Es wird ein sehr einfaches Deutsch gesprochen: Fünf Flüchtlinge sitzen am Donnerstagmorgen im Seminarraum der Diakonie in Villingen. Selbst für einen unbeteiligten Beobachter ist es auffällig, wie schwer diese Sprache doch ist. Der Buchstabe "H" in Lehrer ist nur schwer zu hören und wird beim Schreiben deshalb gerne vergessen. "Eis" klingt beim Aussprechen allerdings wie die englische Übersetzung "Ice", wird dennoch völlig anders geschrieben. "Sich beschweren" konjugieren? Für jemanden, der nicht mit der deutschen Sprache aufgewachsen ist, eine Mammutaufgabe.

Von den fünf Flüchtlingen sind zwei schon auffallend gut: Assan und Kalifa haben den Dreh schon fast raus. Problemlos können sie eine Entschuldigung höflich formulieren. "Ich entschuldige mich bei Ihnen", sagt Kalifa fehlerfrei. Seit zwei Jahren lebt er nun in Deutschland, kam zunächst in Blumberg unter und wohnt mittlerweile in Bad Dürrheim. "Für Sprachen habe ich ein Talent", sagt er. Neben den afrikanischen Dialekten aus der Heimat wie etwa Mandinka könne er auch Italienisch und natürlich Englisch, die Amtssprache von Gambia. "In der Heimat war ich Lehrer für Geschichte und Englisch", sagt der 34-Jährige. Assan dagegen ist noch nicht ganz zwei Jahre in Deutschland. Er kam ebenfalls aus Gambia, sei dort Journalist gewesen. "Mit den Deutschkursen ist es nicht einfach. Mit meinen Papieren hat etwas nicht gestimmt, weswegen ich nach fünf Monaten die Klasse nicht mehr besuchen durfte", erzählt Assan. Beide sind sich einig: Sie wollen in Deutschland die Sprache lernen, sich weiterbilden und arbeiten.

Angesprochen auf die jüngsten Vorfälle mit Flüchtlingen in der Villinger Innenstadt, wird die muntere Deutschklasse plötzlich ernst. Auf englisch antwortet Assan: "Keiner von uns kam nach Deutschland mit der Absicht, hier gewalttätig zu werden", sagt er. Die meisten Flüchtlinge haben Respekt vor ihren Mitmenschen, wollen in Frieden leben und sich integrieren. "Wenn wir solche Meldungen lesen, sind wir selbst erschüttert", ergänzt Kalifa. Auch die Lehrerin der Flüchtlingsklasse, Tamara Feller, schaltet sich nun ebenfalls in das Gespräch ein: "Menschen machen Fehler, egal welche Hautfarbe sie haben."

Aus dem Seminarraum wurde innerhalb weniger Sekunden ein politisches Forum. Die Flüchtlinge haben etwas zu sagen, sind in ihrem Redefluss kaum noch zu bremsen. "Wie sollen wir uns integrieren, wenn wir nicht am sozialen Leben teilhaben können und der Zugang zu Bildung und Arbeit erschwert wird?", fragt Assan. Hinzu käme die ständige Angst vor der Abschiebung. "Nachts kann ich oft nicht schlafen. Sobald ich ein Auto höre, schrecke ich hoch und denke, dass die Polizei mich jetzt abholt", sagt er.

Was folgt ist Frustration. "Auch wenn wir nicht arbeiten dürfen, engagieren wir uns als ehrenamtliche Helfer. Darüber wird aber nie berichtet. Erst, wenn etwas Schlimmes passiert, steht es in der Zeitung", sagt Kalifa. Es ginge natürlich auch umgekehrt: An den "Spiderman aus Paris" können sich die Anwesenden gut erinnern, der im Mai ein Kind davor bewahrt hatte, aus dem vierten Stock eines Wohngebäudes zu fallen. "Solche Vorbilder brauchen wir", sagt Assan. "Unser Vorbild hier ist Kalifa", fügt er grinsend hinzu, worauf der Lehrer lachend abwinkt. "Wir sind alles Menschen, wir brauchen nur eine Chance", sagt er.