Es sollte ein friedlicher Protest sein, doch dann nahm die Polizei einen Protestierenden fest – und die Lage spitzte sich zu.
Samstagabend, 21. September 2019, vor der Villinger Tonhalle. Rund 150 Gegendemonstranten formieren sich gegen eine Veranstaltung der AfD. Alice Weidel, Markus Frohnmaier und Gottfried Curio waren als Redner auf 19 Uhr angekündigt. Im Saal warteten rund 250 Zuhörer auf die Vorträge der drei AfD-Bundestagsabgeordneten.
Bild: Trippl, Norbert

Samstagabend, 21. September 2019, vor der Villinger Tonhalle. Rund 150 Gegendemonstranten formieren sich gegen eine Veranstaltung der AfD. Alice Weidel, Markus Frohnmaier und Gottfried Curio waren als Redner auf 19 Uhr angekündigt. Im Saal warteten rund 250 Zuhörer auf die Vorträge der drei AfD-Bundestagsabgeordneten.

Zwischen Tonhalle und Kino war der Platz von rund 100 Polizisten abgesperrt. An den aus Göppingen von der Bereitschaftspolizei angefahrenen Polizeibarrieren ging auch die neu formierte Gruppe „Omas gegen Rechts“ in Position. Die Damen sangen Lieder und unterstrichen ihre Haltung mit Plakaten. Sie wurden energisch, als sie feststellten, dass sie vom Halleneingang aus fotografiert wurden. Zum SÜDKURIER-Fotografen sagten sie: „Sie dürfen das.“
Bild: Trippl, Norbert

Zwischen Tonhalle und Kino war der Platz von rund 100 Polizisten abgesperrt. An den aus Göppingen von der Bereitschaftspolizei angefahrenen Polizeibarrieren ging auch die neu formierte Gruppe „Omas gegen Rechts“ in Position. Die Damen sangen Lieder und unterstrichen ihre Haltung mit Plakaten. Sie wurden energisch, als sie feststellten, dass sie vom Halleneingang aus fotografiert wurden. Zum SÜDKURIER-Fotografen sagten sie: „Sie dürfen das.“

Die Polizei marschierte mit großem Besteck auf: Ein Pressesprecher, ein Anti-Konfliktteam, Bereitschaftspolizei aus Göppingen und andere Einheiten waren vor Ort. Insgesamt waren rund 100 Beamte in Stellung gegangen. Auch zwei Polizei-Lastkraftwagen kamen zum Einsatz, dazu rund zehn Mannschaftstransporter. Den Einsatz dirigierte der Villinger Revierleiter Thomas Barth.
Bild: Trippl, Norbert

Die Polizei marschierte mit großem Besteck auf: Ein Pressesprecher, ein Anti-Konfliktteam, Bereitschaftspolizei aus Göppingen und andere Einheiten waren vor Ort. Insgesamt waren rund 100 Beamte in Stellung gegangen. Auch zwei Polizei-Lastkraftwagen kamen zum Einsatz, dazu rund zehn Mannschaftstransporter. Den Einsatz dirigierte der Villinger Revierleiter Thomas Barth.

Zugriff: Gegen 19 Uhr, als in der Halle die AfD-Veranstaltung gestartet war, gegen Bereitschaftpolizisten plötzlich außerhalb der Absperrung auf eine Gruppe Demonstrierender zu. Es kommt zunächst zu einem etwa drei Minuten dauerenden Wortwechsel mit drei Beamten. Die Lage scheint zunächst entspannt. Dann ziehen die Polizisten gezielt einen jüngeren Mann aus der menge, umklammern ihn, unterstützt von weiteren Kräften hinzueilten Beamten, und führen ihn ab in einen Polizeitransporter. Offizielle Begründung der Ermittler: Ein Geschädigter einer früheren Straftat habe den Mann beschuldigt, ihn vor längerer Zeit attackiert zu haben. Der Pressesprecher der Beamten betont gegenüber dem SÜDKURIER, die Angaben des Mannes wären zunächst geprüft worden. Dann habe man die Personalien des Beschuldigten feststellen wollen. Der „Verdächtige ist zweimal gebeten worden, zur Feststellung seiner Personalien kurz mitzukommen, er hat dies verweigert. Dann mussten wir ihn abführen“, so der Polizeipressesprecher. Der Sprecher der Beamten betont sichtlich bemüht: „Der Vorgang hat also keinen Zusammenhang mit der Kundgebung, die ja bislang friedlich verlaufen ist.“ Die Festnahme direkt aus dem Pulk von Demonstrierenden sorgte für einen kleinen Ringkampf, die Stimmung der Gruppe von jungen Menschen kippte.
Bild: Trippl, Norbert

