Gemeinschaftsschulen im Kreis umtreibt, ist die fehlende Akzeptanz der Schulform, sei es auf politischer Ebene als auch in der Gesellschaft. Die Schulleiter kämpfen und werben für dieses Schulsystem und sehen nun die Politik in der Verantwortung, damit die Gemeinschaftsschulen nicht vom Aussterben bedroht sind.

Hierzu haben die Schulleiter Stephanie Schick von der Goldenbühlschule und Alexander Hermann von der Bickebergschule die Landtagsabgeordnete Martina Braun zum gemeinsamen Austausch in die Goldenbühlschule eingeladen.

200 Schüler wollen Abgeordnete löchern

Im ersten Teil der Veranstaltung standen Schüler beider Schulen im Mittelpunkt. 200 waren in die Aula gekommen und hatten Fragen für Braun vorbereitet. „Wir werden sie jetzt mit unseren Fragen löchern“, so Annalena Mann aus der neunten Klasse, die zusammen mit ihrem Klassenkameraden Marti Eckert die Fragerunde moderierte.

„Was wissen Sie über die Gemeinschaftsschule und was tun Sie gegen den Lehrermangel“, lautete eine der Fragen. „Ich wusste nicht viel über Gemeinschaftsschulen, weil es diese Schulform für meine Kinder nicht gab“, so Braun. Im Rahmen ihrer Kandidatur 2015/2016 für den Landtag habe sich mit dem Thema befasst, alle fünf Schulen im Kreis besucht und sei begeistert davon gewesen. „Der Lehrermangel begleitet mich durchgängig und es wurden im Land Lehrerstellen geschaffen, doch es fehlen die Menschen, die diese besetzen“, so Braun.

Ob sie sich vorstellen könne, Themen wie Steuern, Finanzen, Versicherungen mit in den Bildungsplan aufzunehmen? Es sei ein Alleinstellungsmerkmal der Gemeinschaftsschulen, die Schüler auf das Leben vorzubereiten, sagte Braun. Da renne man bei ihr mit den Themen Steuern, Finanzen, Versicherungen offene Türen ein.

Die Landtagsabgeordnete Martina Braun und Klaus Ringgenburger von der Industrie- und Handelskammer verschaffen sich einen Überblick über den Unterricht in der Gemeinschaftsschule.
Die Landtagsabgeordnete Martina Braun und Klaus Ringgenburger von der Industrie- und Handelskammer verschaffen sich einen Überblick über den Unterricht in der Gemeinschaftsschule. | Bild: Roland Dürrhammer

Ein Blick in den Unterricht

Mit einem Blick in den Unterricht in der Klasse fünf verschaffte sich Braun einen Einblick in die Besonderheiten der Gemeinschaftsschule, bevor es in eine Gesprächsrunde mit den Schulleitungen und Elternbeiräten der Gemeinschaftsschulen aus der Region, der Industrie- und Handelskammer (IHK) und dem staatlichen Schulamt ging.

Fehlen der Stadt wird kritisiert

Die mangelnde Akzeptanz der Gemeinschaftsschulen spiegele sich in der Abwesenheit des Schulträgers, der Stadt Villingen-Schwenningen, wider und gab Anlass zu Kritik. „Zur politischen Unterstützung gehört der Schulträger und wo bitte ist die Stadt VS an diesem Tisch“, beklagt sich die ehemalige Schulleiterin der Goldenbühlschule, Jane Heinichen. Braun musste sich dem Vorwurf stellen, bei den Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU das Kultusministerium im Land leichtfertig abgegeben zu haben.

Gemeinschaftsschule soll ins grüne Wahlprogramm

„Es ist mit der Ressortierung schiefgelaufen und wir müssen das besser hinbekommen“, verwies Braun auf die nächsten Landtagswahlen, bei denen die Gemeinschaftsschulen ins Wahlprogramm der Grünen aufgenommen werden sollen.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Gemeinschaftsschulen mehr Akzeptanz benötigen und es gelte, auch den Gemeinderat und die Industrie mehr einzubinden.