Aus Anlass der momentan stattfindenden International Orange Days, während denen verschiedene Aktionen auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen sollen, ist in Villingen-Schwenningen ein interaktives Kunstprojekt entstanden. Die Künstlerin Marja Scholten-Reniers hat sich eine Symbolik ausgedacht, die nicht auf Betroffenheit setzen will und Frauen aus der Opferrolle holt: Ein Punchingball und die zugehörigen Boxhandschuhe werden zum Symbol für die Zurückeroberung der Selbstbestimmtheit, des Mutes und allem, was durch die Gewalterfahrung verloren gegangen ist.

Selbstbestimmtheit zurückerobern

Die gebürtige Niederländerin Marja Scholten-Reniers ist vielen Doppelstädtern bereits durch die Installation mit den Melkschemeln ein Begriff, die auf der Empore im Franziskanermuseum unter dem Titel „Mein Platz in Villingen-Schwenningen„ ein multikulturelles VS symbolisieren. Viele weitere Arbeiten der Künstlerin seien in den vergangenen Jahren bereits im Franziskanermuseum ausgestellt gewesen, so Museumsleiterin Anita Auer.

Durch Gewalt Verlorenes festgehalten

Im aktuellen Projekt unter dem Titel „Es gibt viel zu verlieren“ waren die teilnehmenden Frauen – alles Kunstlaien – dazu aufgefordert, durch Gewalt Verlorenes festzuhalten. Die Texte und Symbole wurden dann in weißer Schrift auf orangefarbenen Stoff gestickt und zu einem Überzug für den Punchingball gefertigt. Alle Beteiligten waren begeistert von der Aktion.

Frauen kämpfen oft im Beruf

Die Wahl des Standortes im Franziskanermuseum ist kein Zufall. Museumsleiterin Anita Auer erklärt: „Die Installation steht in der Abteilung Mensch, Arbeit, Technik, da Frauen gerade im Berufsleben sehr oft sicht- und unsichtbare Kämpfe auszutragen haben.“ Kunsthistorikerin und Initiatorin des Projekts, Anja Rudolf vom Frauen-Serviceclub Soroptimist International, zeigte sich „glücklich, dass wir hier sein dürfen“. Sowohl eine künstlerische Idee, als auch ein Laienprojekt habe das Franziskanermuseum damit beheimatet.

Nicht nur Betroffenheit darstellen

Die Initiatorinnen haben bereits mehrere Anfragen von weiteren Ausstellungsorten für das Projekt erhalten und Anja Rudolf ist sich sicher: „Das liegt auch daran, dass hier nicht Betroffenheit dargestellt wird“. Museumsleiterin Anita Auer ergänzt: „Das ist ein anderer Ansatz der intellektuellen, aber auch körperlichen interaktiven Auseinandersetzung.“

Ausstellung zieht weiter

Die Projektergebnisse sind noch bis einschließlich Montag, 9. Dezember, im Erdgeschoss des Museums zu besichtigen. Der Eintritt ist frei. Danach zieht die Ausstellung weiter in das Betriebsrestaurant von Aesculap, ab dem 19. Dezember ist die Installation in der Rottweiler Pilgerkirche aufgebaut.