Schon kurz nach 19 Uhr zeichnete sich ab, dass diese Jahreshauptversammlung des Geschichts- und Heimatvereins eine ganz besondere werden sollte, mussten doch zahlreiche Stühle zusätzlich in den Sitzungssaal gebracht werden, damit alle Anwesenden der Versammlung folgen konnten. Grund für den Andrang war eine mit Spannung erwartete Wahl: Ex-OB Rupert Kubon hatte sich bereit erklärt, die Nachfolge von Werner Echle, seit 2015 das Amt des Vorsitzenden innehatte, zu übernehmen.

Die Wahlen

Mit sichtlicher Freude kündigte Werner Echle der Versammlung den Kandidaten für seine Nachfolge an. Ex-OB Rupert Kubon hatte sich bereit erklärt, zu kandidieren und stellte sich mit einer visionären Rede vor. Dabei spannte er den Bogen seiner eigenen Historikerlaufbahn bis hin zur Darstellung eines zeitgemäßen Geschichtsbewusstseins.

„Wer erlebt, dass die persönliche Umgebung eng mit der Geschichte verknüpft ist, dessen Blick ist für die Weite geschärft“, so Kubon mit Blick auf die jüngere Generation. Diese möchte er bei Besuchen in den weiterführenden Schulen der Stadt für eine Jugendmitgliedschaft mit geringem Mitgliedsbeitrag für die Themen des Geschichts- und Heimatvereins animieren. So soll auch ein Jugendbeirat im GHV installiert werden.

Darüber hinaus möchte Kubon die beliebten Exkursionen fortführen und plant hierzu einen vierjährigen Reisezyklus zum Thema „Die Habsburger“. Auch der Kontakt zum Schwenninger Heimatverein soll intensiv gepflegt werden. Seine Vorgänger Rath und Echle hätten große Schuhe hinterlassen, in deren Spuren er aber gerne tritt und die wertvolle Arbeit fortsetzen möchte. „Wir können stolz sein, Mitglieder dieses Vereins zu sein“, schloss Kubon seine Rede.

Mit den Worten „Ich bin kein Villinger. Deshalb bitte ich um geheime Wahl“ leitete er den Wahlgang ein. Von den knapp 90 Anwesenden konnte sich gerademal eine Handvoll nicht für Kubon entscheiden, was aber dem deutlichen Applaus der übrigen keinen Abbruch tat. In offener Abstimmung wurde Werner Blum zum Nachfolger von Hasko Froese ins Amt des Schatzmeisters gewählt. Der nunmehr 584 Mitglieder zählende Verein kann mit dem neu gewählten Vorstand zuversichtlich in die kommenden Vereinsjahre blicken.

Die neue Vorstandschaft des Geschichts- und Heimatvereins Villingen (von links nach rechts): Rupert Kubon, (Vorsitzender), Helga Echle (Schriftführerin), Edgar Tritschler (2. Vorsitzender) sowie Werner Blum (Schatzmeister).
Die neue Vorstandschaft des Geschichts- und Heimatvereins Villingen (von links nach rechts): Rupert Kubon, (Vorsitzender), Helga Echle (Schriftführerin), Edgar Tritschler (2. Vorsitzender) sowie Werner Blum (Schatzmeister).

Rückblick und Ausblick

Werner Echle hatte 2015 das Zepter von Günter Rath übernommen und ließ die Jahre seiner Amtszeit Revue passieren. In aller Bescheidenheit verstand er es die unzähligen Aktivitäten aufzuzählen. Dem veränderten Publikumsverhalten geschuldet sei die deutliche Einschränkung der Öffnungszeiten der Geschäftsstelle in der Kanzleigasse 1. War diese bislang allsamstäglich geöffnet, können ab 1. April nur noch am ersten Samstag im Monat Interessierte dort vorsprechen. Hermann Schuhbauer hatte in letzter Zeit oftmals keine Gäste begrüßen können. Ein Wunsch konnte während seiner Amtszeit nicht erfüllt werden: „Ich hätte mir ein neues Stadtarchiv gewünscht“, so Echle.

Doch blickte er nicht nur zurück. Es lag ihm am Herzen ein bestelltes Feld seinem Nachfolger zu hinterlassen. Bestens organisiert ist das 50-jährige Vereinsjubiläum, das es 2019 zu feiern gilt. Eine weitere Aufgaben wird sein, die Verfügbarkeit der Schorff’schen Bildsammlung wieder herzustellen. Bei der Renovierung der schadhaften Münsterglocke möchte der Verein einen finanziellen Beitrag leisten. „Vor vier Jahren hatte ich mich nicht um dieses Amt gerissen. Heute bin ich dankbar, dass ich es begleiten durfte“, schloss Echle mit bewegter Stimme seinen Rechenschaftsbericht.

Der Abschied

Werner Echle ließ es sich nicht nehmen, vertraute Wegbegleiter mit gebührendem Lob zu verabschieden. So zunächst Hermann Schuhbauer, seit 1970 Mitglied des Vereins und über viele Jahre Geschäftsstellenleiter und Archivverwalter. Nach 14 Jahren als Schatzmeister stellte sich Hasko Froese nicht mehr zur Wahl und wurde als „strenger aber auch großzügiger Sachwalter“ mit der Ehrenmitgliedschaft belohnt.

Rupert Kubon ernennt Hasko Froese als Dank für seine jahrelange Tätigkeit als Schatzmeister mit der Ehrenmitgliedschaft beim Geschichts- und Heimatverein.
Rupert Kubon ernennt Hasko Froese als Dank für seine jahrelange Tätigkeit als Schatzmeister mit der Ehrenmitgliedschaft beim Geschichts- und Heimatverein.

Zum Schluss dann die große Laudatio auf den scheidenden Werner Echle aus dem Mund des neuen Vorsitzenden Rupert Kubon. Sein besonnenes Wesen, sein Harmoniebedürfnis sowie seine Akribie und Gewissenhaftigkeit machten ihn zum idealen Vorsitzenden und Kubon zollte dem Scheidenden uneingeschränkte Bewunderung. Mit einem Holzschnitt des Vereinsemblems „Bannerträger“ aus dem Jahr 1579 bedankte sich der Verein für die geleistete Arbeit.

Rupert Kubon bedankt sich bei Werner Echle für seine Tätigkeit als Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins. Bild:Jörg-Dieter Klatt
Rupert Kubon bedankt sich bei Werner Echle für seine Tätigkeit als Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins. Bild:Jörg-Dieter Klatt