Möglicherweise muss die Stadt Villingen-Schwenningen für das frühere Kasernengelände Mangin deutlich tiefer in die Tasche greifen als ursprünglich gedacht. Einer der Gründe: Die Immobilienpreise im Marktumfeld ziehen deutlich an. Das Areal, das jetzt Oberer Brühl heißt, befindet sich im Besitz des deutschen Staates. Für ihn verkauft die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) das Gelände, die Kommune hat ein Erstzugriffsrecht. Auf dem Mangin-Gelände sollen rund 400 Wohnungen, unter anderem Sozialwohnungen, entstehen. Außerdem ist geplant, hier ein Großteil der städtischen Verwaltung zu konzentrieren.

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Bisher ging die Stadtverwaltung davon aus, 5,16 Millionen Euro für den Bereich ausgeben zu müssen. Diese Zahl wird sich nicht halten lassen. Da der Bodenwert an dieser Stelle nun auf 80 Euro pro Quadratmeter hochschnellte, befürchtet Oberbürgermeister Jürgen Roth, dass die Stadt bis zu 3,92 Millionen mehr berappen muss. Hinzukommen knapp über eine Million Euro Nebenkosten, die bisher nicht berücksichtigt waren. Damit dürfte der Gesamtpreis auf knapp über zehn Millionen Euro steigen. Das steht im Nachtragshaushalt, der erstmals am heutigen Dienstag im Technischen Ausschuss beraten wird. Beginn der öffentlichen Sitzung ist 17.30 Uhr im Matthäus-Hummel-Saal.

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Doch hat eine befürchtete Verdoppelung des Kaufpreises nun Auswirkungen auf das Gesamtprojekt? Erst einmal nicht – darüber sind sich die Fraktionen im Gemeinderat einig. „Wir wollen das Gelände ja kaufen“, betont auf Anfrage CDU-Sprecherin Renate Breuning. Noch handele es sich um zwar „erschreckende Zahlen“, die aber nur im schlimmsten Fall eintreffen. „Wir hoffen, dass es besser wird.“ Grundsätzlich kritisiert sie ein fehlendes Entgegenkommen des Bundes als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, der die Stadt Villingen einst das Gelände sogar kostenlos überließ.

Finale Wirtschaftlichkeitsrechnung steht aus

Ob der gestiegene Kaufpreis Auswirkungen auf die Zusammenführung eines Großteils der städtischen Verwaltung auf dem Gelände hat, ist offen. „Wir warten auf die endgültige Wirtschaftlichkeitsberechnung der Stadt“, sagt Freie Wähler-Fraktionssprecher Andreas Flöß. Benötigt werde „eine sinnvolle Zusammenführung“, meint er, auch weitere Einrichtungen wie die Musikakademie oder die Volkshochschule könnten an dieser Stelle angesiedelt werden, die volle Umsetzung des alten Planes „auf Biegen und Brechen“ müsse so nicht erfolgen. Möglich sei auch, dass nur ein Teil der Verwaltung angesiedelt werde. Ähnlich sieht es SPD-Sprecher Edgar Schurr. Sollte für eine Schule oder einen Kindergarten höhere Förderungen erzielt werden, werde sich der neue Gemeinderat mit dem Thema befassen. Oberbürgermeister Roth hatte die Ämteransiedlung bisher von der Wirtschaftlichkeit und einer Bürgerbefragung abhängig gemacht.

Von Ende Mai bis Juli keine Sitzungen

Für die Umsetzung der ursprünglichen Idee, einen neuen Ämterstandort zu schaffen, setzt sich der Grünen-Sprecher Joachim von Mirbach ein. Er sehe die Punkte des Nachtragshaushaltes in keinem Zusammenhang mit dem Projekt. Die Stadtverwaltung sichere sich ab, da nach der Wahl des neuen Gemeinderats am 26. Mai bis zu dessen Konstituierung im Juli keine Sitzungen mehr stattfinden, die Arbeit aber weiterlaufen müsse. Er halte an der Verwaltungszusammenführung fest, bei über einer Million Euro an Mieten, die die Stadt jährlich für ihre verschiedenen Standorte bezahle. FDP-Fraktionssprecher Frank Bonath hebt hervor, dass „wir attraktive Arbeitsplätze für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung brauchen.“ Wenn die nicht auf Mangin geschaffen werden, stellte sich die Frage, „welche Alternative wir haben.“

1,7 Millionen für französische Schule

Neben Mangin will die Stadt auch die ehemalige französische Schule an der Dattenbergstraße kaufen. Dort könnte die Volkshochschule untergebracht werden. Der Gutachterausschuss errechnete einen Preis von 1,9 Millionen Euro, der um 350 000 Euro verbilligt werde – mit den Nebenkosten müsste die Stadt 1,7 Millionen berappen. Falls es dazu kommt, könnte der Parkplatz der Schule für die Anwohner vorübergehend geöffnet werden, da die Parksituation in dem Wohngebiet sehr angespannt ist, schlug SPD-Sprecher Schurr vor.