Als Thomas Konegen am 25. September 1966 oben am Warenberg in seine Seifenkiste mit der Nummer 22 steigt, hat er bereits einige Probefahrten hinter sich. Sein Onkel hatte ihm in den Wochen zuvor noch Tipps zur Technik gegeben. Welche Kurven er wie anfahren müsse, um keinen Schwung zu verlieren. Das Seifenkistenrennen in Villingen war durchaus eine ernste Angelegenheit. Der Sieger durfte bei den Deutschen Meisterschaften der Siefenkistenfahrer im Jahr darauf in Duisburg an den Start gehen.

Thomas Konegen wartet 1966 also auf den Start. Seine Seifenkiste wird wie alle anderen, von einem Holzbrett gebremst. Geht das Brett runter, geht das Rennen los. Fehlstarts sind unmöglich. Konegen versucht noch, sich zu erinnern, was er bei den Proberennen gelernt hat, dann geht das Brett runter und er rast nur noch den Berg runter. Er denkt nicht mehr an Kurventechniken. Er denkt nur noch: "Gucken, klein machen und schauen, dass du gescheit lenkst."

Thomas Konegen heute in seinem Garten, an der gleichen Stelle, an der er vor 52 Jahren in seiner Seifenkiste saß. Bild: Anja Greiner
Thomas Konegen heute in seinem Garten, an der gleichen Stelle, an der er vor 52 Jahren in seiner Seifenkiste saß. Bild: Anja Greiner | Bild: Greiner, Anja

Zwölf Jahre war er damals alt. Heute, über 50 Jahre später, sitzt er in der Küche seines Hauses im Haslach, kramt nach dem alten Zeitungsausschnitt und sagt: "Ich war damals so aufgeregt." Er erinnert sich nicht mehr an alles. Wo die Seifenkiste abgeblieben ist, zum Beispiel, kann er sich heute nicht mehr erklären. "Wahrscheinlich hatten wir einfach keinen Platz, um sie aufzubewahren." Sein Vater hatte damals als Schreiner bei der Firma Hölzle gearbeitet, die Seifenkiste wurde von der Firma gesponsort, das Fahrgestell wurde von Opel Mauch gestellt. "Alleine hätten wir uns das nicht leisten können", sagt Konegen. Die meisten großen Firmen in Villingen hatten damals je eine Seifenkiste gesponsort. Logo-Aufdruck inklusive.

Auch der SÜDKURIER berichtete damals über das Ereignis unter der Überschrift "Hölzerne Rennwagen sausten mit über 40 Stundenkilometern ins Ziel". 14 Jungs waren demnach damals am Start und rund 1000 Zuschauer wollten sich das Rennen nicht entgehen lassen. Auf der 350 Meter langen Strecke erreichten die Fahrer Spitzengeschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern. Gewonnen hat am Ende Herbert Lauble, mit 1,7 Sekunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten.

Auch der SÜDKURIER berichtete im September 1966 über das Seifenkistenrennen am Warenberg. Thomas Konegen ist auf dem unteren Bild zu sehen, als er im Zieleinlauf einen kleinen Unfall hatte.
Auch der SÜDKURIER berichtete im September 1966 über das Seifenkistenrennen am Warenberg. Thomas Konegen ist auf dem unteren Bild zu sehen, als er im Zieleinlauf einen kleinen Unfall hatte. | Bild: Greiner, Anja

Ein paar Dinge sind Konegen dann doch noch im Gedächtnis geblieben, zum Beispiel, dass sein Freund ihm in der Zieleinfahrt noch in die Kiste gefahren ist. Mit dieser Aktion hatte er es sogar in den Artikel über das Rennen geschafft. Veranstalter des Seifenkistenrennens war die Katholische Jugend. Gemeinsam mit Helfern des Technischen Hilfswerks, den Maltesern, der Jugendfeuerwehr, der Landespolizei und der DJK hatten sich nach zehnjähriger Pause wieder ein solches Rennen organisiert. Es war nicht das Letzte. Im Jahr darauf, 1967, fand noch ein Weiteres statt. Auch da war Thomas Konegen wieder am Start.

Auf welchem Platz er damals bei den beiden Rennen ins Ziel einfuhr, weiß Thomas Konegen nicht mehr. "Gewonnen", sagt er, "hab ich nicht, aber happy war ich trotzdem".