Der Wohnungsmarkt in der Doppelstadt ist für Geringverdiener und Alleinerziehende, selbst für Familien mit Kindern, die nicht über ein hohes Budget verfügen, nahezu ausgetrocknet. Damit nähert sich die Situation derjenigen in Metropolen an. Möglicherweise verschlechtert sich die Lage noch, denn die Stadt wird zusehends attraktiver für Investoren.

Bild: Orlowski, Birgit

Das legt eine Expertise nahe, die von einem Beratungsunternehmen verfasst wurde und auf die der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft (Wbg), Rainer Müldner, im Gemeinderat bei der Vorstellung des angenommenen Jahresabschlusses verwies.

Rund 1400 Wohneinheiten vergibt die Wbg in VS, die Wartezeit: eins bis 1,5 Jahre, wie Müldner referierte: Gefühlt sogar mehr, was CDU-Stadträtin Maria Noce bedauerte. Das liegt wohl auch daran, dass Härtefälle vorgezogen werden, dann verlängere sich aber die Wartezeit für die anderen. Es ist eine „Mangelverwaltung“, räumte Müldner nach kritischen Nachfragen ein.

Zur Zeit alle Wbg-Wohnungen vermietet

Dabei tut die Wbg mit den anderen VS-Baugenossenschaften, was sie kann: Daher stehen bei der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft keine Wohnungen leer: Es herrscht „Vollvermietung“. Der Leerstand von zwei Prozent rühre daher, dass bei einem Mieterwechsel die Wohnungen saniert werden müssten.

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Allerdings komme das auch nicht mehr so oft vor: Die Fluktuation betrage nur noch sechs Prozent, erläuterte Müldner. Also: Wer eine Wohnung hat, behält sie auch.

Wohnungsbaugesellschaft: Günstige Miete

5,66 Euro kostet bei der WbG im Schnitt die Miete pro Quadratmeter Kaltmiete, rechnet man die 150 Studentenwohnungen heraus, ist die Gesellschaft am Ziel von fünf Euro. Sperber-Fair ist das neueste Projekt – und, für 35 Millionen Euro, zusammen mit den anderen Wohnungsbaugenossenschaften die Sanierung des französischen Quartiers. Diese Wohnungen stehen aber in den nächsten Jahren ausschließlich Studenten der Polizei zur Verfügung.

Interessante Studie

Nachdenkliche Gesichter ließ Müldner zurück, als er aus einem Gutachten des auf Immobilien spezialisierten Beratungsunternehmens Wüest und Partner zitierte, das Kommunen in Bayern und Baden-Württemberg unter die Lupe nimmt. Das Unternehmen vergleicht für Investoren Städte, dabei sind Metropolen wie München, aber auch Stuttgart oder eben VS. Das Ergebnis überrascht: Die Mietsteigerung im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahren betrage in Villingen-Schwenningen 25,5 Prozent, in München sind es 19,5 Prozent, in Stuttgart 22,8 Prozent. Der Anstieg in VS erfolge von einem niedrigeren Niveau als in den Großstädten, machte Müldner deutlich, aber dennoch: Klar wird, dass sich das Kapital seinen Weg in die Provinz sucht, vor allem weil anderswo die Mieten reguliert werden müssen. Das macht sich auch bei der Rendite bemerkbar: Die lag 2018 bei 2,6 Prozent in München, in Stuttgart bei 3,2 Prozent, in Freiburg bei 3,8 Prozent und in Villingen-Schwenningen bei 5,5 Prozent – mit Schweinfurt liegt VS an der Spitze der Studie.

Lange Warteliste

Müldner sieht diese Entwicklung „mit Sorge“, werden doch möglicherweise die Grundstückspreise steigen, was die Erstellung günstiger Wohnungen schwieriger macht. Der Ansturm auf Baugenossenschaft und die Wbg wird noch größer. Schon jetzt gebe es eine „unendliche Warteliste“, beklagte der Freie Wähler Hans-Henning Lichte, bei der Vermittlung tue sich praktisch nichts. Viel Lob gab es für die eigentliche Arbeit der Wbg – in Zukunft will sich das Unternehmen verstärkt um Holzbau, innovative Heizsystem und neue Wohnformen kümmern.