Mit Hochdruck arbeiten die örtlichen Parteien und Wählervereinigungen daran, Kandidaten für die Kommunalwahl zu finden, die am 26. Mai stattfinden werden. Erste Gruppierungen haben ihre Kandidatenliste bereits voll, zum Teil mit interessanten Persönlichkeiten, wie SÜDKURIER-Recherchen ergaben. Andere sind noch auf der Suche nach weiteren Bewerbern.

CDU mit Cristilli und Metzger

Die Christdemokraten, bislang mit 13 Stadträten stärkste Kraft im Gemeinderat, werden ihre Kandidaten für den Gemeinderat und den Kreistag am 9. März in einer Mitgliederversammlung nominieren. Vorher möchte Klaus Martin und sein Vorstands-Team keine Namen bekannt geben. Noch sei die Liste (zulässig sind pro Partei 40 Bewerber, so viel Sitze hat der Gemeinderat) nicht ganz voll, "wir sind aber nahe am Ziel", erklärte Martin. Die Fraktion steht vor einem gewissen Umbruch.

Denn nicht nur die Fraktionsvorsitzende Renate Breuning, auch die Stadträte Bernd Hezel, Jürgen Jauch, Gunther Dreher und Antonio Piovano wollen nicht mehr kandidieren. Bei der Kandidatenliste zeichne sich schon jetzt eine gute Alters- und Berufsmischung ab, äußerte sich Martin sehr zufrieden. Laut gewöhnlich gut informierten Kreisen sollen auf der CDU-Liste unter anderem Gaetano Cristilli stehen, der zuletzt als Oberbürgermeister in VS kandidiert hat, des weiteren die Schwenninger Unternehmerin Annette Müller, Möbelhändler Bernd Herner oder der neue DRK-Geschäftsführer Peter Metzger.

Eishockeylegende bei Freien Wählern

Von den neun Stadträten der Freien Wähler werden drei "Altgediente" nicht mehr antreten. Ernst Reiser, Erich Bißwurm und Werner Ettwein hören aus Altersgründen auf. Die Kandidatensuche für die nächste Wahlperiode hat sich nach Feststellung des Fraktionsvorsitzenden Andreas Flöß sehr erfolgversprechend angelassen, ist aber noch nicht abgeschlossen. Gemeinsam mit dem Ortsvereinsvorsitzenden Dominik Beha sei es gelungen, starke Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Berufsfeldern zu gewinnen: Vom Architekt und Anwalt bis hin zu gestandenen Handwerkern.

Namen wollte er noch keine nennen. Er bestätigte aber, was sich ohnehin schon herumgesprochen hat. Die Schwenninger Eishockey-Legende Matthias Hoppe (60) steht ebenso auf der Liste wie Architekt Andreas Kratt aus Villingen oder Steffen Ettwein, der in die Fußstapfen seines Vaters Werner Ettwein treten will. Flöß bestätigte auch, dass der ehemalige OB-Kandidat Peter Seeburger, der 2010 gegen Alt-OB Rupert Kubon antrat (und verlor), auf der Liste der Freien Wähler steht, ebenso Manfred Herzner, Vorstand des Villinger Turnvereins.

Viele Junge bei der SPD

Bei der Kandidatensuche befinden sich die Sozialdemokraten nach den Worten ihres Ortsvereinsvorsitzenden Nicola Schurr "im Schlussspurt". Ende Januar oder Anfang Februar finde die Nominierungsveranstaltung statt, "dann geht es in den Wahlkampf". Von der bisherigen achtköpfigen Ratsmannschaft wird nur Magnus Frey aus Villingen aus beruflichen Gründen aufhören. Die anderen machen alle weiter. An neuen Bewerbern blickt Nicola Schurr auf einen "bunt gemischten Haufen", vom Schüler und Studenten bis zum Lehrer und zum Arbeiter. Stolz zeigte sich Schurr auf die vielen jungen Kandidaten, der Jüngste sei gerade mal 18 Jahre alt. Etwas Sorge bereitet ihm das bundespolitische Tief der SPD, das sich hoffentlich nicht auf die örtliche Ebene niederschlage.

