Das Landgericht Konstanz hat einen 29 Jahre alten ehemaligen Event-Veranstalter in zweiter Instanz wegen Betrugs in zwei Fällen zu neun Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wurde unter Arbeitsauflagen für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Licht- und Tontechnik für Veranstaltungen bestellt

Im Jahr 2015 prellte der Angeklagte, der damals ein Veranstaltungsbüro in Villingen betrieb, ein Licht- und Tontechnik-Unternehmen aus der Region um insgesamt 27 000 Euro. Er beauftragte die Firma, ihr Equipment für zwei Veranstaltungen in Villingen-Schwenningen zur Verfügung zu stelle, obwohl er gewusst haben musste, dass er sie nicht würde bezahlen können. Inzwischen ist er in Privatinsolvenz. Das Unternehmen hat bislang nur 800 Euro vom Insolvenzverwalter des Angeklagten erhalten.

Pop-Konzert in der Helios-Arena beinahe abgesagt

Als eine Pop-Sängerin 2015 in der Schwenninger Helios-Arena vor halbleeren Rängen rockte, bekam sie trotzdem ihr Geld. Damit sie das Konzert nicht ganz absagte, hatte der 29-Jährige sogar noch Freikarten verteilt.

Vergebens auf die Abendkasse vertröstet

Leer ging dagegen der 49 Jahre alte Chef der Licht- und Tontechnik-Firma aus. Nicht einmal die vertraglich vereinbarte Anzahlung von 10 000 Euro vor Beginn des Aufbaus wurde geleistet. Dennoch ließ sich der Bühnentechniker breitschlagen. Das Konzert begann mit Verspätung. Vor Gericht erklärte der 49-Jährige, der Angeklagte habe ihm damals von einem sehr schleppenden Ticketvorverkauf berichtet und ihn auf die Abendkasse vertröstet. Doch auch das klappte nicht.

Gesamtkosten viel zu hoch

Der Angeklagte verwies den Tontechniker auf einen zweiten Auftrag in VS: Mit den Einnahmen einer Comedy-Gala könne er dann alles zusammen bezahlen. Aber das konnte nicht klappen, denn Gesamtkosten von 165 000 Euro standen einem eingesetzten Eigenkapital von nur 35 000 Euro gegenüber. „Das ist ein deutliches Missverhältnis“, stellte die Vorsitzende Richterin fest.

Schon zuvor deutliche Geldprobleme

Ein Gerichtsvollzieher berichtete von zahlreichen Mahn- und Vollstreckungsbescheiden, die dem Angeklagten bereits in den Monaten vor den riskanten Veranstaltungen ins Haus geflattert waren. Davon habe er zunächst überhaupt nichts erfahren, erklärte der 29-Jährige, und machte seinen damaligen Geschäftspartner dafür verantwortlich. Der sei damals verschwunden und habe ihn auf den ganzen Kosten sitzengelassen.

Kein Zugriff auf Vorverkaufseinnahmen

Außerdem, so der Angeklagte, habe er nicht bewusst betrogen, sondern sei damals selbst einem Irrtum unterlegen. Die 10 000 Euro Anzahlung für die Dienste der Technikfirma beim Pop-Konzert habe er aus den Vorverkaufseinnahmen leisten wollen. Er habe nicht gewusst, dass das Management der Sängerin da bereits die Hand drauf hatte. „Betrug wäre gewesen, wenn ich mit dem Geld abgehauen wäre“, meinte er. Das sah das Gericht anders.

"Gutmütiger Mensch"

Der als Zeuge geladene Chef der Firma für Veranstaltungstechnik wurde gefragt, warum er damals trotz fehlender Anzahlung die Bühnentechnik für das Pop-Konzert aufgebaut und sich auf einen zweiten Auftrag eingelassen hatte. Daraufhin meinte er: „Weil ich ein gutmütiger Mensch bin.“ Bei dem Pop-Konzert hätte er den Leuten, die da vor der Kasse Schlange standen die Enttäuschung einer Konzertabsage ersparen wollen. Für den überschuldeten Angeklagten wäre eine Absage ein noch größeres finanzielles Desaster gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren