Sie sind der wohl einer der bekanntesten Hästräger der Region. Mit ihren Tanzeinlagen haben Sie auch bei dieser Fastnacht wieder tausende Umzugsbesucher begeistert. Viele Menschen fragen sich: Wer steckt da hinter der Maske? Stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Hallo, ich bin Mike Köhler, wohne in VS-Weilersbach, bin 23 Jahre alt und bin von Beruf Metallbauer.

So sieht der 23-jährige Mike Köhler ohne Scheme aus.
So sieht der 23-jährige Mike Köhler ohne Scheme aus. | Bild: Jens Froehlich

Seit wann sind Sie bei der Zunft und seit wann ein tanzender Epfelschittler?

Ich bin quasi ein Gründungsmitglied und seit meiner Geburt im Verein dabei. Meine erste Scheme habe ich mit 16 Jahren bekommen, wie alle meine Geschwister auch. Meine Mutter fährt immer unseren Umzugswagen. Nur mein Vater und mein Bruder sind nicht ganz so von der Fasnet begeistert, wie der Rest der Familie. Meine Tanzschritte zeige ich seit fünf Jahren bei den Umzügen.

Bei wie vielen Umzügen sind sie in diesem Jahr mitgelaufen?

Aufgrund der kurzen Fastnacht waren wir nur auf fünf Umzügen dabei. Am besten hat es mir in Donaueschingen am Sonntag und in Villingen am Dienstag gefallen. Da hatten wir jeweils unseren Wagen dabei. Dann kann ich besser tanzen und Showeinlagen mit meinem Stock zeigen, ohne Angst zu haben, andere Narren hinter mir aus Versehen zu verletzen, da meine Sicht unter der Scheme eingeschränkt ist. Meine Mutter, die den Traktor fährt, kennt mich aber gut und hält mir den Rücken frei. Sie hupt aber auch, wenn es mal wieder zu lange dauert, was ich da mache.

Videos von seinen Tanzeinlagen:

Video: Jens Fröhlich

 

Video: Florentin Stemmer

 

Wie oft kann man solche sportlichen Einlagen auf die Straße zaubern?

Wenn ich nicht Fußball spielen und regelmäßig Joggen gehen würde, wäre ich sicher nach 20 Metern bereits erschöpft. Unter der Scheme bekommt man wenig Luft. Es ist richtig anstrengend. Wie oft ich einen Tanz zeige, kommt darauf an, wann wieder genug Luft da ist und ob die Zuschauer Zugaben fordern. Aber: Ich mache es oft. Nach den Umzügen bin ich komplett verschwitzt und muss mich umziehen.

Und wie geht es Ihrer Kniescheibe? Diese Limbo-Bewegung am Ende sieht nicht gerade gesund aus.

Noch habe ich keine Probleme. Damit das so bleibt, wärme ich mich vor den Umzügen immer zuhause auf, mache Dehnübungen. Das dauert rund 15 Minuten. Und ich nutze regelmäßig eine Massagerolle, um meine Muskeln zu lockern.

Warum können Sie überhaupt so gut tanzen?

Ich habe nie einen Tanzkurs gemacht und bin auch in keinem Verein. Es ist aber ein Hobby von mir. Standardtänze habe ich von meiner Mutter gelernt. Ein Bekannter hat mir einige Hip-Hop Schritte gezeigt. Später, als der Shuffle-Hype aufkam, habe ich mir die Grundschritte selbst beigebracht. Zusammen mit einem guten Freund übe ich neue Schritte und wir tanzen Videos nach. So entwickelt jeder seinen eigenen Stil. Bei mir ist es eine Mischung aus Shuffle und Hip-Hop.

Brauchen Sie Musik zum Tanzen?

Nicht unbedingt. Ich höre mir bei der Fahrt zum Umzug einfach gute Musik in Dauerschleife an, bis es zum Ohrwurm wird. Darauf tanze ich dann. Es funktioniert aber auch zu schnelleren Stücken von guten Guggenmusik-Gruppen.

Hätten Sie im Vorfeld gedacht, dass das Video von ihrer Tanzeinlage über 15.000 Mal angeschaut wird?

Nein. Bis zum Abend nach dem Umzug wurde ich in dem Facebook-Beitrag bereits elf Mal markiert. Diese Reichweite hat mich schon überrascht. Ich freu mich jedoch, dass es den Leuten gefällt und fühle mich ein wenig geehrt.

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Was sagen andere Vereinsmitglieder zu Ihrem Erfolg?

Anfangs gab es auch kritische Stimmen, dass es nicht zur Zunft und zum Brauchtum passt. Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt, so habe ich das Gefühl. Wir haben im Verein viele Nachwuchsnarren. Ob das in Teilen an mir liegt, kann ich nicht sagen. Nur von einem weiß ich, dass er meine Rolle in Zukunft mal übernehmen möchte. Ich soll ihm das Tanzen beibringen.

Was bedeutet Fasnet für Sie?

Die Fastnacht gehört für mich schon mein ganzes Leben lang dazu. Während dieser Zeit kann man abschalten, Spaß haben und man fühlt sich freier als sonst. Ich nehme mir dafür immer eine Woche Urlaub. Ich schätze die tolle Zunftgemeinschaft hier im Ort. Es macht Spaß, den Zunftball zu organisieren und bei den Umzügen Menschen zu unterhalten. Ich bin meist mit einer kleinen Gruppe Epfelschittler unterwegs. Jeder von uns macht seine ganz eigenen Späße mit den Zuschauern, ich tanze eben.

Auf was können sich Umzugsbesucher im kommenden Jahr freuen?

Das weiß ich noch nicht. Grundsätzlich überlege ich mir immer irgendetwas Neues. Für 2019 habe ich noch keine Idee. Mal sehen, vielleicht gibt es eine Choreografie mit anderen. Ich freue mich über jeden, der mitmacht.

Fragen: Jens Fröhlich