Mit der Kündigung des Feuerwehrkommandaten Ben Bockemühl wurde auch die Diskussion laut, ob Villingen-Schwenningen, um attraktiver zu sein und Fachkräfte halten zu können, nicht vielleicht eine Berufsfeuerwehr brauche. Für Ralf Hofmann, Feuerwehrkommandant in Villingen und seitdem die Stelle des Gesamtkommandanten frei ist, auch für die gesamte Wehr mit derzeit 420 ehrenamtlichen Kräften hauptverantwortlich, sagt: "Der größte Nachteil einer hauptamtlichen Wache ist, sie kostet Geld." Viel Geld. "Wenn die Wache 24 Stunden besetzt sein soll, braucht man mindestens 80 Mann. Allein die Personalkosten sind da ein Millionenbetrag." Und dann bräuchte man immer noch Freiwillige.

Rund 700 Einsätze hat die VS-Feuerwehr derzeit im Jahr. "Bis jetzt", sagt Hofmann, "können wir es noch gut stemmen." Eine Berufsfeuerwehr sei also nicht nötig. Dennoch könnte man die Feuerwehr attraktiver gestalten. Ben Bockemühl sei schließlich nicht gegangen, weil es mit den Freiwilligen nicht geklappt habe, sagt Hofmann. "Er hat einen besser bezahlten Job als Amtsleiter bekommen." Vielleicht müsste die Stadt überlegen, die Stelle des Kommandanten "auch als Amtsleiterposten auszuschreiben." Am heutigen Freitag endet die Bewerbungsfrist für die Stelle des Feuerwehrkommandanten. 16 Bewerbungen sind laut Pressesprecherin Oxana Brunner eingegangen.

  • Marina Kloiber-Jung: Aus Sicht der Leiterin der Technischen Dienste, Marina Kloiber-Jung, steht es um den Zustand der Feuerwehr in der Doppelstadt nicht immer zum allerbesten. "Ich finde schon, dass, aus organisatorischer Sicht, einiges nicht zu passen scheint." Das merke man allein daran, dass die Stelle des Kommandanten schon wieder frei sei. "Das Ziel muss sein, hier eine adäquate Lösung zu finden." Wie diese aussehen soll, dafür hat sie noch keine endgültige Antwort. "Die Aufgaben der Feuerwehr haben sich sicher gewandelt, heute wird sie nicht mehr nur zu Bränden gerufen." Darum müsse man sich auch ganz ehrlich und ungeschönt den Bedarf für eine Stadt dieser Größe ansehen und danach handeln. "Eine Berufsfeuerwehr", sagt sie, "wäre auf jeden Fall eine Option". Man müsse nur eben die Vor- und Nachteile abwägen. Und, sagt sie ganz deutlich, auf die Ehrenamtlichen könne man auf keinen Fall verzichten.
  • GeatanoCristilli: Wenn es nach dem Fitnessstudio-Betreiber Geatano Cristilli geht, sind die größten Fehler beim Thema Feuerwehr in der Doppelstadt schon vor einigen Jahren gemacht worden. Dann nämlich, als man in Schwenningen ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut hat. "Ideal wäre aus meiner Sicht", sagt er, "eine hauptamtliche Feuerwehr im Zentralbereich". Eine Feuerwehr für Villingen-Schwenningen, nicht zwei, das wäre sein Ziel gewesen. Mit professionellen und ehrenamtlichen Einsatzkräften. "Damit hätte man auch viel Geld gespart." Jetzt ist es anders. "Meine Idee ist hinfällig", sagt er. "Auch in Villingen wird ja jetzt noch ein eigenes Gerätehaus geplant."
  • Jörg Röber: Als OB-Referent hat Jörg Röber die Probleme in der Feuerwehr der Doppelstadt wohl so nah mitbekommen, wie kaum ein anderer. "Wir haben einen Kommandanten verloren, der hoch anerkannt war. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig, aber vielleicht ist einer auch, dass die Feuerwehr in VS nicht attraktiv genug ist." Eine Berufsfeuerwehr sieht er im Moment aber nicht als die Lösung an. "Zwischen den beiden Polen Berufsfeuerwehr und Freiwillige gibt es noch unglaublich viele Möglichkeiten." Aktuell trage das Ehrenamt die Hauptlast. Eine Überlegung wäre es daher, die Ehrenamtlichen durch kleinere Änderungen in der Organisation zu entlasten. Ob das über mehr hauptamtliche Kräfte funktionieren muss, oder auch anders geht, das sei dahingestellt. Fest stehe aber: "Das alles kann nur im Dialog mit den Verantwortlichen stattfinden."
  • Jürgen Roth: Für den Tuninger Bürgermeister steht in Sachen Feuerwehr fest: "Zu einer Berufsfeuerwehr sage ich definitiv Nein". Dafür funktioniere die Freiwillige Feuerwehr in VS zu gut. "Es gibt genug Ehrenamtliche, die die Arbeit sehr gut machen." Die Feuerwehr um einige hauptamtliche Kräfte aufzustocken, sei jedoch keine undenkbare Option. Dann nämlich, wenn die Zugriffszeiten, also das Eintreffen am Einsatzort, nicht innerhalb der vorgesehenen Fristen möglich ist. "Als Oberbürgermeister muss ich die Einsatzzeiten sicherstellen. Schaffe ich das mit den Freiwilligen, dann ist das gut. Wenn nicht, dann brauche ich die Unterstützung durch Hauptamtliche." Das müsse aber im Einzelfall und in Absprache mit den zuständigen Kommandanten geprüft werden. Ortsteil für Ortsteil und auch Stadtbezirk für Stadtbezirk.