Von Corona haben sie sich nicht abschrecken lassen und sind der Einladung des Frauenforums VS zur Veranstaltung „Frauen in Bewegung“ anlässlich des Weltfrauentags gefolgt: etwa 80 Teilnehmerinnen, vom Kindergartenkind bis zur hochbetagten Dame. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg“ resümiert Heike Burkard, Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Villingen-Schwenningen.

Seit 1921 wird der internationale Weltfrauentag am 8. März begangen. Aus diesem Anlass fand dieses Jahr im Jugend- und Kulturzentrum K3 ein Frauenfest statt. Nachmittags luden drei Tanzworkshops in HipHop, Line Dance und Zumba zum Mitmachen ein. Bei der anschließenden Tanzparty herrschte Discostimmung bis in den späten Abend hinein. Infostände und die anwesenden Vertreterinnen der Mitgliedsorganisationen boten außerdem Gelegenheit, sich über Unterstützungsangebote zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen und das eigene Netzwerk zu erweitern.

Ina Rubertus, die den Hip Hop-Tanzworkshop leitete, rief den Frauen und Mädchen auf der Tanzfläche zu: „Meiner Meinung nach sollte jeder Tag ein Weltfrauentag sein!“. Auch von den Besucherinnen und ausstellenden Institutionen wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es das ganze Jahr über eine gesellschaftliche und politische Aufgabe ist, die private und berufliche Chancengleichheit von Männern und Frauen voranzutreiben:

Betriebsrätin Annette Ganter etwa ist der Meinung, dass die Arbeitgeber gerechter mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen sollten. Ihrer Beobachtung nach würden Frauen im Beruf immer noch nicht so respektiert und gefördert wie die männlichen Kollegen. Anja Zeitz vom DGB erinnert auch an die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen und fordert daher „gleiche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit“ einerseits, andererseits aber auch eine bessere Bezahlung der vermeintlichen „Frauenberufe“, wie Pflege oder Betreuung.

Christina Knöbel von ProFamilia sieht in ihrer Berufspraxis vor allem eine große Benachteiligung von Alleinerziehenden. „Viele würden gerne beruflich mehr machen, um finanziell unabhängig zu sein. Das ist aber häufig wegen fehlender Kinderbetreuung und schlechter Bezahlung kaum möglich.“ Sie wünscht sich für diese Bevölkerungsgruppe mehr gesellschaftliche Anerkennung ihrer Situation. Auch Andrea Bender, die vom Sozialdienst katholischer Frauen Beratungen für alleinerziehende Mütter anbietet, sieht diese Problematik. „Die mangelnden Berufsaussichten haben außerdem auch Einfluss auf die Rente“, gibt sie zu bedenken.

„Die Politik muss insgesamt das Problem der Altersarmut bei Frauen realisieren und entsprechend handeln“, meint Betriebsrätin Flora Martinez. Anita Neidhardt-März von der Diakonie appelliert an die Frauen selbst, die erkennen müssten, dass ein Mann ohnehin keine Altersvorsorge sei. „Ich wünsche mir Frauen mit dem Mut, für sich selbst einzustehen.“

Organisatorin Heike Burkard findet daher solche Veranstaltungen wie das Frauenfest enorm wichtig. Ihrer Erfahrung nach müssten Frauen oftmals erst aus der Reserve gelockt und motiviert werden, damit sie sich engagieren und einbringen. „Je mehr mitmachen, desto mehr kann man bewegen“, sagt sie und meint damit auch das konkrete politische Engagement: „Es müssen mehr Frauen in politische Gremien und Ämter kommen, denn dort wird ja alles entschieden.“

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