Szene aus einem Konzert des Villinger Folkclubs in der „Scheuer“, hier mit der französischen Band Ill River. Im ersten Halbjahr 2019 wird der Club in der „Scheuer“ keine Konzerte veranstalten.
Szene aus einem Konzert des Villinger Folkclubs in der „Scheuer“, hier mit der französischen Band Ill River. Im ersten Halbjahr 2019 wird der Club in der „Scheuer“ keine Konzerte veranstalten. | Bild: Anja Bronner

Der Folkclub, seit 1976 in Stadt und Region geschätzter Veranstalter von Konzerten und Kleinkunst-Veranstaltungen, wird zumindest für das erste Halbjahr 2019 eine Programm-Auszeit nehmen. Dass es sich dabei um eine Zwangspause aufgrund der Lärmproblematik mit der Nachbarschaft des Kulturzentrums "Scheuer" handelt, verdeutlichte Richard Hehn, Vorstandsmitglied des Clubs. Allerdings gibt es Gespräche mit der Stadt, wie es weiter gehen könnte. Kulturamtsleiter Dobmeier hat dem Club jetzt angeboten, vier bis fünf Konzerte pro Jahr im kleinen Saal des Theaters zu veranstalten.

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Gleichwohl wird es im ersten Halbjahr 2019 wohl keine Konzerte des Clubs geben. Und ob im zweiten Halbjahr noch etwas stattfindet, versieht Richard Hehn mit einem größeren Fragezeichen. Fakt ist: Der Verein hat aufgrund seiner ungeklärten Zukunft keine Programmplanung für 2019 vorgenommen. "Wir sind die Flickschusterei leid. Eine tragfähige Lösung muss her", fordert er. Vor rund 14 Tagen fand nun ein weiteres Gespräch statt zwischen dem Folkclub und der Stadtverwaltung, dieses Mal unter Federführung des Kulturamtsleiters Andreas Dobmeier. Dieser berichtete gegenüber dem SÜDKURIER, er habe er dem Club den kleinen Saal des Theaters am Ring für mehrere Konzerte angeboten. Vereinbart wurde auch eine Testveranstaltung. Nun müsse der Club entscheiden, ob und wann er dieses Angebot annehmen. Dobmeier betonte: "Unser Angebot gilt unbefristet!"

Er stellte bei dieser Gelegenheit auch klar, dass es nicht möglich sei, in der Scheuer zehn Konzerte im Jahr zu veranstalten, die die Lärmschutzgrenze nach 22 Uhr überschreiten. Damit wies er die Aussage von OB-Kandidat Jürgen Roth zurück, der unlängst im Wahlkampf auf zehn Ausnahme-Möglichkeiten hingewiesen hatte. Im Falle "Scheuer", so differenzierte Dobmeier, seien die gemessenen Lärm-Emissionen bei der Nachbarschaft allerdings derart hoch gewesen, dass ein Ausnahmetatbestand nicht in Frage komme.

Dem Kulturamtsleiter ist gleichwohl bewusst, dass eine Ausweichlösung im Theater keine Dauerlösung für den Folkclub sein wird. Eine dauerhafte Lösung böte aber der Umbau des Jugendhauses in der Kalkofenstraße, das räumlich unmittelbar mit der "Scheuer" verbunden ist. Die Stadt erwägt daher, das Jugendhaus umzubauen, damit es auch für kleinere bis mittelgroße Konzerte genutzt werden kann. Denn das Jugendhaus hat im Unterschied zur "Scheuer" genügend Abstand zum Nachbargebäude, sodass sich hier die Lärmproblematik nicht in dieser Weise stellt. Die Stadtverwaltung will daher nächstes Jahr 150 000 Euro bereitstellen, um den Umbau des Hauses zu planen. Klar ist aber: Das läuft auf eine kostspielige Generalsanierung hinaus.

Richard Hehn.<br /><br />
Richard Hehn.

| Bild: unbekannt

Der Folkclub begrüßt diese Absicht. Allerdings weist Richard Hehn darauf hin, dass diese aufwändigen Umbaupläne Zeit brauchen. Wenn die Stadt nächstes Jahr plane, werde der Umbau frühestens 2020 oder 2021 fertiggestellt. Und auch das Angebot für den Club, kurzfristig ins Theater auszuweichen, hat aus Sicht der Kulturmacher ein paar Schönheitsfehler im Detail. Die Tonanlage im kleinen Saal ist nicht konzerttauglich. Daher wird im technischen Bereich Zusatz-Equipement benötigt, was mit Zusatzkosten verbunden ist. Auf der anderen entfallen dem Club Einnahmen durch die Bewirtung in der Scheuer. Hehn rechnet damit, dass diese technischen Fragen erst Anfang des nächsten Jahres gelöst werden können. Erst dann könne der Club an die Programmplanung gehen. Diese wiederum benötige eine Vorlaufzeit von sechs bis neun Monate. Von daher bleibe abzuwarten, was nächstes Jahr an Veranstaltungen überhaupt noch möglich sei.

Grundsätzlich ist er aber zuversichtlich, dass es mit dem Folkclub weiter gehen wird. Dabei hofft er auch auf den neuen Oberbürgermeister Roth, der dem Club Unterstützung signalisiert hat. "Wir hoffen, dass die Mühlen dann schneller mahlen als bisher." Vorstellbar sei, dass der Club im Frühjahr ein neues Konzept entwerfe, "mit dem wir dann 2020 an den Start gehen".