VS-Tannheim – Einmal gegen Torhüter Jens Grahl oder Benjamin Uphoff einen Ball im Tor versenken, gegen Stürmer Simon Terrode einen Zweikampf gewinnen oder im Tor einen Ball von WM-Teilnehmer Kevin Großkreutz halten – Patienten der Nachsorgeklinik in Tannheim konnten dies gestern nach Lust und Laune probieren. Die Mannschaft des Fußballvereins VfB Stuttgart stattete der Nachsorgeklinik am Dienstag einen Besuch ab. Und neben reichlich Fotos und Autogrammen gab es natürlich ein gemeinsames Spiel mit den Profis.

Zwischen der Nachsorgeklinik und dem VfB Stuttgart besteht seit rund 25 Jahren eine enge Verbindung. Nicht nur, dass der Fußballverein, der in dieser Saison in der zweiten Fußballbundesliga spielt, die Patenschaft für das sogenannte VfB-Haus übernommen hat. Regelmäßig veranstaltet der VfB Spendenaktionen und hat der Nachsorgeklinik seither mehr als eine halbe Million an Spendengeldern zur Verfügung stellen können. Und die Kicker des jeweils aktuellen Kaders lassen es sich nicht nehmen, einmal pro Saison den Patienten einen Besuch abzustatten.

Einer, der die Klinik bereits von früheren Besuchen kennt, ist Christian Gentner. „Es ist für mich jedes Mal genial, wie stark die Kinder sind und wie sie mit ihrer Krankheit umgehen“, zieht der Mittelfeldspieler seinen Hut vor den krebs-, herz- und mukoviszidosekranken Patienten. Er freue sich auf die Besuche in Tannheim. Auch deshalb, „weil es uns die Kinder leicht machen. Die Nervosität, die einige von uns haben zu Beginn, wie sie wohl mit den Kindern umgehen sollen, sind nach fünf Minuten weg.

“ Denn wenn die jungen und jugendlichen Patienten mit gezücktem Block, T-Shirt oder Fotoalbum vor ihnen stehen und nach einem Autogramm fragen, vergessen diese für ein paar Augenblicke ihre Krankheit.

Zum ersten Mal in Tannheim war Kevin Großkreutz. Der VfB-Neuzugang, der 2014 mit der Nationalelf in Brasilien Weltmeister wurde, ohne dass er eingesetzt wurde, zeigte sich angetan von der Einrichtung und den Patienten. „Es ist sehr schön zu sehen, wie die Patienten hier neue Kraft tanken können. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie weiter so tapfer sind.“ Für manche Eltern, die ihre Kinder auf der Reha begleiten, war der Termin ein echtes Traumerlebnis. „Ich bin VfB-Fan, aber so nah bin ich den Spielern noch nie gekommen“, freute sich Tobias Rundel aus Friedrichshafen.

Während die Spieler von den Patienten und den Angehörigen dicht umlagert wurden und sich gerne mit den Kindern fotografieren ließen, wollte Thomas Müller, kaufmännischer Leiter der Nachsorgeklinik, von Trainer Jos Luhukay wissen, wie es fußballerisch für den Verein weitergeht. „Wir hoffen, dass wir die Favoritenrolle umsetzen können und nächstes Jahr wieder in die erste Bundesliga aufsteigen können“, so der Trainer in seinem Statement.

Anschließend weihten Trainer Jos Luhukay, Christian Gentner und Simon Terrode einen neuen Therapie- und Behandlungsraum ein. Der neu gestaltete Raum, in dem Ultraschalluntersuchungen gemacht werden, ist ganz im VfB-Stil gehalten. Der dunkelrote Brustring ziert die Wand, an der zudem große Wimmelbildposter hängen. An der Tür wacht Maskottchen Fritzle über die Untersuchung. „Wenn die Patienten hier liegen und sich die Poster beschauen, vergessen sie ganz, dass hier eine Untersuchung gemacht wird“, sagte der Mediziner Jochen Weil.

Prominente Gäste

Nicht nur der VfB Stuttgart gehört zu den prominenten Gästen in der Nachsorgeklinik in Tannheim. Immer wieder überzeugen sich prominente Persönlichkeiten von der wichtigen Arbeit der Nachsorgeklinik. Zu den Prominenten der jüngeren Vergangenheit gehören unter anderem Puppen-Comedian Sascha Grammel, die Sänger von Voxx-Club, die Radiomoderatoren Michael Wirbitzky und Sascha Zeus und die Ehefrau des Ministerpräsidenten, Gerlinde Kretschmann. (spr)