Zugriff: Gegen 19 Uhr, als in der Halle die AfD-Veranstaltung gestartet war, gegen Bereitschaftpolizisten plötzlich außerhalb der Absperrung auf eine Gruppe Demonstrierender zu. Es kommt zunächst zu einem etwa drei Minuten dauerenden Wortwechsel mit drei Beamten. Die Lage scheint zunächst entspannt. Dann ziehen die Polizisten gezielt einen jüngeren Mann aus der menge, umklammern ihn, unterstützt von weiteren Kräften hinzueilten Beamten, und führen ihn ab in einen Polizeitransporter. Offizielle Begründung der Ermittler: Ein Geschädigter einer früheren Straftat habe den Mann beschuldigt, ihn vor längerer Zeit attackiert zu haben. Der Pressesprecher der Beamten betont gegenüber dem SÜDKURIER, die Angaben des Mannes wären zunächst geprüft worden. Dann habe man die Personalien des Beschuldigten feststellen wollen. Der „Verdächtige ist zweimal gebeten worden, zur Feststellung seiner Personalien kurz mitzukommen, er hat dies verweigert. Dann mussten wir ihn abführen“, so der Polizeipressesprecher. Der Sprecher der Beamten betont sichtlich bemüht: „Der Vorgang hat also keinen Zusammenhang mit der Kundgebung, die ja bislang friedlich verlaufen ist.“ Die Festnahme direkt aus dem Pulk von Demonstrierenden sorgte für einen kleinen Ringkampf, die Stimmung der Gruppe von jungen Menschen kippte.

Bei der Festnahme des beschuldigten Demonstranten gehen die Beamten auf Nummer sicher: Diese Fahne wird dem Mann aus den Händen gerungen und in den abgesperrten Bereich geworfen. Im Getümmel soll ein Beamter mit einer Bierflasche angegangen und auch getroffen worden sein. Zudem, so der Polizeisprecher, sei es zu einem „Versuch der Gefangenenbefreiung“ vor der Tonhalle an den Polizeifahrzeugen gekommen sein. Hier wurde der Verdächtige zunächst vernommen. Spät in der Nacht teilt die Polizei schriftlich mit, es seien drei Beamte „leicht verletzt worden“. Vor der Tonhalle klammern sich etliche Jugendliche wie paralysiert an ihre Plakatstäbe. Das Vorgehen der Polizei wird nicht verstanden und erschreckt viele erkennbar. Die Polizei fährt den Festgenommenen schließlich zum Revier an der Waldstraße. Als sich dies bei den Demonstranten herumspricht, gibt es für die jungen Leute nur noch eines. Solidarität. Rund 80 Personen verlassen den Tonhallenvorplatz und versammeln sich vor dem Amtsgericht an der Niederen Straße. Die Gruppe will demonstrierend durch die dicht bevölkerte Fußgängerzone zum Revier ziehen. Ordnungsamtsleiter Ralf Glück und Polizei-Chef Thomas Barth beraten sich nur für Sekunden: Der Marsch sei „zwar unangekündigt aber wir lassen sie ziehen – oder?“, sagt Ralf Glück zu Thomas Barth. Der Polizei-Einsatzleiter nickt nur und beordert die Bereitschaftspolizei in die Fußgängerzone zur Begleitung.
Bild: Trippl, Norbert

Bei der Festnahme des beschuldigten Demonstranten gehen die Beamten auf Nummer sicher: Diese Fahne wird dem Mann aus den Händen gerungen und in den abgesperrten Bereich geworfen. Im Getümmel soll ein Beamter mit einer Bierflasche angegangen und auch getroffen worden sein. Zudem, so der Polizeisprecher, sei es zu einem „Versuch der Gefangenenbefreiung“ vor der Tonhalle an den Polizeifahrzeugen gekommen sein. Hier wurde der Verdächtige zunächst vernommen. Spät in der Nacht teilt die Polizei schriftlich mit, es seien drei Beamte „leicht verletzt worden“. Vor der Tonhalle klammern sich etliche Jugendliche wie paralysiert an ihre Plakatstäbe. Das Vorgehen der Polizei wird nicht verstanden und erschreckt viele erkennbar. Die Polizei fährt den Festgenommenen schließlich zum Revier an der Waldstraße. Als sich dies bei den Demonstranten herumspricht, gibt es für die jungen Leute nur noch eines. Solidarität. Rund 80 Personen verlassen den Tonhallenvorplatz und versammeln sich vor dem Amtsgericht an der Niederen Straße. Die Gruppe will demonstrierend durch die dicht bevölkerte Fußgängerzone zum Revier ziehen. Ordnungsamtsleiter Ralf Glück und Polizei-Chef Thomas Barth beraten sich nur für Sekunden: Der Marsch sei „zwar unangekündigt aber wir lassen sie ziehen – oder?“, sagt Ralf Glück zu Thomas Barth. Der Polizei-Einsatzleiter nickt nur und beordert die Bereitschaftspolizei in die Fußgängerzone zur Begleitung.

