Die meisten Menschen werden Weisheit am ehesten mit dem Alter in Verbindung bringen. Doch dies darauf zu beschränken, ist ungerecht. So sieht das zumindest Christa Lörcher, die selbst schon ein ziemlich bewegtes Leben hinter sich gebracht hat. Und es gebe ja auch die Weisheit des Engagements, so Eike Buchmann. Er sitzt Lörcher zur Seite bei der Präsentation von lebensweisen Menschen. Und diese werden in der Gesprächsreihe vor rund 60 anwesenden Zuhörern durch Rupert Kubon und Petra Brenneisen-Kubon vertreten.

Psychologin und 28 Jahre verheiratet

„Ich bin 61 Jahre alt und seit 28 Jahren mit diesem Herrn verheiratet“, eröffnet Petra Brenneisen-Kubon das Gespräch. Psychologin ist sie, für Kinder tätig, darüber hinaus in der Trauma- und Suchttherapie. Der Herr wiederum, mit dem sie so lange schon verheiratet ist, stand 16 Jahre als Oberbürgermeister im Fokus der Öffentlichkeit. Gestalterische Möglichkeiten habe er reichlich gehabt, so Rupert Kubon. Allerdings, so ist seine Beobachtung, habe die langfristige Entfaltungsmöglichkeit für diese Arbeit nachgelassen. Die sozialen Medien hätten hier ihre Wirkung nicht verfehlt, immer öfter stünden Bürgermeister unter immensen Druck: „Ich war aber wirklich gern OB, mit 100-prozentigem Einsatz“. Er habe lange überlegt, ob er wirklich aufhören solle, wenn er die 62 Jahre überschritten hat. „Aber ich wollte noch etwas anderes in meinem Leben machen, das war mir schon früh klar“.

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Wie sich die Stadt verändert habe, wie ihr Verhältnis zur Stadt ist, will Christa Lörcher wissen. Petra Brenneisen-Kubon gesteht freimütig, dass sie nicht gern von Dessau weggezogen sei, als ihr Mann im Jahr 2002 sein Amt des Oberbürgermeisters angetreten habe. Aber heute fühle sich die Familie wohl in der Region. „Ich denke, wir bleiben auch hier in der Stadt“, bringt sie es auf den Punkt. Selbstverständlich bleibe man hier, betont Rupert Kubon unter Gelächter des Publikums. Gerade das Thema Heimat beschäftige ihn sehr, nicht nur unter dem Eindruck der Flüchtlingsbewegung der letzten Jahre. Das habe ihn schon seit seiner Kindheit bewegt. „Ich hoffe, die Stadt bleibt so offen für Fremde. Nur wer Schwierigkeiten mit dem Heimatgefühl hat, der hat auch Probleme mit Fremden“, so Kubon.

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Welche Erfahrung hat Brenneisen-Kubon mit traumatisierten Flüchtlingen gemacht und was kann die Gesellschaft für diese tun? „Wir brauchen mehr Sicherheit für die jungen Leute, die nun in die Ausbildung gehen, was ihren Bleibestatus betrifft. Auch die Betriebe brauchen hier Sicherheit, das bekomme ich direkt mit“, so Brenneisen-Kubon. Ihr Mann pflichtet ihr bei, indem er ein Zuwanderungsgesetz von der Politik einfordert, das seinem Namen gerecht wird und nicht so verkorkst ist wie aktuell zu beobachten.

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Warum engagiert sich Rupert Kubon nach wie vor? Eike Buchmann hakt nach. „Weil ich ein zutiefst politischer Mensch bin. Schon als zehnjähriger Bub habe ich einen Aufsatz geschrieben, dass wir eine bessere Bildungspolitik brauchen. Deswegen will ich dennoch nicht den Job von Frau Eisenmann“, so Kubon. Aus ihrer Praxis als Kinderpsychologin erzählt Petra Brenneisen-Kubon Bedenkliches. Kinder werden auffälliger in ihrem sozialen Verhalten. Eltern sind zunehmend verunsichert und die Medien tun ihren Teil dazu. „Viele Eltern trauen sich nicht mehr, ihre Kinder zu erziehen. Da fehlt häufig Verlässlichkeit, es herrscht eine zunehmende Sprachlosigkeit in den Familien. Das Handy hat viel kaputt gemacht“, erläutert sie.

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Und wie entspannt man von all dem Stress? Verreisen ist eine gute Sache, um runter zu kommen, so Brenneisen-Kubon, insbesondere Natururlaube mache sie mit ihrem Mann gerne. Für ihn ist Meditation das Mittel der Wahl, dazu kommt guter Schlaf, um zu erholen.

Und welche Wünsche gibt es noch? „Wenn man sagen würde, ich bin wunschlos glücklich, dann könnte man eigentlich schon auf den Friedhof gehen. Aber mir geht es schon rundum gut“, so Rupert Kubon. Für seine Ehegattin hingegen ist zuerst einmal wichtig, dass es den Töchtern gut geht. Ihm natürlich ebenfalls, wie er flott betont. Wir halten fest: „Weise ist es manchmal auch, insbesondere in der Ehe dem anderen beizupflichten.“