Wochenmarkt, das ist mehr als frisches Gemüse und regionales Obst, mehr als Käse aus handarbeit und selbst gebackenes Brot. Wochenmarkt ist ein Gefühl.

Die Frage ist nur, wie lange wird dieses Gefühl noch zeitgemäß sein?

Als die ersten Märkte im 10. Jahrhundert aufkamen – zu den ältesten verbrieften Märkten gehören der Markt in Esslingen am Neckar, den Karl der Goße um 800 gründete und der Trierer Hauptmarkt der 958 angelegt wurde – waren sie in erster Linie ein Handelsplatz für Waren und in zweiter Linie ein Platz zum Austausch von Neuigkeiten. Heute findet der Austausch auf Kurznachrichtendiensten und in Sozialen Medien statt. Lebensmittel können über das Internet bestellt werden, in den Regalen der Bioläden und Supermärkte stehen Obst und Gemüse regionaler Anbieter und in den Kühltheken lagern Fleisch und Käse heimischer Produzenten. Und was sind Food-Truck-Festivals anderes, als eine moderne Interpretation des Marktbummels?

Bundesweit gibt es rund 3300 Wochenmärkte. Einige davon seien, das sagte jüngst der Vorstandssprecher der Deutschen Marktgilde Gerhard Johnson in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen, in den letzten sechs bis acht Jahren teilweise um bis zu 50 Prozent geschrumpft. Im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es aktuell 14 Wochenmärkte. Zwei der größten finden sich in den beiden Stadtbezirken der Doppelstadt Villingen-Schwenningen. Laut Stadtverwaltung waren im vergangenen Jahr in Villingen durchschnittlich 34 Marktbeschicker, in Schwenningen 26 bei jedem Wochenmarkt anwesend. Die Anzahl der Beschicker, so Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt, ist in den vergangenen zehn Jahre sowohl in Villingen als auch in Schwenningen in etwa gleich geblieben, da der Marktbereich ebenfalls in etwa konstant geblieben ist.

Gibt es dennoch ab und an Lücken zwischen den Ständen, liegt das, in den meisten Fällen schlicht am Wetter.

"Wochenmärkte unterliegen naturgemäß saisonalen Schwankungen", sagt Oxana Brunner. Selbsterzeuger kommen in den Wintermonaten seltener, Saisonanbieter mit Orangen aus Sizilien oder frischen Kirschen vom Kaiserstuhl nur zu bestimmten Zeiten. Wer wann und auf welchem Platz steht, darüber entscheiden die Marktmeister. Im Auftrag des Bürgeramtes sind sie dafür zuständig, Anträge von Beschickern zu genehmigen oder neue Händler zu gewinnen. Gibt es eine kurzfristige Absage eines Beschickers, ordnen sie den Markt auch schon mal neu, damit das Marktbild stets gewahrt bleibt, beispielsweise sollten keine zwei Metzger nebeneinander stehen. Sollte ein Standplatz wiederholt und unentschuldigt längere Zeit nicht benutzt werden, dann können sie die Genehmigung auch wieder entziehen.

 

Das sind die schönsten Wochenmärkte im Schwarzwald-Baar-Kreis:

  • Königsfelder Wochenmarkt: Sanfte Harfenklänge für den guten Zweck
    Auf dem Wochenmarkt in Königsfeld erwartet den Besucher mitunter mehr als Obst und Gemüse. Bild: Kirsten Strötgen
    Auf dem Wochenmarkt in Königsfeld erwartet den Besucher mitunter mehr als Obst und Gemüse. Bild: Kirsten Strötgen
    Klein, aber mit großem Charme präsentiert sich der Königsfelder Wochenmarkt immer freitags von 8 bis 13 Uhr auf dem Rathausplatz. Die Beschicker bieten hochwertige Produkte aus der Region und natürlich auch aus der Gemeinde selbst, fast alles in Bio-Qualität. Frisches Holzofenbrot, handgemachter Ziegenkäse, farbenfroh gebundene Blumenkränze, Wurst, Eier, Honig und natürlich bestes Bio-Gemüse.

    Zwar gibt es in Königsfeld nur wenige Stände, doch die Vielfalt und das malerische Ambiente vor dem hübschen Rathaus lassen keine Wünsche offen.

    Für das besondere Markterlebnis sorgt hin und wieder Maria Kammerer. Die pensionierte Religionslehrerin begleitet die Besucher an manchen Markttagen auf ihrer Harfe bei ihrem Einkauf. Immer wieder staunend stehen die Besucher dann vor der Harfenistin, um den fast sphärischen Klängen zu lauschen. Aber Maria Kammerer erfüllt mit ihrer Harfe noch einen weiteren Zweck. In einer kleinen Schale sammelt sie Geld für drei Ordensschwestern einer katholischen Gemeinschaft. Die drei Schwestern leben in einem sozialen Brennpunkt von Bonn und helfen dort vor allem vielen Kindern. (kst)
  • Dürrheimer Wochenmarkt: Selbstgebackene Kuchen und Torten
    Frank Walter von Café Walter aus Tuttlingen kommt mit selbstgebackenen Torten und Kuchen nach Bad Dürrheim. <em>Bild: Sabine Naiemi</em>
    Frank Walter von Café Walter aus Tuttlingen kommt mit selbstgebackenen Torten und Kuchen nach Bad Dürrheim. Bild: Sabine Naiemi
    Der Dürrheimer Wochenmarkt ist eine feine Sache, das Angebot ist so umfangreich, dass man alles findet, was man braucht. Über Wurst und Fleisch, Käse natürlich, Gemüse und Obst, Brot und Backwaren, Blumen, Südtiroler Spezialitäten, Almkäse, bis hin zu Blumen und frischem Fisch. Viele regionale Anbieter sind mit ihren Ständen vertreten, aber der Markt ist auch bei Händlern aufgrund der Kundschaft so beliebt, dass die meisten von ihnen schon viele Jahre den weiten Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Bäcker Strickel aus Epfendorf beispielsweise verkauft seine Waren seit 30 Jahren in Bad Dürrheim. Und Bad Dürrheim hat einen Stand, den anderen Märkte nicht haben – nämlich Torten und Kuchen.

