Am Einlass gab es für alle Besucher eine Schnur und ein kleine Rolle oder Schelle, die sich jeder mit einer Schnur um den Hals binden konnte. Damit waren alle Gäste mental wie hardware-mäßig für das "Rollenschütteln mit Henry und Gunther" ausgestattet. Die beiden Fastnachts-Koryphäen zelebrierten ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum bei der Villinger Kneipenfastnacht mit einem närrischen Brillantfeuerwerke an drei Abenden im "Tabernakel des Rietviertels" (Gunther Schwarz), der Zehntscheuer.

Zu ihrem "Rollele-Schüttele" (Henry Greif) hatten die beiden Altmeister des sprachlichen Hintersinns einige Freunde aus der bunten Szene der Villinger Kneipenfastnachtgruppen eingeladen, die sich für das Gastspiel nicht zweimal bitten ließen. Das zeigt, in welchem Ansehen die beiden närrischen Kabarettisten bei ihren Kollegen stehen. Neidlos lobten die "Vier mit der Leiter" (Anselm Säger, Klaus Richter, Alex Brüderle und Andreas Messmer) Henry und Gunther als die unübertroffene "Meister des Wortwitzes" im Villinger Städtle, wobei sie sich altersbedingt auch Anspielung als "Jurassic Park" oder "Johannes Heesters der Kneipenfastnacht" gefallen lassen musste.

Den Auftritt der beiden Jubilare umkränzten sozusagen die Edelsten der Edlen aus der Szene der Kneipenfastnacht: Neben der Leiter-Truppe die Gesangsakteure "Total verkehrt" (Tommy und Martin Gässler, Barnie Maier und Jürgen Pech), die A-Capella-Combo "Lady Gagack und die Südstadtfüchse" (zu der auch Henry Greif und Gunther Schwarz gehören), die Folkgruppe "Hils Angels" (Michael Hils, Tommy Gässler, Lody van Vlodrob und Kerstin Seidel) und als Solist und Verbal-Akrobat Michael Schonhardt.

Im Mittelpunkt aber Henry und Gunther, die beiden mittlerweile verrenteten, also "endgelagerten" Schulmeister, wie sie sich selbst beschrieben, "zwei Pädagogen, die nicht an der Front gefallen sind". Sie erinnerten sich an ihre närrischen Anfänge zu Zeiten, "als die Winter noch weiß und die Post gelb war" und sie sich mit ihrem Mentor Lambert Hermle über "die drei großen Effs unterhielten: Fußball, Fasnet und Fillingen". In mehreren Einlagen über den Abend verteilt demonstrierten die beiden dann ihre spezielle Auffassung des Rollenschüttelns: Nicht das physische Schütteln der Narrorollen, sondern die Präsentation ihrer Theaterrollen, mit denen sie die Lachmuskeln ihrer Zuschauer seit 30 Jahren durchschütteln. Etwa die legendäre Nummer mit Henry Greif in der Paraderolle des Martin Schmitt mit zwei T, "den Skispringer aus Tannheim, der für den Skiclub aus Furtwangen startet, das in der Nähe von Freiburg liegt".

Unvergessen bei Fastnachtsfreunden ist auch die Nummer aus dem Jahre 2005 mit Henry und Gunther als Umzugsbeobachter im Zeichen der Digitalisierung. Am PC verfolgen und kommentieren sie den Villinger Montagsumzug, der "World-wide-Winteraustreibung". Da wird der Narrovater zum "General de Gaul", der Hölzlekönig zum "alten Talibaum" und das Murbele zur "Mona Lisa der Villinger Fasnet". Dass die Narros alle gleich angezogen sind, erinnert Henry Greif an die "Jakob-Sisters, nur ohne Pudel". Ihre Wortspielereien im Sekundentakt garnieren die beiden mit jeder Menge Verkleidung, Klamauk, Gesang und Gitarre sowie interaktiven Spielchen mit dem Publikum – einfach große Klasse.

Doch auch die eingeladenen Gastgruppen, allesamt seit Jahren Fixsterne der Narretei am Firmament der Villinger Kneipenfasnet, begeistern das Publikum durch die Bank. Sie alle präsentierten ihre Parade-Nummern der vergangenen Jahre, womit der Abend zum "Best of" der Villinger Kneipenfasnet wurde, ein Festspiel des Frohsinns. Einen besseren Start in die Fasnet war für die begeisterten Zuschauer kaum vorstellbar. Eine humorvolle Laudatio auf die beiden närrischen Veteranen hielt Michael Schonhardt. Für ihre Verdienste um die Narretei und das Interesse am Städtle überreichte er ihnen humorvoll jeweils eine Ehrenurkunde – eine zweifellos längst überfällige Maßnahme.