Weil er seine ehemalige Lebensgefährtin in deren Wohnung in Villingen vor einem Jahr unter Vorhalt eines Messers mehrfach vergewaltigt haben soll, muss sich seit Anfang Februar ein 28-jähriger Mann vor dem Landgericht Konstanz verantworten. Am ersten Prozesstag Anfang des Monats wies der 28-Jährige so gut wie alle Anklagevorwürfe weit von sich. Er behauptete, die Frau habe zuerst ein Kontaktverbot gegen ihn erwirkt, ihm aber danach selbst wieder SMS geschickt. Auch habe sie viel getrunken und gestritten. Auch habe sie ihm damit gedroht dafür zu sorgen, dass er zum zweiten Mal abgeschoben würde. Das mit den Vergewaltigungen und dem Messer sei "Schwachsinn".

Am zweiten Prozesstag zeichnete eine Familienhelferin, die die Frau und ihre Kinder seit Jahren betreut, ein ganz anderes Bild vom Angeklagten. Die von ihr betreute Frau habe "unfassbare" Angst vor dem Mann gehabt. Auch habe sie ihr glaubhaft versichert, dass er sie und die Kinder mehrmals misshandelt habe. Sie wisse, dass der Angeklagte der Frau ständig nachgestellt habe und trotz Verbots immer wieder in ihrer Wohnung aufgetaucht sei. Nachdem man die Schlösser ausgetauscht habe, sei er in einem Fall über die Dachrinne in die Wohnung eingedrungen und habe eines der Kinder entführen wollen. Später habe er den Kindern vor der Schule oder dem Kindergarten aufgelauert und ihre Schlüssel an sich genommen. Die Kinder beschrieb sie als verhaltensgestört durch die Gewalterfahrungen mit Männern. Der Frau sei bereits seit längerer Zeit eine Verhaltenstherapie nahegelegt worden. Damit solle sie lernen, sich und die Kinder gegen gewalttätige Männer zu schützen. Vor Jahren hatte die 32-Jährige auch den Vater ihrer Kinder wegen Misshandlung und Vergewaltigung angezeigt.

Die Familienhelferin konnte in ihrer Zeugenaussage auch andere Angaben der 32-Jährigen bestätigen, die der Angeklagte als Lügen bezeichnete. In der Anklage heißt es, zu der mehrfachen Vergewaltigung sei es gekommen, nachdem der Angeklagte sich während der Abwesenheit der Frau in einem Küchenschrank der Wohnung versteckt und ihr aufgelauert habe. Der 28-Jährige behauptet am ersten Prozesstag, es gebe gar keinen solchen Schrank in der Wohnung. Die Familienhelferin berichtete jetzt genau das Gegenteil: "Den Schrank gab es in der Wohnung". Ihr habe die Frau berichtet, der Ex-Freund habe sie während der Vergewaltigungen gezwungen, Wein zu trinken, "um sie gefügig zu machen". Sie selbst habe die 32-Jährige Frau nie betrunken angetroffen, während der Angeklagte gerne getrunken habe. Der Prozess dauert an.