    Die Händler sagen, sie würden besonders von den Urlaubern vom Wohnmobilhafen profitieren. Für die Kunden macht das breite Angebot den Markt aus. „Man bekommt alles, was man braucht und alles in bester Qualität“, erklärt das Ehepaar Susanne und Walter Stinner. Natürlich hält man auch gern einmal auf einen netten Schwätz inne. (sgn)
  • Donaueschinger Wochenmarkt: Besondere Käsespezialitäten
    Käse aus Sennereien im Allgäu und aus Österreich bringen Felix Marek (rechts) und Daniel Adler jeden Freitag mit auf den Markt. <sup></sup><em>Bild: Gabi Lendle</em>
    Käse aus Sennereien im Allgäu und aus Österreich bringen Felix Marek (rechts) und Daniel Adler jeden Freitag mit auf den Markt. Bild: Gabi Lendle | Bild: Gabi Lendle
    Idyllisch am Brigachufer und dennoch zentral gelegen, bietet der Wochenmarkt in Donaueschingen jeden Freitagvormittag ein ganz besonderes individuelles Einkaufserlebnis. Die vielen bunten Stände bieten frische Lebensmittel direkt vom Erzeuger oder vom Händler. Die Auswahl ist groß: Von Fisch und Fleisch über Gemüse, Obst, Honig, Geflügel, selbst gebackenen Kuchen, verschiedenster Brotsorten bis hin zu Käsespezialitäten und Feinkost sowie einem umfangreichen Stand eines Gärtners bekommt der Besucher, was er von einem Markt nur bekommen kann. Ob Bio oder konventionell kann der Kunde selbst entscheiden, zumal man bei den Anbietern ganz unkompliziert Fragen zu den Produkten stellen darf. Aber das Einkaufen ist beim Wochenmarkt bekanntlich nicht alles. Und so besteht auch in Donaueschingen die Möglichkeit zu einer Kaffeepause und zum Kommunizieren; denn auf dem Wochenmarkt macht das Einkaufen noch Freude und es bietet sich immer auch die ein oder andere Gelegenheit zu einem „Schwätzle“. (gal)
  • Villinger Wochenmarkt: Immer samstags erklingt die Orgel
    Der Wochenmarkt in VS-Villingen findet direkt vor dem Münster statt.<sup></sup><em>Bild: Wilhelm Bartler</em>
    Der Wochenmarkt in VS-Villingen findet direkt vor dem Münster statt.Bild: Wilhelm Bartler | Bild: Wilhelm Bartler
    Der Marktbesucher in Villingen findet sich mitunter an einem Samstagvormittag mitsamt seiner Lauchstange und den frischen Erdbeeren in den Bänken des Münsters wieder. Dort erklingt seit 2002 jeden zweiten Samstag im Monat, jeweils von 11 bis 11.30 Uhr, die Orgelmusik zur Marktzeit an der rekonstruierten Johann-Andreas-Silbermann-Orgel. Knapp 200 Konzerte und rund 28 000 Besucher kamen so in den vergangenen 14 Jahren zusammen. Anlässlich des Reformations- und des Stadtjubiläums in diesem Jahr hält die Tradition der musikalischen Marktzeit nun auch in Schwenningen Einzug. Bezirkskantor Marius Mack lädt dort fortan an jedem vierten Samstag im Monat um 11 Uhr für 30 Minuten zum "Singen zur Marktzeit" in die evangelische Johanneskirche ein. Auch ohne musikalische Klänge lohnt sich der Besuch des Marktes auf dem Münsterplatz allemal. Im Schnitt bieten rund 30 Beschicker neben dem typischen Marktgemüse, Brot und Wurst auch selbst gemachte Pasta oder frische Schnittblumen an. (ang)
 

Wenn die Händler morgens um 5.30 Uhr mit dem Aufbau beginnen, sind auch die Marktmeister vor Ort. Sie sind für die Ordnung und die Sicherheit zuständig, beispielsweise die Einhaltung von Rettungswegen und sie sind Ansprechpartner für die Beschicker.

Wochenmärkte sind längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, sich mit regionalen Waren direkt vom Erzeuger zu versorgen. Nahversorgung geht, gerade im ländlichen Raum, auch noch anders. Hofläden, Milchautomaten oder Fleischautomaten: Die Auswahl wird immer größer, das Sortiment vielfältiger, zum Teil dank Kooperationen zwischen mehreren Erzeugern. Allein im Schwarzwald-Baar-Kreis sind in der Broschüre des Landratsamtes 41 Direktvermarkter verzeichnet. Das Angebot reicht vom Schwarzwälder Kirschwasser über Bauernbratwürste bis hin zu Honiglikör, Schaffellen, Erdnussbutter, Eis und natürlich Eier, Milch, Säfte, Marmelade, Käse, Wurst und Nudeln.

Was Landwirte und Direktvermarkter wie Ursula Hettich aus Brigachtal besonders freut: Dass auch viele junge Familien mit Kindern kommen. „Für manche Stammkunden ist es inzwischen ein Ritual, am Samstagmorgen im Hofladen einzukaufen“, sagt Hettich. „Es ist toll, dass Menschen Interesse an frischen regionalen Produkten haben.“