FDP: Spitzenplatz für Klinge

Am schnellsten sind die Freien Demokraten, die schon vor Wochen ihre Kandidatenlisten für den Kreis- und Gemeinderat voll hatten. Bereits am 19. Januar werden die Liberalen ihre Kandidaten nominieren. Für den Spitzenplatz haben sie erneut den hiesigen Bundestagsabgeordneten und Stadtverbandsvorsitzenden Marcel Klinge nominiert. Auch der Fraktionsvorsitzende Frank Bonath und sein Stellvertreter Dirk Caroli werden wieder antreten.

Unter den Nominierten für die ersten Plätze finden sich außerdem die Villinger Rechtsanwältin Kathrin Piazolo sowie die beiden stellvertretenden Stadtverbandsvorsitzenden Julia Decke und Birgit Wager, teilte die FDP mit. Marcel Klinge ist sich der Herausforderung seines Doppelmandats durchaus bewusst: „Ich habe mir einige Monate überlegt, ob ich wieder kandidieren soll, weil ich in Berlin als Tourismus- und Sportpolitiker natürlich gute Arbeit machen möchte. Mir macht Kommunalpolitik aber einfach großen Spaß. Ich möchte mich daher weiter vor Ort einbringen." Sein Vorteil: Als einziger Bundestagsabgeordneter aus VS könne er "für unsere Stadt viele Dinge anstoßen und mein bundesweites Netzwerk einsetzen.”

Grüne bosseln am Reisverschluss

"Wir haben die Liste im Prinzip schon voll", berichtete auch Joachim von Mirbach, der Fraktionsvorsitzende der Grünen. Aus der vierköpfigen Fraktion wird Stadträtin Adelheid Zeidler aufhören, die anderen drei stellen sich wieder der Wahl. Mit einem Problem müssen die Grünen aber noch kämpfen. Die geraden Listenplätze sollen von Männern besetzt werden, die ungeraden für die Frauen.

Doch diese "Reisverschlussliste" geht noch nicht ganz auf. "Wir haben 20 Männer, aber nur 19 Frauen", schilderte von Mirbach. "Ich brauche also noch eine Frau." Insofern sei noch etwas "Fein-Tuning" erforderlich. Die Grünen hoffen natürlich, von ihrem bundesweiten Aufwärtstrend profitieren zu können. Dies zeige sich an steigenden Mitgliederzahlen. Auch die Kandidatensuche sei dieses Mal einfacher gewesen als vor fünf Jahren, berichtete von Mirbach.

AfD hat Sieben nominiert

Die Alternative für Deutschland hat ihre Aufstellungsversammlung bereits durchgeführt, berichtet Stadtrat Martin Rothweiler, zugleich der erste Sprecher der AfD im Schwarzwald-Baar-Kreis. Für Villingen-Schwenningen wurden (von 40 möglichen Listenplätzen) nur sieben besetzt. Auf Platz steht steht Martin Rothweiler selbst, gefolgt von Anita Schaumann, Andrè Messer, Jochen Lobstedt, Jan Scheffler, Sinaida Gitt und Frank Lobstedt.

Er gehe davon aus, betont Rothweiler, dass sich noch einige weitere Kandidaten nachmelden und aufstellen lassen werden. Die AfD werde noch ihre Kreistagsliste aufstellen "und mit großer Wahrscheinlichkeit diesmal in Fraktions-Stärke in den Kreistag einziehen". Auch im Gemeinderat sieht Rothweiler Chancen auf Fraktionsstärke (mindestens drei Gewählte).

Schützinger will Rats-Senior werden

Die rechte Gruppierung wird nach Auskunft von Stadtrat Jürgen Schützinger ihre Nominierung erst nach Fastnacht durchführen. Er sei zuversichtlich, dass er bis dahin die Liste mit 40 Kandidaten komplett besetzen kann, wie dies in den vergangenen 20 Jahren "auch noch nie ein Problem war". Er selbst trete wieder an und werde, wenn er erneut gewählt wird, der dienstälteste Stadtrat von Villingen-Schwenningen sein. Für einen Rechtsradikalen sei dies "einmalig in Baden-Württemberg". Der 66-Jährige ist seit 1980 Mitglied des Gemeinderates.