Eine Dame versucht, die jetzt zusehends harscher auftretenden Polizisten zu beruhigen. Sie appelliert mehrfach an die Beamten und trägt ein Schild mit der Aufschrift „Erkämpfen wir uns die Welt.“ Zum Kampf kommt es keine 60 Meter weiter. Vor dem Amtsgericht soll eine 20-Jährige in Folge der Festnahme verbal die Einsatzkräfte beleidigt haben. Wieder greift die Bereitschaftspolizei massiv durch. Die junge Frau wird von den Beamten festgenommen. Die empörte Menge wird von anderen Polizisten ferngehalten. Zwei Beamte führen die Frau schließlich, abgesichert durch weitere Polizisten, zurück zur Tonhalle. Je ein Bereitschaftspolizist zerrt an einem Arm der Frau. Sie weint und wird in einen Mannschaftswagen gezerrt. Auch sie wird nun zum Revier gefahren. Der Demonstrationszug der jungen Leute kennt nun kein Halten mehr. Alle wollen zur Polizeiwache, möglichst nahe bei den festgenommen sein. An der Waldstraße ist vorübergehend die Straße blockiert. Die Demonstrierenden sind aber eisnichtig. Sie klingeln mehrfach an der Tür der Wache. Ihnen sei bescheiden worden, je öfter sie klingelten, desto länger dauerten die Vernehmungen, erklärten drei Sprecher der Gruppe später zum SÜDKURIER. Die jungen Leute betonen, teils sehr traurig, sie wollten keinen Stress machen. Stattdessen sei ihnen keine Unterstützung von der Polizei zuteilgeworden. Mehrfach seien junge Demonstrierende auf dem Hallenvorplatz von Versammlungsteilnehmern provoziert worden. „Die sind uns gezielt auf die Füße gestanden und haben uns bedroht. Wir haben die Polizei gebeten, uns zu helfen, wir wurden von den Polizisten nur angegrinst“, beschwert sich eine junge Villingerin beim SÜDKURIER. Gegen 21 Uhr wird die festgenommene Frau freigelassen. Ein Bereitschaftspolizist sitzt ermattet auf dem Trottoir an der Waldstraße. Die jungen Leute jubeln kurz und ziehen dann Richtung Innenstadt ab. Der Polizeisprecher: „Weitere Störungen waren danach nicht mehr zu verzeichnen.“
Bild: Trippl, Norbert

Eine Dame versucht, die jetzt zusehends harscher auftretenden Polizisten zu beruhigen. Sie appelliert mehrfach an die Beamten und trägt ein Schild mit der Aufschrift „Erkämpfen wir uns die Welt.“ Zum Kampf kommt es keine 60 Meter weiter. Vor dem Amtsgericht soll eine 20-Jährige in Folge der Festnahme verbal die Einsatzkräfte beleidigt haben. Wieder greift die Bereitschaftspolizei massiv durch. Die junge Frau wird von den Beamten festgenommen. Die empörte Menge wird von anderen Polizisten ferngehalten. Zwei Beamte führen die Frau schließlich, abgesichert durch weitere Polizisten, zurück zur Tonhalle. Je ein Bereitschaftspolizist zerrt an einem Arm der Frau. Sie weint und wird in einen Mannschaftswagen gezerrt. Auch sie wird nun zum Revier gefahren. Der Demonstrationszug der jungen Leute kennt nun kein Halten mehr. Alle wollen zur Polizeiwache, möglichst nahe bei den festgenommen sein. An der Waldstraße ist vorübergehend die Straße blockiert. Die Demonstrierenden sind aber eisnichtig. Sie klingeln mehrfach an der Tür der Wache. Ihnen sei bescheiden worden, je öfter sie klingelten, desto länger dauerten die Vernehmungen, erklärten drei Sprecher der Gruppe später zum SÜDKURIER. Die jungen Leute betonen, teils sehr traurig, sie wollten keinen Stress machen. Stattdessen sei ihnen keine Unterstützung von der Polizei zuteilgeworden. Mehrfach seien junge Demonstrierende auf dem Hallenvorplatz von Versammlungsteilnehmern provoziert worden. „Die sind uns gezielt auf die Füße gestanden und haben uns bedroht. Wir haben die Polizei gebeten, uns zu helfen, wir wurden von den Polizisten nur angegrinst“, beschwert sich eine junge Villingerin beim SÜDKURIER. Gegen 21 Uhr wird die festgenommene Frau freigelassen. Ein Bereitschaftspolizist sitzt ermattet auf dem Trottoir an der Waldstraße. Die jungen Leute jubeln kurz und ziehen dann Richtung Innenstadt ab. Der Polizeisprecher: „Weitere Störungen waren danach nicht mehr zu verzeichnen.“

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