VS-Villingen – Einen Blick in ansonsten verborgene und verschlossene Bereiche und Gebäude zu werfen, das reizt viele Menschen. Der SÜDKURIER ermöglicht seinen Lesern im Rahmen der Aktion „SÜDKURIER öffnet Türen“ regelmäßig, genau diese Neugier zu stillen.

Nach einer Führung im Bickenturm und dem Kaiserturm, durften am Donnerstag 15 Leser an einer Führung durch das alte Gemäuer des Oberen Tores teilnehmen.

Bild: Fröhlich, Jens

Dabei gab es in den insgesamt sechs Obergeschossen viel Interessantes zu sehen, wie zum Beispiel das Keffit, eine historische Gefängniszelle, eine historische Aufzugsvorrichtung, die alten Dachschindeln, die sich nach wie vor unter den neueren Ziegeln befinden, und die vielen spannenden Ausblicke durch Luken und Fenster.

Oberbürgermeister Rupert Kubon und Hansjörg Fehrenbach erklärten viele Details zur langen Turm-Geschichte. Wann der Turm genau erbaut wurde, ist bis heute nicht nachweisbar. Das älteste Datum im Turm wurde anhand der Jahresringe im Holz auf das das Jahr 1494 bestimmt.

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Los ging die Führung vor dem Bauwerk, erst innerhalb, dann außerhalb der Stadtmauer. Hier erführen die Leser, dass das Obere Tor mit exakt 33,76 Metern der höchste Turm in Villingen ist.

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Die Tordurchfahrt ist im Vergleich zu den anderen Türmen sehr groß. Warum das so ist, ist nicht überliefert. Im Torbogen ist die Zahl 1828 eingemeißelt. Diese Zahl ist nicht das Jahr der Erbauung. In diesem Jahr fand vielmehr eine baulichen Veränderung des Oberen Tores statt.

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Für Erheiterung unter den Teilnehmern sorgte OB Kubon mit der Aussage, dass die drei von außen zu sehenden Doppel-Schießscharten nur "Fake-Scharten" gewesen seien, um mögliche Angreifer zu beeindrucken.

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Deutlich wird das bei einem Blick ins Innere. Dort sind die Mauerdurchgänge um ein vielfaches kleiner, als man von außen vermuten würde. Es wird davon ausgegangen, dass hier spätestens ab 1655 keine Kanonen mehr aufgestellt waren.

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Nach dieser Einführung ging es hinein in den Turm. Über das Treppenhaus des seitlich anschließenden Gebäudes, in dem sich Wohnungen und der Ratskeller befinden, erreicht man den heutigen Eingang zum Oberen Tor.

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Ein Warnschild macht Besucher darauf aufmerksam, sich im Turm vorsichtig zu bewegen. Die alten Treppenstufen sind unregelmäßig hoch. Das Gebälk liegt nicht selten in Kopfhöhe.

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1. Obergeschoss

Hinter der Eingangstüre gelangt betritt man den Turm auf einer Treppe zwischen dem zweiten und dritten Geschoss. Das war nicht immer so. Ursprünglich lag der Turmeingang im untersten Geschoss, direkt über dem Torbogen. Dieser Zugang ist heute zugemauert.

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2. Obergeschoss

Hier ist das Keffit untergebracht. Eine enge Gefängniszelle aus massiven Holzbalken.

Bild: Fröhlich, Jens

Im Inneren war es dunkel. Lediglich durch kleine Lüftungsschlitze drang etwas Licht hinein. OB Kubon durfte die Zelle nach seiner Erklärung wieder verlassen.

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Wer sich die Zelle von innen anschauen möchte, muss sich durch die schmale Türe zwängen.

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Der Innenraum ist mit seinen 4,5 Quadratmetern ebenfalls nicht allzu geräumig.

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Viele Insassen haben sich mit Einkerbungen auf den Holzbalken verewigt. Die Inschriften waren für die Historiker wertvolle Hinweise auf die Geschichte.

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3. Obergeschoss

Hier trafen die Teilnehmer auf eine riesige Holzkiste, die nach hinten offen ist. Hier war einst die alte Mechanik für die Turmuhr untergebracht.

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Heute treibt ein kleines unscheinbares elektronisches Uhrwerk die Zeiger direkt hinter dem grünen Ziffernblatt an.

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4. Obergeschoss

Diese Ebene ist leerstehend.

Bild: Fröhlich, Jens

Aus den Fenstern und Luken hat man aber bereits einen tollen Ausblick über die Villinger Innenstadt.

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5. Obergeschoss

Auch hier gibt es kein Inventar zu bestaunen.

Bild: Fröhlich, Jens

Hansjörg Fehrenbach macht die Besucher aber auf die sehr breiten Bodendielen aufmerksam, die hier verbaut sind. Solche Bretter seien heutzutage nur noch schwer zu bekommen.

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Im hinteren Bereich des Raumes ist die Decke offen. Man kann bereits von hier nach oben in das oberste Dachgeschoss blicken.

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6. Obergeschoss

Hier hat man freie Sicht auf das gewaltige Dachgebälk. Dies ist der höchste Punkt, den Besucher erreichen können.

Bild: Fröhlich, Jens

Über wackelige Leitern geht es zwar noch weiter nach oben bis unter die Dachspitze, dieser Aufstieg ist jedoch nur für erfahrene Kletterer erlaubt.

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Neben einer alten Antennenanlage und einem Fahnenmasten springt Besuchern vor allem die historische Aufzugvorrichtung ins Auge. Durch Drehung des Holzstammes konnte man damals schwere Lasten nach oben hieven.

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Von außen nicht sichtbar, liegen unter der neuen Dacheindeckung verborgen noch die alten Holzschindeln.

Bild: Fröhlich, Jens

 

Schauen Sie sich auch unser Video von der Trumbesteigung im Oberen Tor an: