Füchse werden in einigen Gärten der Villinger Südstadt liebevoll umsorgt: Dass dies ein Fehler ist, machen gleich drei Attacken eines "verhaltensauffälligen Tieres", so die Einschätzung des Landratsamtes, deutlich. Der Fuchs biss in der vergangenen Woche drei Personen, nun ist das Kreisjagdamt aktiv und lässt in der Südstadt eine Falle aufstellen, um das Tier zu fangen.

Es kommt vor, dass die Stadtfüchse in einigen Wohngebieten, wie der Südstadt, ihre Nahrung nicht nur auf dem Kompost holen, sondern dass ihnen sogar eine Schüssel mit Katzenfutter bereitgestellt wird. Das macht sie zutraulich, doch nun ist ein Exemplar unterwegs, dass selbst auf Menschen, die das Tier nie fütterten, aggressiv reagiert. Woran das liegt, ist völlig offen.

Spielt Tollwut eine Rolle?

Warum das Tier zubeiße, stehe derzeit noch nicht fest, erklärt Kristina Diffring, Sprecherin des Landratsamtes. Voraussichtlich habe sich der Fuchs so sehr an die Nähe des Menschen gewöhnt, dass er keine Scheu mehr besitze und deswegen bei Bewegungen zupacke.

Das Vorliegen von Tollwut bei dem Tier sei unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Durch eine Krankheit hervorgerufene Veränderungen des Verhaltens seien nicht auszuschließen. Eine Untersuchung des Tieres wird darüber Auskünfte geben können.

Der Fuchs wirkte zahm, nun ist aber ein Tier aufgetaucht, das drei Menschen biss.
Der Fuchs wirkte zahm, nun ist aber ein Tier aufgetaucht, das drei Menschen biss. | Bild: Leserreporter

Doch bisher hat der Fallenaufsteller, der eng mit einem Jäger zusammenarbeitet, den Problemfuchs noch nicht. Der Fachmann platziere eine Lebendfalle und kontrolliere sie täglich. Zwei Füchse wurden bereits gefangen, sie werden getötet, berichtet Diffring, und dann an das chemische und Veterinäruntersuchungsamt nach Freiburg geschickt.

Dort werden die Kadaver auf Krankheiten und Auffälligkeiten untersucht. Der „richtige“ Fuchs sei bisher nicht dabei gewesen, was deutlich wurde, als es zum dritten, bisher letzten Angriff kam. Wo genau das Tier attackiere, konnte Diffring nicht sagen. Es muss sich aber um einen eng begrenzten Bereich von etwa 100 Meter handeln.

Gutes Nahrungsangebot

Seitdem das Landratsamt diesen Aufgabenbereich übernommen hat, ist das städtische Forstamt nicht mehr zuständig. Amtsleiter Tobias Kühn kennt aber das Problem, wird er doch von den Betroffenen oft als Erster angerufen. Er unterscheidet zwischen "Stadt- und Waldfüchsen" sowie einer kleinen Mischpopulation am Waldgebiet Laible, aus denen Tiere in die Stadt einwandern können.

Waldfüchse ernähren sich zu 90 Prozent von Mäusen, die Stadtfüchse zwar auch von Mäusen und Ratten, aber vor allem auch von Essensresten, die auf dem Kompost landen, und anderen Abfällen oder sie würden eben gefüttert. Daher geht Kühn von einem ganz und gar "von Menschen gemachten Problem" aus.

Wie zutraulich Füchse in Villingen geworden sind, zeigt ein Bild eines Leserreporters vom September 2017.
Wie zutraulich Füchse in Villingen geworden sind, zeigt ein Bild eines Leserreporters vom September 2017.

Der Forstamtsleiter und seine Mitarbeiter können einschreiten, wenn sie von einer Fütterung von Wildtieren erfahren. Die ist in der Stadt VS verboten, was auch Enten und Tauben betrifft. Doch hier Bußgelder auszusprechen, ist nicht immer einfach, wie Kühn deutlich macht. So erhielt er aus der Südstadt einen Anruf, dass ein Nachbar einen Fuchs füttere.

Der aufmerksame Anrufer wollte wegen des Nachbarschaftsfriedens nicht selbst als Zeuge auftreten, was für einen Bußgeldbescheid gereicht hätte, Kühn solle sich doch selbst "zwischen 5 und 5.30 Uhr morgens" auf die Lauer legen.

Füchse seien territorial gebundene Tiere, seien sie einmal heimisch geworden, sei es nicht einfach, sie wieder loszuwerden, vor allem weil sie in der Stadt auch schnell sichere Bauten fänden, beispielsweise unter Garagen.

Forstamsleiter Tobias Kühn.
Forstamsleiter Tobias Kühn. | Bild: Sprich, Roland

Über die Ursache der Attacken kann Kühn ebenfalls nur spekulieren. Zum letzten Tollwutausbruch im Land kam es 2002/2003 im Raum Heidelberg. Danach startete das Land eine groß angelegte Immunisierungsaktion. Die jetzige Fuchsgeneration ist also größtenteils nicht mehr immun, allerdings habe Kühn von keinem Tollwutfall mehr gehört.

Den müssten infizierte Tiere aus einer Tollwutregion wie Nordafrika oder Osteuropa eingeschleppt haben. Solange dies nicht zweifelsfrei festgestellt werde, was nur durch eine Untersuchung möglich sei, rät Kühn, nach einem Biss sofort einen Arzt aufzusuchen.

Was Bürger gegen die Verbreitung von Stadtfüchsen in ihrem Wohngebiet tun können

  1. Welche Vorsichtsmaßnahmen sollen Hausbesitzer oder Mieter ergreifen? Hausbewohner sollten Füchse in ihren Gärten nicht füttern, betont die Sprecherin des Landratsamts. Oft würden Füchse mit Katzenfutter oder ähnlichem versorgt. Des Weiteren sollten alle verfügbaren Nahrungsquellen (Speisereste und mehr) entfernt und Mülltonnen verschlossen werden. Findet der Fuchs im Garten leicht Nahrung, gewöhnt er sich schnell an den Menschen. Sollten man einem Fuchs begegnen, gilt es zunächst einmal Ruhe zu bewahren. In der Regel wird der Fuchs die Nähe zum Menschen meiden. Sollte ein Fuchs doch einmal zubeißen, sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden.
  2. Wie viele solcher Stadtfüchse gibt es in VS, ist die Südstadt besonders betroffen? Als Kulturfolger hat sich der Fuchs an den Menschen angepasst und bewohnt Städte. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es inzwischen immer mehr Füchse im Siedlungsraum. Wie viele genau es seien kann niemand sagen, so die Sprecherin Kristina Diffring. Die Beschwerden und Probleme, die mit dem Thema Fuchs einhergehen, nähmen in den vergangenen Jahren jedoch zu. Ansprechpartner bei der Kreisverwaltung sind hier die untere Jagdbehörde in Donaueschingen (Telefon 07721/913 5200) und der Wildtierbeauftragte.
  3. Welcher Fehler macht der Mensch? "Es sind Wildtiere, und das bleiben sie auch, selbst wenn sie zutraulich werden", betont Villingen-Schwenningens Forstamtsleiter Tobias Kühn. Sollte der Fuchs nicht krank sein, könnte auch eine ganz andere Ursache eine Rolle für die Attacken spielen. Das Tier habe sich an die Essensrationen gewöhnt und die fordere es ein, indem es zubeiße – ähnlich wie ein verzogener Hund. Das Nahrungsangebot zu verknappen, dazu gehöre auch, nicht einfach Essensreste in das Gebüsch zu werfen, sei das beste Mittel, dem Problem Herr zu werden.